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18:30 22.06.2017
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Er hat sich vier Smartphones und vier Tablets gekauft, dazu die entsprechende Software. Der Chef des Elektrobetriebs mit zwölf Angestellten hatte davon gehört, dass er diese Dinge in der modernen Zeit brauche, schließlich laufe heutzutage ja kaum noch etwas ohne die digitalen Helfer. Als die Geräte vor ihm auf seinem Tisch lagen, wusste er allerdings nicht so recht, was er damit anfangen sollte.

Wolfram Kroker, Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer Lübeck. Quelle: Fotos: Hannes Lintschnig

Deshalb rief er Wolfram Kroker an, den Digitalisierungsexperten der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. „Er wollte die Tablets und Smartphones schon in den Müll werfen, weil er nicht wusste, was er damit machen soll“, sagt Kroker, der Handwerksbetriebe im gesamten Kammerbezirk zu Fragen der Digitalisierung berät. „Ich habe ihm geraten, die Geräte seinen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen.

Zuerst einmal nur, um damit ein bisschen herumzuspielen“, sagt Kroker. „Die lernen das gewiss schneller. Später könnte er dann bei seinen Angestellten eine Schulung machen.“

Die generationenübergreifende Zusammenarbeit in Betrieben spielt laut Kroker eine große Rolle bei der Digitalisierung. „Jüngere lernen es spielerisch oder kennen es bereits, aber ihnen fehlt manchmal der Gedanke, wie man die neuen Technologien im Betrieb einsetzen und welche Prozesse sie optimieren könnte. Das wiederum wissen die erfahreneren Kollegen besser.“ In dem Elektrobetrieb hat es geklappt, heute sind alle Geräte im Einsatz, betriebliche Prozesse wurden optimiert.

Kroker ist bei der Handwerkskammer Beauftragter für Innovation und Technologie und bietet neben Informationsveranstaltungen kostenfreie Unterstützung für Betriebe in Fragen der Digitalisierung und IT an. Dabei geht es um Online-Marketing, Prozessoptimierung, den Einsatz digitaler Geräte wie Smartphone oder Tablet, Nutzung einer Cloud und Aufklärungsarbeit in den Bereichen Datenschutz- und Datensicherheit. „Wenn Betriebe auf mich aufmerksam geworden sind und mich kontaktieren, dann geht es häufig um Fragen der Internetseite oder um Social Media. Ich fahre dann zu dem Betrieb und schaue ihn mir genau an – von Kopf bis Fuß“, sagt Kroker. Denn häufig lasse sich in den Handwerksbetrieben mehr optimieren, als man denkt. „Es geht häufig einfach nur um ein Umdenken im Kopf. Mit den neuen Technologien hat man so viele Möglichkeiten, die man für seine Zwecke nutzen kann“, so Kroker. So könne ein Selfie-Stick beispielsweise nicht nur bei Urlaubsfotos nützlich sein, sondern auch für den Heizungsinstallateur, der mit dem Smartphone und der Kameraverlängerungshilfe problemlos ein Bild von schlecht zugänglichen Bereichen hinter Heizkörpern machen kann.

Einige der Betriebe im Kammerbezirk sind bereits hoch digitalisiert, da geht es für Kroker nur um Feintuning. Etwa die Hälfte der Betriebe, schätzt Kroker, nutzen Social-Media-Kanäle und optimieren ihre Betriebsprozesse digital. E-Mail und Smartphones haben alle. Gerade in Bezug auf den Mangel an Fachkräften und Auszubildenden ist eine Internetseite heutzutage besonders wichtig, um sich als Betrieb den jungen Leuten zu präsentieren. „Bei vielen Besuchen merke ich, dass die Betriebe ein bisschen Angst vor Facebook und Clouds haben. Das hat gewiss mit der Berichterstattung in den Medien zu tun, wo man immer wieder hört, dass hier und da ein Account gehackt wurde“, sagt Kroker, der diesem fehlenden Wissen in einigen Handwerksbetrieben entgegenwirken möchte. „Digitalisierung ist kein Zauberwort, aber schlecht greifbar. Ich möchte Verständnis dafür wecken. Natürlich gehört Digitalisierung nicht zu den Kernkompetenzen der Handwerksbetriebe, das ist auch gut so. Mit einem Smartphone wird man nie einen Nagel in die Wand hauen können, aber man kann es trotzdem gebrauchen.“

