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14:18 27.11.2018
Christin „Elli“ Schreiber ist Gründerin und Betreiberin von „Elli’s Snackeria“. Quelle: ELLI'S

Dass unsere Region ein hervorragendes Umfeld für Gründer bietet, ist bekannt. Auch für Gründerinnen sind die Bedingungen ideal, um ein eigenes Business zu starten. Beste Beispiele: das Verpackungsstartup Superseven aus Wentorf bei Hamburg und Elli's Snackeria auf Fehmarn.

Für Unternehmensgründungen gibt es viele Faktoren, die wesentlichen Einfluss auf den Erfolg eines Start-ups haben: Markt, Talent, Kapital, Kultur und Technologie etwa. Beispiele für den norddeutschen Erfolg sind die Superseven GmbH in Wentorf, die kompostierbare Verpackungslösungen entwickelt, herstellt und vertreibt oder Ellis Snackeria in Gollendorf im Westen Fehmarns, beide von Frauen gegründet. Hinter Superseven steht die Gründerin Katja Seevers.

Nachhaltige Verpackungen aus Zellulose

Die durchsichtige Folie, welche die 37-Jährige in ihren Fingern hält, unterscheidet sich nicht von üblichen Verpackungen aus dem Supermarkt. Sie fühlt sich genauso an wie jede andere Klarsichtfolie und sieht genauso aus. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die Folie von Katja Seevers enthält kein Plastik und ist aus nachwachsenden Grundstoffen hergestellt, zum größten Teil aus Zellulose, einer reißfesten Faser aus Pflanzen. Nach ihrer Nutzung wird sie spurlos verrotten, je nach Materialmix innerhalb weniger Wochen.

Basis ist ein mehr als hundert Jahre altes Verfahren

„Das dahinterstehende Verfahren gibt es bereits seit 1908“, erklärt Katja Seevers. Noch bevor Chemiker entdeckten, was man alles mit Erdöl anstellen kann, war die Technik die erste Möglichkeit, transparentes Material herzustellen. Doch mit der Entwicklung von erdölbasierten Kunststoffen verschwand das Bio-Material fast vollständig vom Markt. Seit Anfang 2017 entwickelt Superseven nun unter dem Markennamen Repaq Verpackungen auf Zellulose- Basis.

Wo kommt das ganze Zeug her?

Gegründet haben das Unternehmen Katja Seevers, ihr Ehemann Sven sowie Hannes Füting, der Trauzeuge der beiden. „Wir drei sind Industriedesigner und kennen uns vom gemeinsamen Studium in Coburg“.

Vor der Gründung von Superseven haben wir lange Zeit konventionelle Produkte entwickelt und gestaltet, allerdings mit weniger ökologischem Anspruch. Irgendwann haben wir uns gefragt: Wo kommt das ganze Zeug her und wo bleibt es, wenn wir es nicht mehr brauchen? Schließlich machen Verpackungen ein Drittel allen Plastiks aus.“

Monatelange Analyse des Verpackungsmarktes

Bis zum Start von Superseven Anfang 2017 verbrachten Katja Seevers und ihre beiden Mitgründer viele Monate damit, die Spielregeln und Mechanismen des Verpackungsmarktes zu analysieren. „Der Verpackungsmarkt ist durch den öffentlichen Druck im Wandel und bereit für ökologisch bessere Produkte“, erläutert die Unternehmerin. Das Besondere sei die Vielfalt der Materialien und Anwendungen.

„Dazu kommen die technisch hohen Anforderungen an jede Verpackung. Natürliche Rohstoffe so zu verarbeiten, dass Sie eine echte Alternative zu den erdölbasierenden Produkten sind, ist für uns eine große Herausforderung.“ Entsprechend anspruchsvoll gingen die Superseven-Macher auch auf die Suche nach potentiellen Kunden. Hier hatte das Trio vor allem innovative Hersteller mit einem hohen Anspruch an nachhaltige Produkte im Visier.

Das Geschäftsmodell besteht aus drei Teilen

Um den Markt umfassend bedienen zu können, besteht das Geschäftsmodell von Superseven aus drei Teilen, sagt die Gründerin. „Einerseits entwickeln und erweitern wir die Anwendbarkeit von guten Materialien. Gut heißt, die Materialen sind frei von Schadstoffen, aus nachwachsenden Rohstoffen und außerdem kompostierbar oder recycelbar. Darüber hinaus motivieren wir Unternehmen, ihre Verpackungen zu verbessern, gestalten Konzepte zur Umsetzung einer zeitgemäßen Lösung. Und letztendlich bieten wir die passenden Verpackungen an.“

Mix aus Eigenkapital und Fremdkapital

Darüber hinaus war natürlich die Finanzierung eines der Hauptthemen. „Unser Kapital besteht zu 25 Prozent aus Eigenkapital und zu 75 Prozent aus Fremdkapital, insbesondere einem Kredit unserer Hausbank mit Unterstützung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG).“ In dieser Phase der Gründung hatte die Jungunternehmerin zwar viele verschiedene Aufgaben, doch „mein Schwerpunkt ist klar definiert. Ich bin für die Unternehmensstruktur, die Auftragsabwicklung und den Vertrieb verantwortlich, Hannes Füting für die Marken und die Kommunikation und Sven Seevers für die Technik und die Produkte.“

Kreislauffähige Produktentwicklungen

Apropos: Was unterscheidet Superseven eigentlich von ähnlichen Anbietern am Markt? Katja Seevers: „Wir sind auf kreislauffähige Produktentwicklungen spezialisiert und betrachten dabei den gesamten Lebenszyklus, vom Rohstoff bis zur Entsorgung. Unsere Produkte sind marktreif und produzierbar. Das unterscheidet uns von einer Agentur ebenso wie von einem klassischen Verpackungsanbieter.“

Die besondere weibliche Betrachtungsweise

Die Frage, ob Frauen ängstlicher beim Thema Gründen sind, verneint Katja Seevers. Es gäbe aber sicherlich eine weibliche Betrachtungsweise. Und die sei eher nüchtern und logisch.

