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18:10 22.06.2017
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„Auftreten und Ausstrahlung sind die entscheidenden Faktoren“, erklärt Iris Hoffmeyer, Psychologische Beraterin und Personal Coach sowie Gründerin der Beratungsagentur „Die Lösung“ in Bad Oldesloe. „Auftreten, Benehmen und Tonfall werden von Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern bewusst und unbewusst registriert. Sie bilden die Basis dafür, ob man im Berufsalltag einen kompetenten, souveränen und sympathischen Eindruck hinterlässt, und damt, ob man als geeignet angesehen wird, neue Aufgaben zu übernehmen.“ Es sei deshalb immer hilfreich, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen, so die Expertin, die seit Jahren regelmäßig Kurse, Seminare und Vorträge zum Thema „Business-Knigge – mit perfektem Benehmen überzeugen“ in Norddeutschland hält.

Ein berufliches Fehlverhalten lässt sich ganz einfach vermeiden, wenn man die Umgangsformen des Miteinanders im Berufsalltag kennt. Wer weiß, wie man sich benimmt, der vermeidet Missverständnisse und auch echte Konflikte. Das beginnt bei der Höflichkeit, die immer den Respekt vor dem Anderen signalisiert. Kollegen die Tür aufzuhalten oder vor dem Eintreten in ein fremdes Büro anzuklopfen, sind nur zwei grundsätzliche Regeln, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Pünktlichkeit ist eine weitere. Nicht umsonst nennt man sie die Höflichkeit der Könige.

Authentizität schon

beim ersten Kontakt

Die berühmten „ersten Sekunden“ eines Zusammentreffens bestimmen den ersten, oft nicht mehr korrigierbaren, Eindruck. Da ist es hilfreich zu wissen, worauf man hierbei achten sollte: Da ist zunächst das gepflegte Erscheinungsbild. Es zeugt von Respekt. Jeder Gesprächspartner bewertet es positiv, wenn er spürt, dass man auf das Äußere angemessen achtet. Dabei ist nicht nur die auf die Situation abgestimmte Kleidung wichtig, sondern auch ein angenehmer Geruch und die erste Berührung, also der Händedruck zur Begrüßung. „Wer diesen zu kräftig ausführt, erntet selten Sympathie, gleiches gilt aber auch für einen zu laschen Handschlag“, sagt Iris Hoffmeyer. Ein positiver Eindruck entsteht dann, wenn das Gegenüber spürt: Der Mensch ist authentisch. Wichtig ist hierbei auch die innere Einstellung. Signalisiert man, dass man der Situation positiv gegenüber steht, weckt das immer Sympathien. Besser kann man Offenheit und Kompetenz gar nicht signalisieren.

Kommunikation kommt auch im Berufsleben eine wesentliche Bedeutung zu: Eine aufmerksame und offene Körpersprache, eine angemessene Entfernung zum Gegenüber, ein Lächeln, der Grundsatz, den anderen ausreden zu lassen, also aktives Zuhören, gelten für alle Kommunikationsebenen, gleichgültig, ob es das Gespräch unter Kollegen, das mit Vorgesetzten oder jenes mit Mitarbeitern betrifft.

Der Ton macht die Musik, auf das Wie kommt es an.

Kommunikationsforscher haben herausgefunden, dass 55 Prozent des Auftritts durch Körpersprache bestimmt werden, 38 Prozent der Klang der Stimme ausmachen und nur 7 Prozent vom Inhalt einer Aussage wahrgenommen werden. Und all dies geschieht in den ersten fünf Sekunde einer Kommunikationssituation. „Klar sollte die Kommunikation immer sein und zwar inhaltlich wie akustisch. Eine undeutliche Aussprache nimmt den Gesprächspartner nicht für sich ein“, sagt Iris Hoffmeyer, die zum Trainieren einer verständlichen Artikulation immer einige Tricks parat hält.

