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18:33 22.06.2017
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Von Dr. Bernhard Rohleder

Bei der Digitalisierung geht es um nicht weniger als die Zukunft unseres Landes, sagt Dr. Bernhard Rohleder. Quelle: BITKOM

Bitkom-Hauptgeschäftsführer

Blockchain, Virtual Reality, Big Data, künstliche Intelligenz oder der 3D-Druck: Noch nie gab es eine Epoche, in der ähnlich viele bedeutende Technologien gleichzeitig auf den Markt kamen und sofort in die Breite gingen. Technologien, die jede für sich genommen ein enormes disruptives, epocheprägendes Potenzial haben. Doch es geht um mehr als allein um bahnbrechende, um spannende Technologien – es geht um das, was mit ihnen möglich ist. Es geht um die Ablösung von Bargeld und Kreditkarte durch ein neues, sicheres und extrem komfortables Finanzwesen. Es geht um eine hochwertige und bezahlbare medizinische Versorgung rund um die Uhr, kurz: um Individualmedizin statt Medizin von der Stange. Es geht um grüne Innenstädte und weniger Verkehrstote durch autonome Fahrzeuge. Um ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden bis ins hohe Alter dank dem intelligenten, vernetzten Zuhause. Es geht um den größten Wohlstandstreiber seit der Industrialisierung: Es geht um die Digitalisierung. Das sieht auch eine Mehrheit der Bundesbürger so. 56 Prozent sagen in einer aktuellen Bitkom-Umfrage, dass der Wohlstand in Deutschland durch die Digitalisierung zunehmen wird.

Wenn wir über Digitalisierung sprechen, dann sprechen wir über die Zukunft unseres Landes. Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei dem Mittelstand zu, der eine Säule unserer Wirtschaft ist und sie gerade außerhalb der Ballungszentren und ganz besonders in Schleswig-Holstein prägt. So sehen mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen die Digitalisierung als zentrale und Herausforderung für ihr Unternehmen. Doch jedes Vierte gibt zugleich an, keine zentrale Digitalstrategie zu besitzen. Die Notwendigkeit der Digitalisierung ist erkannt, aber man geht sie nicht entschieden an. Digitalisierung ist ein dickes Brett und es muss gleichermaßen tief wie schnell gebohrt werden. Und so raten wir, nicht jahrelang Strategien zu entwickeln, sondern anzufangen.

Loszulegen. Ganz am Anfang muss die Entscheidung stehen, die Digitalisierung im Unternehmen zur Chefsache zu machen und im Team mit Mitarbeitern aus allen Unternehmensbereichen und unabhängig von formalen Führungspositionen zu entwickeln.

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft und damit auch die Chance jedes einzelnen Unternehmens auf dem Weltmarkt hängen entscheidend von der Geschwindigkeit ihrer digitalen Transformation und dem flächendeckenden Ausbau von Gigabit-Infrastrukturen ab. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Mit der Digitalen Agenda hat die Große Koalition in dieser Legislaturperiode große Schritte in die richtige Richtung gemacht. Dieses Erfolgsmodell sollte von der nächsten Bundesregierung fortgeschrieben und um eine internationale Dimension erweitert werden. Im Mittelpunkt muss dabei stehen, unsere Leitindustrien vom Automobilbau über chemische Industrie und Maschinenbau bis zum Versicherungssektor digital auszurichten und Deutschland zum weltweiten Vorreiter der Digitalen Transformation zu machen. Wir brauchen eine Digitale Industriepolitik, die von international agierenden Konzernen, über Mittelständler bis zu Start-ups alle mit einschließt und deren Vernetzung vorantreibt. Initiativen wie „Digital Hubs Germany“ zeigen, wie das gehen kann. Und sie bieten gerade auch dem Mittelstand die Möglichkeit, von Start- ups etwas zu lernen – zum Beispiel Schnelligkeit und auch den Mut und die Bereitschaft zu Fehlern.

Damit wir Vorreiter bei der Digitalisierung werden und bleiben können, müssen wir auch unser Bildungssystem auf das digitale Zeitalter ausrichten. Bildung gibt es heute nur von der Stange. Wir unterscheiden nach Alter und sehr grob nach Talent und Neigung. Im ersten Viertel unseres Lebens werden wir mit Bildung übersättigt und dann reißt der Bildungsstrom von einem auf den anderen Tag ab.

In einer Welt, die von digitalen Technologien und einem rasanten Veränderungstempo geprägt ist, brauchen wir mehr, zum Beispiel das so genannte Adaptive Learning. Diese computerunterstützten Verfahren richten die Bildungsinhalte ganz speziell auf die Fähigkeiten und Interessen jedes einzelnen Schülers oder Studenten aus – und jedes Mitarbeiters, der bereits im Berufsleben steht. Nur so lässt sich die Teilhabe aller Menschen an der digitalen Gesellschaft gewährleisten.

Selbstverständlich können digitale Technologien auch missbraucht werden. Die Risiken müssen wir in den Blick nehmen und managen. Dabei dürfen wir uns nicht verleiten lassen, komplexe Probleme wie etwa die Hassrede im Netz mit allzu einfachen Lösungen angehen zu wollen und dabei unsere demokratischen Grundpfeiler wie die freie Meinungsäußerung und rechtstaatliche Verfahren in Frage zu stellen.

Vor allem dürfen wir uns vor lauter Angst und Sorgen nicht den Blick auf eine chancenreiche, wirtschaftlich leistungsfähige, absolut lebenswerte digitale Zukunft verstellen. Denn nur mit dieser Zuversicht, mit Freude und mit Begeisterung können wir die digitale Transformation nicht nur bewältigen, sondern erfolgreich gestalten. •

LN

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