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GESUNDHEITSTOURISMUS Auf zu neuen Ufern

Gesundheit ist einer der Megatrends der modernen Gesellschaft. Im Tourismus spiegelt er sich vor allem in der wachsenden Zahl von Wellnessangeboten wider.

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Auf der Überholspur

Entspannung und Ruhe im Urlaub sind für viele die Antwort auf zunehmenden Stress im Alltag.

Quelle: Jonas Glaubitz/ Fotolia

Mit dem Wort Gesundheitstourismus hat man jahrzehntelang vor allem Kuraufenthalte in den Kurorten und Heilbädern verbunden. 350 Kurorte und Heilbäder gibt es bundesweit. Doch nicht nur das früher verstaubte Image der Kurorte hat sich verändert – auch der Gesundheitstourismus an sich. Die Sozialversicherungen zogen sich immer stärker aus den Finanzierungen von Kuren zurück, damit veränderten sich auch die Ausrichtungen der früher marktprägenden Kuranbieter. Der Weg wurde frei für weitere Anbieter, die Ansprüche wandelten sich und wandeln sich noch immer.

 

ANALYSEN

„Der Zukunftstrend Selfness und damit die Reise zum Ich werden zu immer stärker gefragten Reiseformaten. Dazu gehören Angebote, die auf die Selbstreflektion oder das Wiederfinden der Inneren Balance abzielen.“

Projekt Innovativer Gesundheitstourismus

Dieser Wandel ist auch in Schleswig-Holstein spürbar: Vor den entsprechenden Gesundheitsreformen hatte das nördlichste Bundesland gerade im Bereich der Kuren einen hohen Stellenwert. Zunehmend auf Selbstzahler angewiesen, sank auch die Nachfrage nach rein gesundheitsorientierten Urlauben. Die Heilbäder mussten umdenken, das Angebot und dessen Qualität erweitern.

Der Vorsitzende des Heilbäderverbandes Schleswig-Holstein Hans-Jürgen Küttbach nennt St. Peter Ording als Beispiel, wo balneologische Anwendungen wie Thalasso-Therapien nun auch für Selbstzahler in schönem Hotelambiente angeboten werden. Kütbach, hauptberuflich Bürgermeister von Bad Bramstedt, sieht auch, dass Wellnesshotels sich zunehmend darauf ausrichten, den Aufenthalten einen nachhaltigen Gesundheitseffekt zu verleihen: „Ein Trend zum individuellen gesundheitsbewussten Verhalten ist aber auch beispielsweise bei Urlaubern, die Fernradwege benutzen spürbar.“

Gesundheit ist einer der Megatrends der modernen Gesellschaft. Das Bewusstsein für den eigenen Körper, das eigene Wohlbefinden ist gestiegen. Der Werte-Index des Trendforschungsbüros Trendbüro und der TNS Infratest für das Jahr 2016 bestätigt: Die eigene Gesundheit ist den Deutschen am wichtigsten.

Zukunftsforscher beobachten, dass gesund sein heutzutage mehr bedeutet als nur „nicht krank sein“, sondern darum, einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu schaffen, die Lebensqualität zu steigern und die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Gesundheit werde gar eine Art Statussymbol. Auch die Prävention rücke in diesem Zusammenhang immer mehr in den Fokus. Doch gleichzeitig steigt die Zahl der chronisch Kranken, stressbedingter Krankheiten, Übergewicht und Allergien. Laut Deutschem Tourismusverband ist es 36 Prozent der Deutschen „besonders wichtig, im Urlaub etwas für die Gesundheit zu tun“.

Auch die Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025 hat das Thema Gesundheit als wichtiges Querschnittsthema bestimmt, so das Wirtschaftsministerium des Landes. Das Thema sei mit vielen Themen kombinierbar und ließe sich bei fast allen Zielgruppen platzieren. Im Land wird der Gesundheitstourismus als „Entwicklungsthema“ betrachtet, das stärker für den Schleswig-Holstein Tourismus erschlossen werden soll.

Schleswig-Holstein wird von den Gästen als Urlaubsland mit vielfältiger Natur, frischer Luft und einem gesunden Klima gesehen. Die „Gästebefragung Schleswig-Holstein“ des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) hat ergeben, dass unter den Gründen für eine Reiseentscheidung nach Schleswig-Holstein die „natürlichen Aspekte“ vor dem „maritimen“ und den „gesunden Aspekten“

liegen. Der Erholungsurlaub liegt in der Gunst der Urlauber klar vor dem Natur- und Aktivurlaub. Städte- und Kulturreisen sind ebenso wie Gesundheitsreisen relevant – aber eben nachrangig zu anderen Urlaubsformen. „Daraus einen Anspruch abzuleiten, der einen Aufwand berechtigt, Schleswig-Holstein zum Gesundheitsland Nr. 1 in Deutschland aufzubauen, ist aus den Ergebnissen der Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2015 nicht abzuleiten“, so das Wirtschaftsministerium. Vielmehr sei es wichtig, durch vielfältige Angebote beim Thema Gesundheit „mitzuspielen“.

