Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Die Wirtschaft HÄFEN Beschränkte Erwartungen
Anzeigen und Märkte Die Wirtschaft HÄFEN Beschränkte Erwartungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 23.11.2017
Geschlossene Schranke an einer Verladerampe am Skandinavienkai der Lübecker-Hafen-Gesellschaft. Die Lage der norddeutschen Häfen ist durchwachsen. Quelle: Olaf Malzahn

Der Geschäftsklimaindex sank gegenüber den letzten Jahren deutlich, von zuletzt 107,1 auf 91,7 Punkte. Der Index bildet ab, wie optimistisch oder pessimistisch die derzeitige Stimmung – also die Erwartung auf Aufträge und Erträge beispielsweise – bei den Unternehmern ist. Der Wert kann zwischen Null und sehr optimistischen 200 Punkten liegen. Das derzeitige Mittelfeld ist nicht schlecht.

Aber eben auch nicht gut.

Laut IHK Nord belaste der starke Wettbewerb mit den Westhäfen Rotterdam und Antwerpen nach die vor die Umschlagsergebnisse der Hafenbetriebe. Negativ auf die Stimmung wirke sich, so Dr. Wolfgang Blank als Vorsitzender der IHK Nord, auch die zu langsame Umsetzung der wichtigen Hinterlandprojekte wie der Küstenautobahn A20 oder des Ausbaus der Hafenzufahrten auf Elbe, Weser und Ems aus. Diese Projekte würden nicht schnell genug vorankommen, so Blank.

Prof. Dr. Sebastian Jürgens, Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbands Schleswig-Holsteinischer Häfen e.V. (GvSH): „Wir brauchen eine Verbesserung der Infrastruktur!“ Der GvSH hat einen Forderungskatalog erarbeitet. „Ausbau A20, A21, aber auch der B5 an der Westküste, Ausbau und Ertüchtigung des NOK und des Elbe-Lübeck-Kanals. Wir brauchen auch eine Verbesserung der Gleisinfrastruktur und der Elektrifizierung von Strecken, um Zugverbindungen attraktiver zu gestalten. Da ist insbesondere immer wieder auf Brunsbüttel zu verweisen“, benennt Jürgens die Schwerpunkte. Weiter: „Wir haben an einigen Standorten das Problem der notwendigen Wassertiefe, da muss ausgebaggert werden, damit die Schiffe sicher bei jeder Wetterlage durchkommen.“

In den Vormonaten war die Hafenwirtschaft zuletzt optimistischer, nachdem die beiden großen deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven beim Containerumschlag im ersten Quartal 2016 leichte Zuwächse verbuchen konnten. „Die Entwicklung in den Hafenstandorten ist insgesamt positiv“, sagt Prof. Dr. Sebastian Jürgens: „Bei den Ostseehäfen haben wir gute Zuwächse im RoRo-Bereich, also den Verkehren mit dem Lkw, gerade in Kiel, Puttgarden und Lübeck. Wir haben gute Entwicklungen im Bereich Kreuzfahrer, vor allen Dingen in Kiel. Die Häfen an der Westküste haben auch gute Zuwächse, vor allen Dingen in Brunsbüttel, aber auch in Husum und Flensburg.“

Einige Häfen spüren, so heißt es aus dem Verband weiter, die rückläufigen Entwicklungen beim Thema Windkraft. „Die Windkraftanlagen werden über die Häfen umgeschlagen“, erklärt Jürgens. Weniger Anlagen, weniger Umschlag. Aber: Das, was in den Häfen über die Kaikante geht, ist nur ein Teilaspekt der Hafenwirtschaft mit den ganzen Logistikketten und Dienstleistern. Die mehr als 30 Häfen an der Nord- und Ostsee Schleswig-Holsteins haben kumuliert einen Umschlag von gut 50 Millionen Tonnen im Jahr.

Einen Großteil des Umschlags in Schleswig-Holstein, zirka 88 Prozent, leisten die großen Häfen des Landes: Lübeck, Brunsbüttel, Puttgarden, Rendsburg, Flensburg und Kiel. Primus im Bundesland ist der Lübecker Hafen – gemessen am Güterumschlag 2016 fünftgrößter Seehafen Deutschlands. Mehr Umschlag und auch leichte Zuwachsraten im Gegensatz zu Lübeck hat Rostock. Wirtschaftlich mittendrin der Hamburger Hafen – größter Hafen Deutschlands und auf Platz 19 der Weltrangliste mit 120 Millionen Tonnen Umschlag im Jahr 2016.

Den Häfen in Schleswig-Holstein geht es genauso wie dem Hamburger: Sie konkurrieren mit Rotterdam (plus 1,2 Prozent Umschlag) und Antwerpen (plus 4 Prozent). Das Problem: mit den steigenden Umschlagzahlen steigen in diesen Westhäfen auch die Wartezeiten. Gift für eine Logistikkette, deren just-in-time-Anspruch stündlich erfüllt werden muss und Hoffnungsschimmer im Konkurrenzkampf.

Und was langfristig auf dem Weltmarkt mit all seinen politischen Einflussfaktoren passiert, ist kaum vorhersehbar. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale  Infrastruktur hat mit der „Seeverkehrsprognose 2030“ den Blick in die Glaskugel versucht, die IHK Nord hat die Prognose umfangreich ausgewertet. Für Schleswig-Holstein ergäbe sich folgendes Szenario: „Der Warenstrom über deutsche Seehäfen wird in Schleswig-Holstein von 2010 bis 2030 um 110 Prozent auf 42802 Millionen Euro ansteigen. Hauptverkehrsträger wird hierbei der Lkw sein. Es werden vor allem Maschinen und Fahrzeuge, containerisierte Güter sowie Güter aus der Holz- und Landwirtschaft von und zu den deutschen Seehäfen transportiert.“

Zum Vergleich: Deutschlandweit wird von einer Steigerung um 140 Prozent (auf 863 Milliarden Euro) in den zwei Jahrzehnten ausgegangen, für Mecklenburg-Vorpommern geht man von nur 25 Prozent Wachstum aus.

Nicole Hollatz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Viele Privatleute wollen nicht weiter auf einen Anstieg des Zinsniveaus in Deutschland und Europa warten. Sie investieren in Ferienimmobilien.

23.11.2017

In der maritimen Wirtschaft arbeiten Industrie, Wissenschaft und Politik zusammen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Im Norden gibt es bereits zahlreiche Kooperationen. Eine besondere Rolle spielt derzeit die Beseitigung von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg aus Nord- und Ostsee.

23.11.2017

Fehlendes Responsive Design Die Seite sollte auch für den Mobilnutzer optimiert sein. Der Großteil der Internetnutzer geht mittlerweile mit dem Mobiltelefon ins Netz.

23.11.2017