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18:29 22.06.2017
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„Das Thema Digitalisierung gewinnt zunehmend an Bedeutung“, sagt Christian Wegener, zuständig für IT bei der IHK zu Lübeck. Digitalisierung sei mehr als nur ein Trend, der wieder vorübergeht.

Unternehmen sollten sich um eine durchdachte digitale Strategie bemühen, um auch in Zukunft noch wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die Frage ist nicht, ob sich Unternehmen auf den Weg in die Digitalisierung machen, sondern wann – und ob das Wann vielleicht schon zu spät war.“

Norddeutsche Unternehmer können schließlich von der Nutzung der digitalen Technologien profitieren – und zwar in vielen Bereichen. „Kosteneinsparungen, Kundennähe, Erschließung neuer Märkte, Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräfte, flexible Produktion und so weiter“, zählt Wegener auf. „Die Möglichkeiten sind enorm, jeder Unternehmer sollte individuell schauen, in welchen Bereichen die neuen Technologien sinnvoll angewendet werden können.“

Für einen Großteil der Unternehmen in Schleswig-Holstein ist die Auseinandersetzung mit digitalen Technologien schon alltäglich geworden, die Chancen durch die Digitalisierung wurden von den meisten Unternehmern erkannt. Das sind die Ergebnisse der bundesweiten Studie „Wirtschaft digital: Perspektiven erkannt, erste Schritte getan“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von 2016, in der der Stand der Digitalisierung in Unternehmen aus Industrie und Handel erfragt wurde. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen konnten ihre Umsätze aufgrund neuer digitaler Technologien steigern, nur sechs Prozent verzeichneten Umsatzrückgänge. Die Digitalisierung erweist sich offensichtlich als Wachstumstreiber, die Zuversicht der Unternehmer ist im Vergleich zu 2014 gewachsen. Auf einer Skala von 1 (wenig entwickelt) bis 6 (voll entwickelt) bewerten die deutschen Unternehmen den Stand der Digitalisierung durchschnittlich mit einer 3,7.

Es gibt allerdings Unterschiede zwischen den Branchen. So schätzen sich Unternehmer aus dem Bereich Information und Kommunikation mit einer 4,9 als am stärksten entwickelt ein, auf dem zweiten Platz liegt die Finanzwirtschaftsbranche (3,9) und das Gastgewerbe (3,8). Unternehmen der Bauindustrie schätzen sich mit 3,5 als am schlechtesten entwickelt ein. „In der Regel sind Branchen aus dem Dienstleistungsbereich weiter in der Digitalisierung vorangeschritten. Dies mag daran liegen, dass sich hier neue Angebote und Services schnell umsetzen lassen und dadurch positive Kosteneffekte zeitnah erzielt werden können“, sagt Wegener. Bestes Beispiel sei die Finanzwirtschaft. „Online-Banking aber auch der Direktvertrieb von Versicherungen bieten erhebliche Einsparpotenziale.

Unternehmen hingegen, die komplex gefertigte Produkte anbieten, bedürfen einer umfangreicheren beziehungsweise aufwendigeren Digitalisierungsstrategie (in der auch vor- und nachgelagerte Zulieferketten berücksichtigt werden müssen).“ Ebenfalls gestalte sich die Digitalisierung in stark regulierten Märkten äußerst schwierig, wie etwa in der Gesundheitswirtschaft.

Social Media ist bei den Unternehmen die am häufigsten genutzte neue Technologie, besonders im Gastgewerbe und bei Unternehmen aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik. Bei allen Unternehmen sind die größten Hemmnisse bei der Nutzung von Sozialen Medien fehlendes qualifiziertes Personal, rechtliche Unsicherheiten sowie Daten- und Informationssicherheit. Zu den wesentlichen Herausforderungen der Unternehmen gehören die Themen IT-Sicherheit, Weiterbildung und Investitionen. 85 Prozent der befragten Unternehmen sehen eine Notwendigkeit der Weiterbildung, 72 Prozent fürchten wachsende Sicherheitsrisiken und 83 Prozent sehen eigenen Investitionsbedarf.

