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Auf der Überholspur

TRANSPORTBRANCHE Auf der Überholspur

Seit die Deutsche Bahn 2013 ihr Monopol verlor, sind Unternehmen wie Flixbus oder Postbus auf der Überholspur. Ihr Angebot verändert die Branche.

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Ob am Brandenburger Tor in der Hauptstadt – oder im nahen Grömitz: Immer mehr Fernbusse rollen seit 2013 über Deutschlands Straßen.

Barcelona, Bologna, Bad Oldesloe – neben internationalen Großstädten fahren Fernbusse auch kleinere Orte in Schleswig-Holstein an. Derzeit haben allein die Fernbusse von Flixbus, dem größten Anbieter, 34 Haltestellen in 27 Orten in dem Bundesland auf dem Fahrplan. In Schleswig-Holstein sind Fernbus- Haltestellen unter anderem in Lübeck, Kiel, Flensburg und Timmendorfer Strand zu finden. Das Unternehmen Flixbus, das 2015 mit Meinfernbus fusionierte und sich nun Meinfernbus Flixbus nennt, arbeite zudem an einem weiteren Ausbau des Streckennetzes, sagt eine Sprecherin. Allein im Jahr 2015 hat Flixbus nach eigenen Angaben 20 Millionen Menschen befördert. 800 Ziele in 18 Ländern werden dabei angeboten.

 Beispielsweise Grömitz in Ostholstein. Touristen besuchen das Seebad besonders gerne wegen seiner Lage an der Ostsee. Die Anreise mit dem Auto ist einfach, mit dem Zug wird es schon schwieriger. Da die rund 8000 Einwohner große Gemeinde keinen Bahnhof hat, müssen Zugfahrer erst nach Neustadt oder Oldenburg in Holstein fahren, um anschließend mit dem Bus nach Grömitz zu kommen.

Seit einem Jahr fährt Flixbus in die Gemeinde. Dies sei „ein großes Glück“, wie Olaf Dose-Miekley vom Tourismus-Service Grömitz sagt. Denn mit dem Fernbus kämen auch Gäste in den Ort, die ohne die Busverbindung nicht gekommen wären.

 Statistiken gebe es dazu bisher nicht, sagt Dose-Miekley. Aber was er an der Fernbus- Haltestelle Tag für Tag sehe, seien Menschen „aus der urbanen Umgebung“, aus Städten wie Berlin und Hamburg, die an- und abreisen. Es seien junge Leute, aber auch Reisende, die kein Auto zur Verfügung hätten. Doch ausschlaggebend für die Buchung sei wohl vor allem der günstige Preis. Zudem gibt es in den Bussen kostenloses WLAN.

Mehrmals am Tag fahren die Fernbusse für 14,90 Euro aus der Hauptstadt und für sieben Euro aus Hamburg nach Grömitz.

 Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn verlangt für die Fahrt von Berlin Hauptbahnhof nach Grömitz, wenn man sie eine Woche vor Fahrtantritt bucht, mindestens 29 Euro. Für die Strecke von Hamburg Hauptbahnhof nach Grömitz zahlt man eine Woche vor Fahrtantritt mindestens 19 Euro. Bahnreisende müssen also etwa das Doppelte der Fernbuspreise entrichten, um nach Grömitz zu kommen.

 Aber auch Einheimische nutzen die Möglichkeit, für sieben Euro mit dem Bus nach Hamburg zu fahren, sagt der Tourismus-Experte.

 Zudem pflegt Flixbus eine „enge Partnerschaft“ mit dem Mittelstand, wie der Anbieter auf seiner Website schreibt. 250 Regionale Buspartner, häufig sind es Familienunternehmen, arbeiten dabei für das Münchener Unternehmen. Auch schleswig-holsteinische Anbieter sind darunter.

 Gemessen an den Fahrplankilometern hat Meinfernbus Flixbus einen Marktanteil von 73 Prozent, vor Postbus (11 Prozent), der Deutschen Bahn mit ihren Marken BerlinLinienBus und IC Bus (zusammen 6 Prozent) und Megabus (3 Prozent), wie das Handelsblatt im Dezember 2015 schreibt.

 Fernbusse sind längst eine große Konkurrenz für die Deutsche Bahn geworden. Einer Studie aus dem Jahr 2014 zufolge, sind bis zu 44 Prozent der Fernbuskunden zuvor mit der Bahn gefahren. Das analysierte das Bundesamt für Güterverkehr.

 Wie das Beispiel Grömitz zeigt, sind Preis und Erreichbarkeit der Fernbus-Angebote für viele Kunden oftmals attraktiver als die der Bahnverbindung.  

Dass insbesondere Destinationen von den Bussen profitieren, die nicht ausreichend an das Schienennetz angebunden sind, bestätigt auch der Deutsche Tourismusverband (DTV).

 Iris Hegemann vom DTV sieht weitere Faktoren, warum Reisende immer öfter mit dem Bus durch Deutschland rollen. „Der Fernbus passt zum Reiseverhalten“, sagt Hegemann. Dies sei: umweltfreundlich, öfter und kürzer. Dafür werden auch teilweise längere Fahrten mit vergleichsweise langsameren Bussen in Kauf genommen.

 Die Verbindung von München nach Sylt zum Beispiel. Sie wurde erst kürzlich in den Fahrplan aufgenommen. Zwischen 16 und 18 Stunden Fahrt müssen Busreisende von Süddeutschland auf die nördlichste deutsche Insel in Kauf nehmen, um dort Urlaub zu machen. Für die rund 1000 Kilometer lange Strecke zahlen sie dann allerdings nur 44,50 Euro.

 Olaf Dose-Mieckley vom Tourismus-Service Grömitz hat bereits weitere Pläne für die Zukunft. Gerade sei er mit dem Anbieter Postbus im Gespräch. Es geht dabei um eine Verbindung aus Nordrhein- Westfalen nach Grömitz. Damit würde von dem Busunternehmen ein neues Gebiet abgedeckt werden. „Es gibt noch viel Potential“, so Dose-Miekley.   •

Elena Vogt

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