Der größte Gesundheitsfaktor in Schleswig-Holstein sei das Reizklima an den beiden Meeren, wirbt der Heilbäderverband Schleswig-Holstein für einen Gesundheitsurlaub im nördlichsten Bundesland. Diese Klima lindert unter anderem die Symptome von Asthma und Bronchitis. Zudem biete Schleswig-Holstein viele Einrichtungen und Kurorte mit dem Qualitätsgütesiegel „Kuren mit Heilmitteln aus Schleswig-Holstein“, was eine in Deutschland einmalige Zertifizierung sei. Diese natürlichen Heilmittel sind beispielsweise Schlick, Algen, Meerwasser, die gegen Hautkrankheiten, Gelenkprobleme und verspannungsbedingte Schmerzen helfen. Deutschlandweit einzigartig seien auch die Thalasso-Anwendungen mit heißem Seesand, Ostseealgen und Meerwasser.

Das Thema Thalasso hat unter anderem die Nordsee Tourismus-Service GmbH in dem Projekt "Empowerment als Innovationsstrategie zur Stärkung des Gesundheitstourismus an der Nordsee Schleswig-Holstein"

aufgegriffen. Dabei geht es darum, die Themen Wellness, Thalasso, Yoga und Fasten als Lifestyle-Themen für Selbstzahler attraktiv zu gestalten. In einem Netzwerk von Anbietern werden Pauschalangebote vermarktet. Eine ähnlich ausgerichtete Kampagne ist die „Langsamzeit“ der Lokalen Tourismusorganisation Ostseefjord Schlei, die das Thema „Entschleunigung“ als Marke für die Region vermarktet.

Entspannung und Ruhe im Urlaub als Antwort auf die zunehmenden Burn-Out-Zahlen, hat sich die Kampagne auf die Fahnen geschrieben. Schleswig-Holstein punkte auch mit den kurzen Entfernungen, so Hans-Jürgen Küttbach vom Bäderverband. Positiv bewertet er auch die inzwischen vielerorts sichtbare Bereitschaft zur Modernisierung.

Der Deutsche Tourismusverband, der gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium das „Projekt Innovativer Gesundheitstourismus“ aufgelegt hat, sieht den Markt an einer Schwelle zum „Neuen Gesundheitstourismus“, dessen größte Entwicklung noch in der Zukunft liege. Es sei "Luft nach oben" in diesem Markt. Zwei Angebotspole kennzeichnen den Gesundheitstourismus der Zukunft, so der Tourismusverband: zum einen der „Urbane Gesundheits- und Medizintourismus“ in Städten mit den Schwerpunkten High-Tech-Medizin , Check-ups und medizinische Effizienz. Zum anderen der „Gesundheitstourismus in naturnahmen Ferienambiente“, der präventionsorientiert ist, Wellness-Bausteine als Basis beinhaltet, die gesundheitsfördernde Wirkung der Landschaft nutzt und auf die Themen mentale Gesundheit, Bewegung und Gewichtsabnahme setzt.

„Der Zukunftstrend Selfness und damit die Reise zum Ich werden zu immer stärker gefragten Reiseformaten“, schreiben Bundeswirtschaftsministerium und Deutscher Tourismusverband im „Projekt Innovativer Gesundheitstourismus“. Dazu gehören Angebote, die auf die Selbstreflektion oder das Wiederfinden der Inneren Balance abzielen.   •

Großes Potenzial

Schon im 19. Jahrhundert war das Pflegen der Gesundheit einer der Hauptgründe für eine Reise in die Seebäder. Heute hat der Gesundheitstourismus im engeren Sinne einen eher geringen Anteil am Gesamttourismus. Bundesweit liegt er lediglich bei 3 bis 6 Prozent. In Schleswig-Holstein waren laut der NIT-Gästebefragung 2013 nur 6 Prozent der Urlauber Gesundheitstouristen im engeren Sinne.

Zum Gesundheitstourismus im engeren Sinne zählen die klassischen Kuraufenthalte, der Medizin- und Patiententourismus, der Bereich Medical/Wellness Tourismus und der klassische Wellness-Tourismus, definiert eine Bedarfsanalyse der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen. Im weiteren Sinne zählt die Analyse auch den so genannten gesundheitsorientierten Tourismus dazu, bei dem die Gesundheit nicht das Hauptmotiv, aber ein starkes Teilmotiv der Reise ist. Die Analyse zeigt, dass nur 1 Prozent der Gesundheitstouristen dem Medizintourismus zuzuordnen sind, 4 Prozent den Kuren, 15 Prozent dem Medical/Wellness Tourismus und starke 63 Prozent dem reinen Wellness-Tourismus.

Die größten Wachstumspotenziale bescheinigt die Bedarfsanalyse dem gesundheitsorientierten Tourismus, dessen Anteil zurzeit bei 10 Prozent liegt. Die Reiseanalyse 2015 der NIT hat ergeben, dass 14,1 Prozent der deutschen Bevölkerung Interesse an einem Gesundheitsurlaub in den kommenden drei Jahren haben.

 Nathalie Klüver

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