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Die Wirtschaft Eine fruchtbare Förderlandschaft
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16:23 28.09.2018
Um aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu machen, bedarf es finanzieller Mittel. Das Land Schleswig-Holstein bietet innovativen Gründern ein ganzes Paket an Möglichkeiten. Quelle: Magele-Picture/Fotolia

In Schleswig-Holstein gibt es eine Reihe von Finanzierungsprodukten, um diesen jungen Unternehmen zu helfen – vom Ideen-Wettbewerb über das Gründungsstipendium bis hin zum Seed- und Start- up-Fonds II.

Ideenwettbewerb

Alle zwei Jahre findet ein Ideenwettbewerb statt, bei dem im Durchschnitt 40 bis 50 Geschäftsideen eingereicht werden. Teilnehmen können neben Teams und Einzelpersonen aus schleswig-holsteinischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen alle innovativen Köpfe mit einer besonders guten und innovativen Gründungsidee.

Die Schirmherrschaft beim aktuellen Ideenwettbewerb hat Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, übernommen. „Eine gute Idee ist nur der erste kleine Schritt zum unternehmerischen Erfolg. Wir möchten das Potenzial der vielen innovativen Köpfe im Land nutzen und sie mit unserem Gründungsnetzwerk begleiten und unterstützen“, erklärtBuchholz.

Organisiert wird der Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein von der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) in Kooperation mit der Muthesius Kunsthochschule. „Damit außergewöhnliche Ideen wirtschaftlich erfolgreich werden können, müssen sie sich entwickeln können“, sagt Dr. Annelie Tallig, Leiterin des Bereichs Start-up – Förderung & Finanzierung bei der WTSH.

„Der Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein ist eine hervorragende Plattform für potenzielle Gründerinnen und Gründer, um ihre Idee vor einer Experten-Jury zu präsentieren und sie anschließend mit der eigenen Unternehmensgründung in die Realität umzusetzen.“

Für viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab der Wettbewerb den Anstoß zur Firmengründung. Seit 2004 resultieren aus den prämierten Ideen eine Vielzahl an Unternehmensgründungen. Wie zum Beispiel Rankwerk, einem Start-up für Home Gardening Produkte wie biologisches Saatgut, handgeschmiedete Gartenwerkzeuge, fair produzierte Arbeitskleidung sowie natürliche Pflanzgefäße und weiteres Zubehör. Rankwerk nahm 2016 am Ideenwettbewerb teil und erhielt einen Sonderpreis für eine Beratung im Rahmen der Markenanmeldung. „Auch wenn es sich damals wie ein Trostpreis anfühlte, war das der entscheidende Moment, der uns an uns selbst glauben ließ. Wir entschieden, uns für das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein zu bewerben und bekamen den Zuschlag“, so Lasse Torben Popken.

Auch wenn Rankwerk damals nicht auf dem Siegertreppchen stand, wurde dem Team großes Potenzial bescheinigt. Zu zweit gründeten sie ihr Unternehmen und fanden einen Investor, so dass sie ihre Produkte produzieren lassen konnten.

Mittlerweile hat das Start-up- Team fünf Mitarbeiter. Damit war der Wettbewerb und das anschließende Gründungsstipendium die Initialzündung für die Brüder Hannes und Lasse Popken.

Die Einreichungen beim Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein werden zunächst von jeweils zwei unabhängigen Experten begutachtet und bewertet.Dann werden die besten Ideen für eine Prämierung vorgeschlagen. Prämiert werden sechs bis acht Geschäftsideen (drei bis fünf Sonder- und drei Hauptpreise). Eine Unternehmensgründung findet jedoch noch nicht statt.

Zum kommenden Ideenwettbewerb wird 2020 aufgerufen.

Gründungsstipendium

Die nächste Stufe ist das Gründungsstipendium S-H (GS S-H). Dabei handelt es sich um eine klassische Zuschussförderung. Es ist eine gemeinsame Fördermaßnahme des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein (MWVATT), der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBG) sowie der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WTSH). Gefördert werden Hochschulabsolventen oder Studierende aus Schleswig-Holstein, die eine technologie- oder wissensorientierte Geschäftsidee entwickelt haben. Ziel ist, dass die Gründer am Ende der Förderung einen Businessplan erstellt haben.

Der Zuschuss beträgt für die Stipendiaten 1600 Euro beziehungsweise 800 Euro. Zudem können Sachkosten bis zu 5000 Euro bewilligt werden.

Gefördert werden können Teams von bis zu drei Personen für neun Monate – mit der Option der Verlängerung auf zwölf Monate.

Das GS S-H läuft noch bis zum 31. Dezember 2019. Gestartet ist es 2016. 250000 Euro werden jährlich dafür zur Verfügung gestellt. Seit dem Start des GS S-H wurden 19 Gründungsvorhaben mit 42 Stipendiaten bewilligt. Ausgezahlt wurden an die einzelnen Stipendiaten bisher rund 400 000 Euro.

Seed- und Start-up-Fonds II

Der Seed- und Start-up-Fonds II (SSF II) ist das für Start-ups geeignetste Finanzinstrument zur Finanzierung von innovativen Ideen. Aus dem SSF II werden stille und offene (Risikokapital) Beteiligungen gewährt. Die Start-ups dürfen nicht älter als fünf Jahre sein. Der SSF II ist Mitte 2015 mit 12 Millionen Euro aufgelegt worden. Nach drei Jahren Fondslaufzeit sind derzeit 41 Start-ups mit insgesamt rund 7,1 Millionen Fondsmittel finanziert worden. Mit diesen Mitteln ist ein Gesamtinvestitionsvolumen von 16,2 Millionen Euro ausgelöst worden.

Zu unterscheiden ist dabei die Seed- und die Start-up-Phase. In der Seed-Phase werden Ausgründungen aus Hochschulen und auch aus Unternehmen unterstützt, die einen Prototypen erstellen und das Produkt zur Marktreife bringen wollen. Für ihr Geschäftskonzept können sie bis zu 200 000 Euro als stille Beteiligung erhalten. Diese Seed-Unternehmen können dann eine Anschlussfinanzierung bekommen, um das marktreife Produkt auch im Markt platzieren zu können. Hierfür können weitere Mittel von bis zu 250000 Euro gewährt werden. In Summe für beide Phasen jedoch maximal 350000 Euro als stille Beteiligung. Für Unternehmen in der Start-up-Phase, die bereits im Markt tätig sind, können bis zu 350000 Euro als stille Beteiligung aus dem SSF II gewährt werden.

In beiden Phasen können für die Start-ups zu den bisher gewährten Beteiligungen weitere offene Beteiligungen (On Top) gewährt werden, sodass in Summe bis zu 350000 Euro in der Seed-Phase und bis zu 600 000 Euro in der Start-up-Phase gewährt werden können. Der Verwendungszweck ist für beide Phasen sehr breit aufgestellt.

Ein weiterer Schritt für die jungen Start-ups ist die Finanzierung in die Wachstumsphase hinein. Hier greift insbesondere der Beteiligungsfonds für KMU (mit bis zu einer Million Euro) und in geeigneten Finanzierungsfällen auch der Mittelstandsfonds S-H sowie auch der neu aufgelegte Venture Capital Fonds.

Oliver Schulz