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Dem Gasleck auf der Spur — jährlich gehen zwei Männer von Netz Lübeck 500 Kilometer ab

Anzeige Dem Gasleck auf der Spur — jährlich gehen zwei Männer von Netz Lübeck 500 Kilometer ab

Andreas Szokoll kennt Lübeck und Umgebung wie kein Zweiter. Denn zusammen mit seinem Kollegen Oliver Bendig (47) wartet der 59-Jährige das Gasnetz von Netz Lübeck.

Andreas Szokoll kennt Lübeck und Umgebung wie kein Zweiter. Denn zusammen mit seinem Kollegen Oliver Bendig (47) wartet der 59-Jährige das Gasnetz von Netz Lübeck. Und das umfasst nicht nur die Hansestadt selbst, sondern auch große Gebiete in Nord-Stormarn inklusive Bad Schwartau und dem westlichen Mecklenburg-Vorpommern bis Groß Schwanensee. Die Hälfte der 130000 Haushalte wird mit Gas versorgt, 2000 Kilometer sind die Leitungen insgesamt lang. Sie gilt es spätestens alle vier Jahre zu kontrollieren. So will es das Gesetz. Jährlich gehen die Gasrevisoren somit 500 Kilometer ab und stellen so die Energieversorgung sicher.

Auf der Suche nach kleinsten Lecks bedienen sich die beiden eines FIDs, dem sogenannten Flammen-Ionisations-Detektor, der 200-mal feiner als die menschliche Nase auf Gas reagiert. Der FID wird auf zwei Rädern nah über dem Boden mit einer Stange wie ein kleiner Einkaufswagen vor sich hergeschoben. Jede Veränderung der Luftzusammensetzung wird auf einem LED-Schirm am Körper des Gasrevisors digital angezeigt. Normalerweise gehen Szokoll und Bendig direkt über den Gasleitungen. Bei Asphaltstraßen oder Frost, die die Oberfläche versiegeln, müssen sie an durchlässige Kanten ausweichen, etwa den Straßengraben. Registrieren sie einen Ausschlag, gibt es vier Stufen mit zeitlich abgestuften Handlungsoptionen: Bei besonders starkem Ausschlag geben die beiden sofort Alarm.

Dann rückt innerhalb von einer Stunde ein Bautrupp an und gräbt die entsprechende Stelle auf.

Lecks zu finden, erweist sich manchmal als recht schwierig. Denn nicht selten stimmen die meist über 30 Jahre alten Karten nicht mehr mit der Realität überein.

Manchmal liegt also die Gasleitung nicht dort, wo sie laut Karte liegen soll. So wie in einer Nebenstraße in Timmendorfer Strand, wo Szokoll und Bendig an diesem eisigen Wintermorgen stehen. Statt auf Gas ist der von ihnen angeforderte Bautrupp auf eine Wasserleitung gestoßen. In welche Richtung soll nun weiter aufgegraben werden? In der Regel kommt in solchen Fällen aufwändige Mess- und Detektor-Technik zum Einsatz, die mit Schallsignalen oder Stromspannungen den Verlauf aufzeigt. An diesem Morgen hilft die langjährige Erfahrung der Netz Lübeck-Mitarbeiter. Nach kurzem Austausch über die Gegebenheiten vor Ort ist der Verlauf der Leitung geklärt und ein teurer Baggereinsatz vermieden.

Zweite Aufgabe ist das Finden der eigentlich schadhaften Stelle. Hierzu bohrt Bendig tiefe Löcher in den Boden und steckt eine Sonde hinein. Ein bisschen wie beim Schiffeversenken nähert man sich so dem Punkt an, denn das Gas verteilt sich im Boden kreisförmig. „Es kann sogar durch Hauswände in Keller eindringen, selbst wenn dort gar kein Gasanschluss ist“, berichtet Szokoll. Ein einziges Mal in über 30 Jahren habe er das erlebt. Passiert sei allerdings in all der Zeit wegen der Kürze des Vorgangs nie etwas. Rund 70 Lecks finden die insgesamt fünf Gasrevisoren von Netz Lübeck im Jahr. Häufigste Ursachen sind Fremdeinwirkungen wie Bauarbeiten. Flext, gräbt oder bohrt ein Arbeiter aus Versehen eine Gasleitung an, entzündet sich im schlimmsten Fall das Gas mit einer Stichflamme. „Dann fahren wir mit Blaulicht zum Einsatzort, wie immer, wenn uns auch nur ein Gasgeruch gemeldet wird“, sagt Szokoll.