„Die Jungs stürmen gerne mal wild nach vorne. Genau dafür sind wir aber auch zu Dritt.“ Entsprechend deutlich plädiert Katja Seevers dafür, dass noch mehr Frauen ein Unternehmen gründen, denn: „Es ist wichtig eine möglichst große Vielfalt an Gründerpersönlichkeiten zu haben. Und das ist eher eine Frage des Charakters als des Geschlechts.“

Yoga, Kiten - und Möhrenkuchen

Dass Gründen keine Frage des Geschlechts ist, beweist auch Christin Schreiber, die seit ihrer Kindheit den Spitznamen Elli trägt. Mit viel Herzblut und der Überzeugung, dass gesunde, ausgewogene Snacks zu körperlichem und geistigem Wohlbefinden beitragen, betreibt Elli seit Ostern 2017 ihre kleine Snackeria direkt am Gollendorfer Deich auf der Sonneninsel Fehmarn. „Ich möchte einen gesunden, ausgewogenen Lebensstil fördern und meinen Gästen somit eine Alternative zu konventionellem Imbissessen bieten“, erzählt die Unternehmerin. Dafür kocht und backt sie alles selbst - nach eigenen Rezepturen und mit naturbelassenen, vollwertigen Lebensmitteln in Bio-Qualität.

Nachhaltigkeit als Teil des Geschäftskonzepts

„Der ökologische und nachhaltige Gedanke ist fester Bestandteil meines Geschäftskonzepts“, sagt Elli. „Mit meinem Gastronomiebetrieb möchte ich meinen Gästen eine ausgewogene Ernährung bieten, frei von Pestiziden, unnötigen Zusatzstoffen, übermäßigem Fett und Zucker.“ Liebe und Sorgfalt sind weitere Zutaten für Leckereien wie Möhrenkuchen, Salate mit Quinoa-Reis oder Flammkuchen.

Dass alle verwendeten Lebensmittel aus der Region stammen, versteht sich für die 32-Jährige von selbst.

Geboren in Neustadt in Holstein und aufgewachsen in Heiligenhafen, lebt Christin „Elli“ Schreiber seit ihrer Geburt an der Ostsee. Vor ihrer Selbstständigkeit war sie als Erzieherin tätig - bis sie sich aus gesundheitlichen Gründen intensiv mit verschiedenen Ernährungsformen auseinandersetzen muss und so eine Leidenschaft am Umgang mit frischen Lebensmitteln entwickelt. „Durch Zufall hat ein sehr guter Freund von mir erfahren, dass ein Pächter für eine Lokalität in Gollendorf gesucht wird“, erinnert sie sich. Und da sie beruflich gerade nach neuen Möglichkeiten sucht, ergreift sie die Chance.

Bei der ersten Bank abgelehnt

Da sich das Gebäude zu dem Zeitpunkt noch im Rohbau befindet, bleibt der Gründerin noch genügend Zeit, sich um Existenzgründungsseminare, Hygieneschulungen und wichtige Anträge zu kümmern. Parallel stellte Elli eine Finanzierung auf die Beine. Trotz eines ausgefeilten Businessplans blitzt sie bei der ersten Bank ab, fühlt sich als Frau nicht ernstgenommen. Doch aufgeben kommt für die 32-Jährige nicht in Frage: „An diesem Punkt habe ich die Industrie- und Handelskammer Lübeck eingeschaltet.“ Ihr dortiger Berater prüft den Businessplan und verfasst eine befürwortende Stellungnahme. Die nächste Bank ist begeistert und bewilligt den dringend benötigten Kredit. Endlich kann sie loslegen.

Idyllische Atmosphäre und Live-Musik

2017 war es endlich soweit und Elli’s Snackeria öffnete erstmals ihre Türen. Natürlich und herzlich geht Elli auf ihre Gäste zu und jeder ist auf einen Schnack willkommen. In gemütlicher, idyllischer Atmosphäre kann man hier aber nicht nur köstlichen Möhrenkuchen futtern, Sonne tanken und bei Live- Musik die Seele baumeln lassen. Zusammen mit den Windgeistern, einer Kitesurfschule, die ein Teil des Geländes neben dem Elli's mitgepachtet hat, bietet Elli regelmäßig Kite-Kurse an und lässt auf ihrer Sonnenterrasse in den Sommermonaten Yoga-Kurse stattfinden.

Stolz auf das beruflich Erreichte

Das Frauen ängstlicher beim Thema gründen sind, glaubt Elli nicht, „eher sicherheitsorientierter“, sagt sie, und ergänzt: „Viel mehr Frauen sollten den Mut haben, sich selbstständig zu machen.“ Zwar gestalte sich das auch heute noch viel schwieriger als bei Männern, was sie im Laufe ihrer Existenzgründung selbst erfahren musste. „Aber davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Auch wenn einem der Weg erschwert wird, darf man nicht aufgeben. Am Ende ist man umso stolzer auf das, was man erreicht hat.“     

Carsten Schmidt