Der gekonnte Small Talk

und Tischmanieren

Small Talk – das hört sich so unkompliziert an, ist aber gar nicht so einfach, denn die Plauderei will gekonnt sein. Ein leichtes Gespräch beim gemeinsamen Essen, auf der Betriebsfeier oder im Fahrstuhl erfüllt nämlich viele Funktionen: Zum einen lernt man sich kennen und kann Gemeinsamkeiten entdecken. Wenn nicht, kann man den Kontakt auf einer Ebene pflegen, die keine Konfrontation zulässt. Themen, die für den Small Talk tabu sind, sind Geld, Politik, Religion und Tod. „Das Thema Wetter wird oft bemüht, zeugt aber nicht von Kreativität“, macht Iris Hoffmeyer klar.

„Es tut gut, sich ein paar Gedanken über unverfängliche Themen beispielsweise im Vorfeld eines Geschäftsessens zu machen.“

Ja, das Geschäftsessen. . . Hier spielen tadellose Umgangsformen eine sehr große Rolle. Sie entscheiden oft darüber, ob es beruflich vorwärts geht oder nicht. Sie sind gewissermaßen Prüfsteine für gutes Benehmen. „Tischmanieren sind das A und O“, so Hoffmeyer. „Dabei kann man einiges falsch machen. Unsere Kurse zu diesem Thema sind regelmäßig gut besucht.“

Bei der Einladung des Chefs zu Hause, beim Essen mit Geschäftspartnern im Nobelrestaurant oder während der Betriebsfeier ist das Wissen um das richtige Benehmen gefragt. Die Regel, dass das Besteck je nach Gang, von außen nach innen benutzt werden soll, ist noch eine der einfachsten. Nicht mit vollem Mund zu sprechen oder das Essen herunter zu schlingen, gehört ebenfalls zu den Basics, die man eigentlich von klein auf beherrschen sollte. Neu hinzugekommen ist: Ob beim Meeting oder dem Geschäftsessen – das Smartphone bleibt in der Tasche – und zwar lautlos.

Fragen, was man bestellt, ob man Alkohol trinkt oder wie und ob man sich zuprostet, sind Feinheiten, die aber einen bleibenden Eindruck von der eigenen Persönlichkeit hinterlassen. Generell gilt: Der Gastgeber gibt die Auswahl der Speisen und Getränke vor. Also: Ihn zuerst bestellen lassen. Wer sich mit dem richtigen Umgang mit Austern oder Schnecken oder dem Zerteilen von Seezunge und Hummer noch nie zuvor beschäftigt hat, sollte beim Geschäftsessen erst einmal die Finger davon lassen oder, wenn es nicht anders geht, offen sagen, dass man erst einmal zuschauen möchte. „Offenheit ist eine gute Methode, um Sympathien zu gewinnen, weil man signalisiert, dass man etwas lernen möchte“, so Iris Hoffmeyer. Für Geschäftsreisen ins Ausland gilt: Wer sich im Vorfeld darüber informiert, welche landestypischen Sitten gelten, ist auf jeden Fall im Vorteil.

Gesunder

Menschenverstand hilft

Doch trotz bester Erziehung, Vorbereitung oder Kursbesuche, und obwohl man sich nach den Grundregeln richtet, nie die eigene Weltsicht zu verabsolutieren und keine negativen oder kritischen Kommentare ohne zwingenden Grund abzugeben – Fehler bleiben nicht aus. Schnell ist eine falsche Bemerkung herausgerutscht, hat man jemand Wichtigen gar übersehen oder ist ein Fauxpas passiert. Was ist dann zu tun? „Was passiert ist, ist passiert“, sagt Iris Hoffmeyer. „Manchmal ist es richtig, im Nachhinein, die Situation noch einmal anzusprechen, oft macht man den missglückten Auftritt dadurch aber noch deutlicher.“

Bei allem Wissen um das richtige Benehmen verlässt man sich am besten auf ihren gesunden Menschenverstand und auf sein Beobachtungsvermögen, denn Manieren unterliegen auch immer dem Wandel der Zeit. Was heute noch gewagt ist, kann morgen schon Normalität sein. Stilsicherheit hat etwas mit Authentizität zu tun – und die lila Socken zum dunkelgrauen Anzug können durchaus charmant und als Ausdruck der Individualität wirken, wenn man merkt, dass sie sorgsam ausgewählt wurden und der Rest tadellos ist.   •

Carola Pieper

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