Explosionsgefahr besteht bei derartigen Lecks in der Regel dennoch nicht. Eine explosive Mischung würde nur entstehen, wenn sich das leichtere Gas in einem Raum, etwa in einem Keller, mit der schwereren Luft unbemerkt dauerhaft vermischt und dann erst entzündet. Deshalb kontrollieren Szokoll und Bendig auch stets die Hausanschlüsse von Privatgebäuden mit. „Ich klingele allerdings immer vorher an der Haustür, damit sich die Leute nicht wundern, wenn ein fremder Mann bei ihnen im Garten steht“, sagt Szokoll.

Eine weitere Ursache für Lecks kann auch veraltetes Material sein. Denn ein Teil der Gasleitungen ist noch aus Stahl, der mit Bitumen umwickelt ist. Mit den Jahren können hier winzige Haarrisse auftreten und der Stahl korrodiert. Die neueren Leitungen sind aus einem robusteren Kunststoff. Nach und nach tauscht Netz Lübeck die alten zwischen zehn und 30 Zentimeter dicken Leitungen aus. Fast 6 Millionen Euro investieren sie so jährlich in den Netzerhalt und die Versorgungssicherheit.

Ist das Leck erst einmal gefunden, ist das Abdichten nur Formsache. Eine Manschette oder Schelle stoppen die Leckage. Alles protokollieren Szokoll und Bendig genau. Denn in sechs Monaten erfolgt die Nachkontrolle. Auch über die Detektorengänge führen beide Buch. Klar, dass sie auf ihren Wanderungen aber nicht nur über den Beruf reden. Fußball ist ein häufiges Thema. Szokoll drückt Hertha BSC die Daumen, Bendig dem HSV. Vor allem montags gibt‘s da viel aufzuarbeiten. Fast wie ein altes Ehepaar diskutieren dann die beiden.

Zwischen Frühjahr und Herbst führen sie ihre meisten Routinemärsche durch. Der eine sucht, der andere protokolliert. Allerdings nur bei gutem Wetter. Regen bindet das Gas, so dass es der Detektor nicht mehr orten kann.

Bald werden die beiden jedoch womöglich alleine auf Gasstreife gehen, wenn sie ein GPS-gestütztes FID-Gerät erhalten, das etwaige Funde automatisch einträgt und speichert. Die Bundesliga muss dann nach Feierabend analysiert werden.

•Netz Lübeck GmbH Geniner Straße 80 23560 Lübeck

Tel. 0451 / 888 — 2480

www.netz-luebeck.de

Der Energiewende verpflichtet

Effizient, hoch verfügbar, der Energiewende verpflichtet — die Netz Lübeck GmbH steht als Tochter der Stadtwerke Lübeck GmbH für den Betrieb und den Ausbau einer modernen Infrastruktur für die Energie- und Wasserversorgung des Wirtschaftsraums Lübeck. Nachhaltigkeit — das heißt für die Netze sowohl eine vorausschauende Planung und Umsetzung von Vorhaben zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit für künftige Generationen als auch die Orientierung an modernsten Effizienz- und Umweltstandards. Die Netzgesellschaft der Stadtwerke Lübeck betrachtet dabei die Fortentwicklung der Netzinfrastruktur nicht allein unter technischen Gesichtspunkten — weitere Aspekte wie die Stadtentwicklung und entsprechende Verlagerungen des Energiebedarfs fließen hier ebenfalls mit ein.

Weiterhin hervorragend bleibt in diesem Zusammenhang die Versorgungssicherheit im Wirtschaftsraum Lübeck. So ist die Verfügbarkeit — und damit die Versorgungssicherheit — von Strom und Gas seit vielen Jahren deutlich besser, als im Bundesdurchschnitt.

Abgerundet wird die hohe Qualität des Netzes durch einen sehr guten Wert für die Schadensrate beim Wasserrohrnetz. Er lag erneut noch unterhalb der als „niedrig“ eingestuften Schadensrate durch den führenden deutschen Fachverband der Gas- und Wasserwirtschaft, DVGW.

LN

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