Einer anderen Befragung zufolge hinkt besonders der Mittelstand bei der Digitalisierung hinterher. Nach Ergebnissen der Studie „Digitalisierung im Mittelstand: Status Quo, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen“ des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung von 2016 ist die Digitalisierung von mittelständischen Betrieben in Deutschland stark ausbaufähig. Nur knapp ein Fünftel der über 2000 befragten Unternehmen werden als „Vorreiter“ bezeichnet, für die digitale Produkte und Dienstleistungen ein wichtiger Bestandteil ihres Geschäftsmodells sind, ihren Kunden Apps anbieten oder andere „Industrie 4.0“-Projekte durchführen. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen befindet sich im Mittelfeld, ein Drittel werden als „Nachzügler“ bezeichnet. Bei diesen Betrieben bestehen Defizite in der grundlegenden digitalen Infrastruktur wie einer eigenen Webseite.

Allerdings wird in der Studie auch deutlich, dass mehr als 80 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Digitalisierungsprojekte durchgeführt haben. Knapp die Hälfte gibt hierfür weniger als 10000 Euro im Jahr aus und erwarten auch keine Steigerung der Investitionen in naher Zukunft. „Die meisten mittelständischen Unternehmen bauen also ihre Digitalisierung aus, gehen dies jedoch überwiegend in kleinen Schritten an“, heißt es in der Studie. Die häufigsten Gründe dafür sind mangelnde IT-Kompetenzen, Bedenken bezüglich Datensicherheit und Datenschutz, zu hohe Kosten und eine zu geringe Internetgeschwindigkeit. „Größere Unternehmen sind in der Regel besser aufgestellt, da hier häufiger ausreichende (personelle) Ressourcen für Themen der Digitalisierung abgestellt werden können“, sagt Christian Wegener von der IHK.

Um dem hiesigen Mittelstand auf dem Weg zur Industrie 4.0 zu unterstützen und weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren, soll ab Herbst dieses Jahres ein Konsortium aus vier schleswig-holsteinischen Hochschulen und zwei Instituten im „Mittelstand Digital Kompetenzzentrum Nord“ seine Arbeit aufnehmen. Es soll mittelständische Unternehmen für die digitalen Transformationen sensibilisieren und zu selbigen befähigen. Im Februar dieses Jahres erhielt das Konsortium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Aufforderung zur Antragsstellung. „Die Industrie in Schleswig-Holstein steht im Zeitalter der Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass wir die erste große Hürde für dieses Kompetenzzentrum genommen haben und damit vor allem unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützen können“, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich der Arbeitsmarkt, einige Berufe fallen weg, andere kommen hinzu. In einer Befragung von mehr als 500 Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern des Digitalverbands Bitkom wurde gefragt, welche Berufe in den vergangenen zehn Jahren verschwunden beziehungsweise neu dazugekommen sind. Den Lageristen, den Vorsortierer, den Erntehelfer und Melker, den Poststellensachbearbeiter und Bauzeichner gibt es nicht mehr. Dafür kamen etwa ein Feel- Good-Manager, ein Mobile Roboter, ein 3-D-Druckspezialist oder ein Data Warehouse Teamleiter dazu.

„Der technische Fortschritt bringt es mit sich, dass manche Tätigkeiten und Berufe im Zeitverlauf wegfallen und an anderer Stelle neue entstehen“, sagt Christian Wegener von der IHK. „Inwieweit mit der Digitalisierung ein Beschäftigungsabbau einhergeht wird kontrovers diskutiert und lässt sich noch nicht abschließend bewerten.“

Zwar schaffe die Digitalisierung sicherlich Möglichkeiten, Arbeitsabläufe effektiver und mit einem geringeren Personalaufwand zu gestalten. „Allerdings haben technische Neuerungen in der Vergangenheit (etwa die Automatisierung in den 1970er Jahren, die Einführung des PC in den 1980 und 1990er Jahren) auch nicht zu einem massenhaften Stellenabbau geführt. Die Arbeit hat sich eher in andere Bereiche verlagert.“ In der Regel seien die neuen Tätigkeiten im Zuge des technischen Fortschritts produktiver und damit auch besser entlohnt. Hinzu komme, dass viele Beschäftigungspotenziale erst in Zukunft entstehen werden und heute noch unbekannt sind.

„Die größere Gefahr besteht, dass mit der Digitalisierung bisherige Geschäftsmodelle obsolet werden und so das betroffene Unternehmen – sofern es seine Produkte nicht anpasst – am Markt nicht fortbestehen kann, beispielsweise Fotolabore oder Hersteller analoger Kameras“, so Wegener.   •

Hannes Lintschnig

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