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18:26 29.09.2016
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Mit 5,7 Millionen Beschäftigten ist die Gesundheitswirtschaft eine der größten und volkswirtschaftlich bedeutendsten Branchen Deutschlands – ein Garant für Beschäftigung und Wachstum.

Der Norden der Bundesrepublik ist führend in der Gesundheitswirtschaft. Für unsere Region gilt das umso mehr. Grafik: af, kebox / Fotolia

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des medizinisch- technischen Fortschritts und des steigenden Gesundheitsbewusstseins ist auch in der Zukunft von einer anhaltenden Expansion der Branche auszugehen.

Bereits im Jahr 2013 beliefen sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland auf rund 315 Milliarden Euro – das entspricht 3910 Euro je Einwohner und einem Anteil von 11,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Die Bruttowertschöpfung ist nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit von 2007 bis 2013 jährlich im Schnitt um 3,5 Prozent gestiegen – deutlich schneller als die Gesamtwirtschaft mit 2,4 Prozent Wachstum.

Schleswig-Holstein ist bei dieser Entwicklung ganz weit vorn. „Die Gesundheitswirtschaft ist eine dynamische, vielfältige und zukunftsfeste Branche mit hoher Bedeutung für Schleswig-Holstein und mit viel Potenzial für die Zukunft – unter anderem im Bereich der technischen Innovationen“, sagt Wirtschaftsminister Reinhardt Meyer. Die Gesundheitswirtschaft habe sich zu einem außerordentlich wichtigen Wirtschaftsbereich in unserem Bundesland entwickelt.

Jeder fünfte Beschäftigte arbeitet in Schleswig-Holstein in ganz unterschiedlichen Bereichen der Branche: in Krankenhäusern, Arztpraxen, Reha-Zentren, medizinischen Forschungseinrichtungen oder Pharmaunternehmen, bei Herstellern medizinischer Hilfsmittel, spezialisierten IT-Anbietern und Unternehmen der Wellness-Branche, als Medical Designer oder Serious Games-Entwickler. Darüber hinaus gewinnt auch im Tourismus das Thema Gesundheit zunehmend an Bedeutung.

Im Bundesländervergleich liegt Schleswig-Holstein damit an der Spitze, gefolgt von Mecklenburg- Vorpommern mit 19,6 Prozent und Berlin (19,1 Prozent) – und deutlich über dem deutschlandweiten Wert von 17 Prozent.

Und die Region Lübeck führt noch einmal um einen weiteren Schritt. Seit mehr als 100 Jahren prägt die Gesundheitswirtschaft den Standort. Sie gilt als stärkstes Branchen-Cluster in der Region. Unternehmen wie Dräger oder Euroimmun sind weltbekannt.

Mit Fokus auf Medizintechnik, Biotechnologie und Gesundheitsdienstleistungen nimmt die Hansestadt die Spitzenstellung in der norddeutschen Gesundheitswirtschaft ein. In diesen drei Bereichen erwirtschaften die Lübecker Unternehmen nach Angaben der Wirtschaftsförderung Lübeck mit 16000 Beschäftigten weit über 1,1 Milliarden Euro im Jahr – Tendenz steigend. In der gesamten Region der IHK zu Lübeck umfasst die Branche in über 3800 Betrieben etwa 64 000 Beschäftigte. Im Kammerbezirk ist somit fast jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft tätig (18,9 Prozent).

Die Medizintechnik ist ein wichtiges Zugpferd: Etwa 80 Prozent der in Schleswig-Holstein bei der Herstellung von medizinischen Apparaten erzielten Umsätze (jährlich über 1,5 Milliarden Euro) entfallen auf den Bezirk der IHK zu Lübeck. Dahinter steht eine entsprechend ausgerichteter wissenschaftlicher Bereich in der gesamten Region: Nach Angaben des Branchennetzwerkes Life Science Nord (LSN) gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein etwa 200 medizintechnische Unternehmen mit eigenem Forschungs- und Entwicklungsbereich.

In Lübeck sorgen die forschenden medizintechnischen Unternehmen in unmittelbaren Nähe für das hohe wissenschaftliche Niveau – aber auch der BioMedTech-Wissenschaftscampus in Lübeck bietet hervorragende Bedingungen für Forschung und Lehre in dem Bereich.

Eine zentrale Rolle als Wissenschaftsstandort spielt die Hansestadt aber ebenso in der Biotechnologie. „Die wissenschaftliche Vielfalt und Kompetenz dokumentiert sich hier neben dem Centrum für Industrielle Biotechnologie (CIB), der Universität und der Fachhochschule vor allem auch durch die Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie“, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.

Auf dieser Grundlage bietet unsere Region auch beste Voraussetzungen für Unternehmensgründungen. Mit unterschiedlichsten Produkten und Dienstleistungen rund um die Gesundheit drängen Start-ups aus der Hansestadt auf die Märkte – nicht selten mit internationalem Erfolg.

Aber ebenso solide wie Medizintechnik und Biotechnologie sind die Gesundheitsdienstleistungen in Lübeck und dem Umland: Praxen, Kliniken und medizinische Spezialeinrichtungen; Reha-Zentren, Alten- und Pflegeheime sowie Seniorenresidenzen und Angebote für Betreutes Wohnen zählen dazu. Neben den klassischen Dienstleistungen ist der Sektor in der Hansestadt selbst aber auch von medizinischen Spezialeinrichtungen geprägt. Etwa die Klinik für Psychiatrie der Psychatrium Gruppe, die Geriatrische Tagesklinik oder die Klinik für Dermatologie und Venerologie – aber auch zahlreiche Seniorenwohnsitze.

Doch so stark die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft in der Region – so groß ist auch der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Allein mehr als 900 Ärzte und rund 1100 Altenpflegekräfte fehlen im Land über kurz oder lang. Bestehende Potenziale werden nicht zur genüge ausgeschöpft – aber gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen der Gesundheitsbranche bis heute hart.

In den Bereichen Medizintechnik und die Biotechnologie ist davon auszugehen, dass das Wachstum, das aus der Region heraus kommt, sich in der Zukunft fortsetzt. Wenn es um Fachkräfte im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen geht, wäre eine ähnliche innovative und dynamische Kraft gefragt, um sicher in die kommenden Jahrzehnte zu steuern.

Oliver Schulz

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