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18:32 23.11.2017
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Dr. Bernd Buchholz

Innovation und Technologietransfer sind Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit der maritimen Wirtschaft in Schleswig- Holstein, sagt Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft und Verkehr. Quelle: Olaf Malzahn

Wirtschaftsminister

in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist als Land zwischen zwei Meeren prädestiniert als Standort für eine moderne, zukunftsgerichtete maritime Wirtschaft. Auf eine lange Tradition als Schiffbauerland können wir selbstverständlich schon zurückblicken und haben in diesem Bereich besonders viel zu bieten. Jede vierte deutsche Reederei hat ihren Sitz in Schleswig-Holstein. Jede fünfte Werft hat hier ihren Standort. Es arbeiten in der gesamten maritimen Wirtschaft zudem 42000 Menschen, mehr als 1800 Unternehmen gehören dazu, sie erwirtschaften knapp 9,3 Milliarden Euro Umsatz.

Das ist sehr gut. Jetzt geht es aber vor allem darum, den Blick auf die Zukunft zu richten und die maritime Wirtschaft durch Innovation und Technologietransfer wettbewerbsfähig zu halten.

Die Krise der Werften der vergangenen Jahre hat schmerzlich gezeigt, wie wichtig es ist, innovativ und flexibel aufgestellt zu sein, um mit dem Wandel der rechtlichen Rahmenbedingungen, internationalen Krisen und großen ökonomischen wie ökologischen Herausforderungen mithalten zu können. Weil sich Schleswig-Holsteins Werften durch hohe Spezialisierung frühzeitig neu orientiert haben, haben sie diese tiefgreifende Krise relativ gut überstanden. Sie waren innovativ und haben zukunftsorientiert agiert, das war und ist ihr Erfolgsrezept.

Das Gleiche gilt im Grunde für die maritime Wirtschaft insgesamt: Wer innovativ unterwegs ist, wer sich gut vernetzt und die Schnittstellen der Branche als kreativen Impuls zu nutzen versteht, wer sich aktiv um Wissens- und Technologietransfer kümmert und die Chancen ergreift, die die Digitalisierung bietet, der ist für die Zukunft gut aufgestellt. Deshalb legt das Land besonderen Wert darauf, dass es einen intensiven Wissens- und Technologietransfer gibt. Anwendungsorientierte Forschung, gute Kooperationen mit der Wirtschaft, ein gründerfreundliches Umfeld und eine passgenaue Unterstützung von Start- ups sind der Schlüssel zum Erfolg.

Und wir müssen mit den Pfunden wuchern, die wir haben. Schleswig-Holstein ist vor allem ein starker Standort der Küsten- und Meeresforschung. Hier liegen enorme Kompetenzen. Ein Beispiel: Die Landesinitiative „Zukunft Meer“ hat einen Förderaufruf gestartet, der hochspannende Projekte zu Tage gebracht hat. Dazu gehört etwa das Projekt „size is important“ des Alfred-Wegener-Instituts. Die Forscher sagen: Derzeit schwimmen etwa 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. Jährlich kommen acht Millionen Tonnen Plastik hinzu. Das entspricht etwa einem Müllwagen pro Minute, der in die Meere entleert wird. Aber es geht nicht allein um sichtbaren Plastikmüll, sondern vor allem um Mikroplastik, das möglicherweise über Fische und Muscheln in die Nahrungskette gelangt. Dazu will das Projekt genauer forschen.

Spannend ist auch das Projekt „CoastSens“ des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, das Grundlagen für ein verbessertes Umweltmonitoring in Küstengewässern erarbeiten will, und zwar in direkter Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen. Dabei geht es um die Früherkennung von Umweltgefährdungen durch Sauerstoffmangel und potenziell giftige Algenblüte. Das ist international bedeutende Grundlagenforschung mit Schnittstelle zur ökonomischen Verwertung – genau so etwas wollen wir fördern. Und zwar gerade vor dem Hintergrund, dass in der „blauen Biotechnologie“ enormes Potenzial steckt.

Das Meer kommt als Ressource nur in Frage, wenn es „sauber“ ist und seine Nutzung ökologisch verantwortungsvoll geschieht. Die marine Biotechnologie ist eine Zukunftstechnologie, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Auf Basis meeresbiologischer Organismen können mithilfe biotechnologischer Verfahren Produkte hergestellt werden, die in Pharmazie, Kosmetik, Nahrungsmittel, Aquakultur, Energie und Chemie Anwendung finden können. Da wollen wir mit unseren hochkarätigen wissenschaftlichen Einrichtungen wie der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik und unserer ökonomischen Kompetenz in Sachen maritimer Wirtschaft zur Vorreiterregion werden. Das stünde Schleswig- Holstein, dem einzigen Bundesland zwischen zwei Meeren, gut zu Gesicht!

Das spannende an Schleswig- Holsteins maritimer Wirtschaft ist ja, dass sich hier so viel miteinander verbindet. Touristen erleben sie vor allem durch die Kreuzschifffahrt und die Fährverbindungen nach Skandinavien und ins Baltikum. Schiffbauer denken an die Traditionswerften, an RoRo-Fähren, an die großen Megayachten. Die Wehrtechnik-Experten haben beim Stichwort „maritime Wirtschaft“ vor allem die Kompetenzen im Korvetten- und U-Boot- Bau im Blick. Logistiker denken an den Nord-Ostsee-Kanal als weltbekannte Schiffsroute und an unsere Häfen an West- und Ostküste, die wichtige Knotenpunkte für den Güterverkehr darstellen.

Zur maritimen Wirtschaft gehören aber natürlich auch die Offshore-Windenergie als Zukunftsfeld der Energieversorgung, Innovationen im Bereich der Schiffsantriebe, Aquakultur oder eben die blaue Biotechnologie. Somit ist die maritime Wirtschaft auch etwas für Ökologen, Meeresforscher, Energieexperten. Und natürlich etwas für Menschen, die den „großen Pötten“ einfach gerne vom Ufer aus zuschauen. •

LN

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