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Die Wirtschaft „Wir leben von Emotionen“
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11:23 29.11.2018
Rolls Roycemit britischemKennzeichen in derWerkstatt. Quelle: OLAF MALZAHN

Oldtimer sind bekanntlich mehr als in die Jahre gekommene Fahruntersätze. Bei MIKA in Mölln setzt man auf Präzision - und arbeitet ein bisschen im Verborgenen.

Wenn es keine Navis geben würde: Man würde wohl mehrfach an dem Unternehmen vorbeifahren, das sich nahe dem Möllner Bahnhof hinter roten Backsteinfassaden geradezu versteckt. Links vor den Gleisen eine Halle, rechts die Werkstätten, dazwischen Kopfsteinpflaster.

Im Büro im Zentrum der Werkhallen steht Geschäftsführer Dirk Blossfeldt, ein großer Mann mit kurzen Haaren, blau-weiß gestreiftem T-Shirt und Jeans. „Verkaufen“, das sagt er ziemlich bald, nachdem der Besucher mit Kaffee versorgt ist, „das habe ich nicht gelernt. Ich komme aus dem Handwerk“, sagt er.

Karosseriebau, das ist sein Fach. Er hat bei Mercedes gelernt, ist dann zum Bund gegangen. „Dann habe ich privat alte Autos kennnengelernt.“ Und so ist er bei den Vorbesitzern Claus Mirbach und Tim Kampschulte, die dem Unternehmen den Namen gegeben haben, eingestiegen. 1987 hatten sie MIKA gegründet - und das Unternehmen unter anderem bekannt gemacht mit dem Neubau des legendären 54er Mercedes-Renntransporters, genannt Blaues Wunder. Der steht heute im Mercedes-Museum. Mittlerweile hat MIKA neben Geschäftsführer Blossfeldt sieben weitere Mitarbeiter. Etwa 50 Autos stehen in den Hallen.

Sprung ins kalte Wasser

Als Dirk Blossfeldt das Unternehmen 2007 übernahm, sei das schon ein „Sprung ins kalte Wasser“ gewesen, sagt er. Das Geschäft lief, das Metier begeisterte ihn. Aber die Kalkulation sei eine riesige Herausforderung gewesen. Er habe dabei viel gelernt, aber das gelte bis heute: Selten sei ein Kostenvoranschlag treffend, schwierig sei es manchmal, das den Kunden zu vermitteln. Schwierig sei es allein, manche Arbeiten überhaupt zu berechnen:

„Wer versteht denn, dass eine Kofferraumdichtung für einen Pagode einzusetzen keine Sache von einer halben Stunde ist - sondern schon mal drei bis vier Stunden dauern kann.“

Eigentlich, sagt Blossfeldt, könne man preislich nur eine grobe Richtung vorgeben, mehr nicht. Ständige Absprachen mit dem Kunden seien gewöhnlich, große Verzögerungen auch, unkalkulbierbare Kosten in Folge ebenfalls. Ein, zwei Jahre für den Umbau eines Fahrzeuges sind bei MIKA alles andere als ungewöhnlich. Gut sei es, wenn die Kunden dafür Verständnis mitbringen. „Wenn sie sagen: Kann ruhig ein bisschen länger brauchen, wenn es ordentlich ist.“

Blossfeldts Begeisterung für klassische Fahrzeuge ist geblieben. Man merkt es ihm an, wenn er den Besucher durch die Werkhallen führt.

In der vorderen Halle steht Christian Bader neben einem Mercedes 190 SL und einer Mercedes Pagode. An der Wand hängt Werkzeug über Werkbänken mit Schraubzwingen. In Metallschränken reihen sich Sprühdosen. Das Radio läuft. Durch die großen Fenster fällt die Herbstsonne.

In einer von sämtlichen Sitzgelegenheiten und Innenverkleidung entkernten Mercedes Pagode hängt ein Zettel: „Hinterachse raus, Längsträger, Querträger...“ Die Liste ist lang.

„Wir machen Neuaufbauten und Repliken. Den SL haben wir komplett neu aufgebaut“, sagt Christian Bader. „Die Außenhaut ist neu bis auf Tankdeckel und Kofferraum.“

Karosseriebau ist der Kern des Geschäfts. „Wir können hier gewölbte Bauteile herstellen, wir können Material strecken und schrumpfen.“ Der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbauer demonstriert das „English Wheel“, ein Gerät mit verschiedenen Walzen und anderen Aufsätzen zur Bearbeitung von Blechen. Manche davon sind selbstgebaut. Er legt ein Blech hinein, die Maschine biegt es in Minutenschschnelle rund. „Von Mercedes gibt es viele Teile für alte Fahrzeuge. Aber vieles machen wir auch selbst.“ Etwa Stoßstangen und Zierleisten - aber auch mechanische Teile. Geduld und Ausdauer seien dabei entscheidend.

Oldtimer mit Geschichten

Dirk Blossfeldt führt den Besucher in eine Halle, in der der aufgebockte Cord steht, in dem Schauspieler Brad Pitt in dem Film „Inglorious Basterds“ gesessen hat. Jeder Oldtimer hat natürlich seine Geschichte. Unter den Auftraggebern sind auch zahlreiche Promis.

Dann geht es weiter in die Halle auf der Bahnhofseite, wo rund ein Dutzend Fahrzeuge zwischengelagert wird. „Die Ausdehnung des Unternehmens war ebenfalls eine große Herausforderung“, sagt Blossfeldt. Er habe eine weitere Halle in der Nähe gemietet. „Fahrradhandel wäre einfacher, was den Platzbedarf angeht“, sagt er und lacht.

Was sich geändert habe, seit er in dem Geschäft ist, sei, dass jetzt die Autos aus den 60er und 70er Jahren im Kommen sind. „Vorkriegsautos sind auf dem Rückzug“, sagt Blossfeldt.

Geblieben sei der hohe Anspruch, den er an sich selbst habe. Aber ist das denn wirtschaftlich, für die Reparatur alter Autos soviel Zeit zu investieren? Lohnt es für den Kunden, diesen Aufwand zu bezahlen?

„Wir setzen die Autos nachhaltig instand“, sagt Blossfeldt. Da sei er ganz selbstbewusst. Unsere Autos können Sie auch in zehn Jahren noch verkaufen. Die Autos, die wir 87 restauriert haben, fahren noch und sind gut. Mehr Geld kann man nicht sparen.“

Die Liebe zu seiner Arbeit drückt sich wohl auch so aus: „Die Wertigkeit der Autos, die wir reparieren, ist uns völlig egal. Wir haben hier auch schon diverse alte Käfer restauriert.“ 

Oliver Schulz