Auch wenn er einigen Betrieben erklären muss, wie man eine E-Mail kundenfreundlich formuliert und dass man auf die Urheberrechte der im Internet veröffentlichten Bilder achten muss, bescheinigt Kroker den Handwerksbetrieben einen großen Willen, mit den neuen Technologien umzugehen. „Viele wollen etwas in dem Bereich machen und zeigen großes Interesse. Nicht alle, aber das wird sich ändern, es ist auch eine Frage der Altersstruktur in den Betrieben“, sagt der 56-Jährige. Kroker selbst ist ziemlich digitalisiert, er nutzt ein Smartphone, ein Tablet, seine Heizkörper zuhause steuert er per Bluetooth, auf seinem Smartphone kann er die Bilder seiner Überwachungskamera an seinem Hauseingang einsehen. „Es gibt Dinge, da kommt man einfach nicht dran vorbei, auch Handwerksbetriebe nicht“, sagt Kroker. Wenn ein Kunde beispielsweise ein Smart-Home-System haben möchte, muss der Elektrobetrieb dem Wunsch entsprechen und sich mit der Technologie auskennen. Doch die Digitalisierung in Handwerksbetrieben hat auch Grenzen. „Die Welt ist global und digital, aber die Handwerkerleistung wird immer lokal bleiben.“

Auch bei der IHK zu Lübeck ist Digitalisierung ein großes Thema, das sich durch alle Bereiche zieht. Die IHK hat schon 2004 einen Arbeitskreis zum Thema gegründet. Dessen Mitglieder sind Unternehmer aus dem IT-Bereich in der Region und Rechtsanwälte. „Das Thema ist bei den Unternehmen längst angekommen.

Aber auch weil der Begriff ‚Digitalisierung‘ so viele Facetten hat, wird er sehr unterschiedlich wahrgenommen“, sagt Christian Wegener, zuständig für IT bei der IHK. „Wir würden uns über Anfragen von Unternehmen freuen.“

Der 36-Jährige organisiert viele Angebote für Unternehmen, um sich im Bereich der Digitalisierung weiterzuentwickeln. Etwa einen monatlichen Beratertag, an dem Unternehmer eine Einzelberatung von Experten aus dem Arbeitskreis zu individuellen Fragestellungen bekommen können. Außerdem organisiert Wegener gemeinsam mit dem Leiter des Arbeitskreises Stefan Stengel die IT-FOR-Business-Messe, die jedes Jahr im Februar stattfindet. Über 500 Besucher waren in diesem Jahr dort und haben sich unter anderem über IT-Strategien, Online-Marketing und Daten-Cloud-Lösungen informiert. „Bei der Messe fällt besonders auf, dass man für viele digitale Lösungen nicht bis ins Silicon Valley fahren muss, sondern im Raum Lübeck fündig wird“, sagt der Unternehmer Stengel. Ein beliebtes Thema auf der Messe war die elektronische Archivierung. „Viele Unternehmer haben sich darüber informiert, weil das ‚papierlose Büro‘ ein sehr interessantes Zukunftsszenario ist“, sagt Wegener. Unternehmen aus dem Gastgewerbe haben sich eher über Online-Marketing und Social Media informiert, an IT-Strategien waren besonders Firmen aus der Industriebranche interessiert. „Digitalisierung ist ja ein weiter Begriff. Nicht jede IT-Lösung macht für jedes Unternehmen Sinn, nicht jede Firma muss zwangsläufig alle Social-Media-Kanäle bedienen.“

IT-Sicherheit hingegen geht alle etwas an – wird aber von vielen Unternehmen nicht ernst genug genommen. „IT-Sicherheit läuft oftmals so nebenher und ist ein relativ abstrakter Begriff für Unternehmen“, sagt Wegener, der Firmen kennt, die noch veraltete Betriebssysteme wie Windows XP nutzen, für die es keine Sicherheits-Updates mehr gibt. „Dabei sind die Schäden, die durch Cyber-Attacken und Industriespionage verursacht werden, enorm“, sagt Stengel. „Unternehmer schätzen sich gerne als gerüstet für die Digitalisierung ein. Ich sehe da eine große Gefahr der Selbstüberschätzung.“ Um Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren bietet die IHK ein Beratungsangebot, den IT-Sicherheitscheck, an. „Vorbeugen ist besser als heilen!“, sagt Wegener.

Außerdem raten Wegener und Stengel Unternehmern immer wieder, dass sie sich früh genug um eine Digitalisierungsstrategie kümmern müssen. „Bei manchen Unternehmen fragt man sich wirklich, wie sie es schaffen, weiterhin zu existieren. Keine Vernetzung, im Gegenteil: Das System ist darauf angelegt, nach außen hin abgeschottet zu sein“, sagt Wegener. „Wer die Zeichen nicht früh genug erkennt, wird es schwer haben. Denn von heute auf morgen kann man dann auch nichts mehr machen.“

Auch um die Qualifizierung der Mitarbeiter sollten sich Unternehmen früh kümmern. „Den Weg der Digitalisierung kann man nur gemeinsam gehen“, sagt Stengel. „Digitalisierung sollte als Chance begriffen werden. Die Arbeitswelt wird sich stark verändern, die Arbeitnehmer müssen sich auch verändern.“   •

Hannes Lintschnig

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