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40 Jahre Kellenhusen

OSTSEE-BEGEISTERTE II 40 Jahre Kellenhusen

Das Wasser beruhige ihn, sagt Heinz-Wolfgang Faust. Seit fast vier Jahrzehnten ist er regelmäßiger Gast in Kellenhusen.

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Heinz-Wolfgang Faust kommt nie in der Hauptsaison an die Ostsee – sondern immer im Mai und September.

Quelle: Foto: Privat

Der typische Ostseetourist ist er nicht. Er hat nur noch vier Tage übrig von seinem dreiwöchigen Urlaub in Kellenhusen, bevor es wieder zurück nach Wattenscheid geht. Bisher war er noch nicht in der Ostsee baden. Er hat noch nicht einmal mit seinen nackten Füßen den feinen Strandsand berührt. „Warum soll ich denn schwimmen?“, fragt Heinz-Wolfgang Faust mit einem leicht aufbrausenden Unterton, wenn man ihn danach fragt. „Da habe ich keine Lust zu.“

Sein Urlaub sieht anders aus. Schon lange und fast immer am selben Ort. „1977 war ich mit meiner Frau und meinem Sohn das erste Mal hier in Kellenhusen“, sagt Faust, der seine schwarze Mütze und seine Sonnenbrille auch im Café nicht absetzt. Seitdem kam er jedes Jahr an die Ostseeküste. Ein paar Mal war er auch auf Fehmarn oder in Dahme, aber sonst immer in Kellenhusen. Auch an der Nordsee war er mal, in Wyk auf Föhr. „Aber da ist das Wasser manchmal weg. Das mag ich nicht“, sagt Faust. „Einmal Kellenhusen, immer Kellenhusen“ ist sein Motto. In den fast 40 Jahren, in denen Heinz-Wolfgang Faust dort hinkommt, hat sich der Ort stark verändert. „Ist schön geworden“, sagt Faust. „Aber es darf nicht Überhand nehmen mit dem vielen Bauen an der Küste.“

Er mag es, dass hier nicht so viele Menschen sind wie an anderen Orten an der Ostsee. Er kommt nie zur Hauptsaison, sondern immer im Mai und im September, jeweils für drei Wochen. Fotos macht Heinz-Wolfgang Faust im Urlaub nicht. „Warum denn? Ist doch immer das Gleiche hier.“ Wellness? „Nee, warum denn?“ Anstatt zu schwimmen und sich am Strand zu sonnen entspannt der gelernte Rohrinstallateur anders. „Ich sitze gerne“, sagt er. „Ich setze mich mit meiner Frau auf eine Bank und dann sitzen wir da.“ Das macht er jeden Tag. „Wir sitzen da und beobachten die Menschen, die an uns vorbeilaufen. Das finde ich schön.“ Dann reden sie über die vorbeispazierenden Passanten. „Guck mal, Schatz“, sagt er manchmal. „Der da sieht doch aus wie der ein oder andere aus Wattenscheid, oder?“ Und ab und zu kommt wirklich einer aus dem Ruhrpott vorbei, den er tatsächlich kennt. „Dann sage ich kurz hallo – und habe dann wieder meine Ruhe.“

Die hat er auch, wenn er morgens früh aufsteht, um an der Promenade mit seinen Nordic- Walking- Sticks zu laufen. „Zuhause mache ich keinen Sport. Ich weiß gar nicht, warum ich es hier mache“, sagt Faust. Er spielt hier auch Tischtennis, was er in Wattenscheid nie tut. „Zuhause habe ich auch keine Zeit für so etwas, und keine Ruhe. Hier beruhigt mich das Wasser. Wir haben zu Hause ja kein Wasser“, sagt Faust. „Und ganz früh morgens, dann ist der Strand noch so schön neblig, herrlich!“ Drei bis vier Kilometer läuft er jeden Tag, bis zum Bäcker und zurück. „Danach wird schön gefrühstückt. Das Essen schmeckt mir hier meistens auch besser als zuhause.“

So wie Fisch, den isst er hier gerne. Das macht er auch fast jeden Tag. „Oh, so eine schöne Fischsuppe mit Einlage, herrlich. Das kannst du ja gar nicht mit dem Fisch vergleichen, den man bei uns bekommt“, schwärmt er. Und Fußball schaut er sich auch gerne an. Ob Amateurvereine auf den Sportplätzen in und um Kellenhusen oder Bundesliga in der Kneipe. Die Einheimischen, die er hier kennengelernt hat, begrüßen ihn liebevoll mit „Na, du kleiner Scheißer“. Er mag es, wenn er von seinen Fußballkumpeln aus Kellenhusen so genannt wird.

„Eigentlich bin ich ja auch ein Fischkopp“, sagt Faust, der 1945 in Lütjenburg geboren wurde und mit vier Jahren nach Essen gezogen ist, weil sein Vater dort Arbeit als Bergmann fand. Seine Bundeswehrzeit hat er in Buxtehude verbracht. „Aber hier leben könnte ich nicht. Da würde ich einsam werden“, sagt er. Schließlich warten seine Enkel darauf, dass er sie wieder zum Fußballspielen begleitet. Sein Kleinster hat gerade ein Angebot von Borussia Dortmund bekommen. „Da will ich hin. Ich finde es schön, meinen Enkel beim Training zu sehen“, sagt der fußballverrückte Faust.

Überhaupt wisse er gar nicht genau, was er hier in Kellenhusen das ganze Jahr machen sollte. „Ich kann doch nicht 365 Tage auf Bänken sitzen. Da wird selbst mir langweilig.“ Wenn er aus dem Urlaub wieder zurück nach Wattenscheid kommt, fühlt er sich jedes Mal erholt. „Und so soll das auch bleiben. Ich freue mich, hierher zu kommen. Aber ich freue mich auch jedes Mal, wieder nach Hause zu kommen.“  

 Hannes Lintschnig

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