Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Den Mittelstand wachrütteln

TRENDS IN DER ERNÄHRUNGSWIRTSCHAFT Den Mittelstand wachrütteln

Das Dachthema Digitalisierung des 10. foodRegio Trendtages unterteilten die Veranstalter in die Themenblöcke „Produktion und Prozess“, „Personal“ und „Markt und Konsument“.

Voriger Artikel
Umstrittene Kost
Nächster Artikel
„Einkaufen und Werbung machen“

Dank mobiler Endgeräte wird die Interaktion von Mensch und Maschine räumlich flexibel. Selbst Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.

Quelle: Fotos: Dfki/smartfactory Kl, Voyager624/ Fotolia, Hfr

Die Digitalisierung führt in der Ernährungswirtschaft zu neuen Herausforderungen. Dies gilt auch für kleine und mittlere Unternehmen. Zwar klinge das Thema sehr mächtig und Angst einflößend, sagt Jochen Brüggen, Vorstandsvorsitzender foodRegio und Gesellschafter der H. & J. Brüggen KG, doch die Digitalisierung müsse dringend in die Werkzeugkästen der Ernährungsunternehmer integriert werden. Andernfalls verpasse man Möglichkeiten und Chancen. In dieser Frage ist er sich einig mit Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer: „Die Digitalisierung ist noch nicht ausreichend in kleinen und mittleren Unternehmen angekommen. Wir müssen den Mittelstand wachrütteln.“

In Daten steckt das Wissen, um die Produktqualität zu steigern und ungeplante Maschinenstillstände zu verringern. Doch wir generieren weitaus mehr Daten, als wir speichern können.“

Dr. Stephan Sigrist

Um Unternehmen, Verbände und Verwaltung für die Digitalisierung in der Ernährungsindustrie zu sensibilisieren, haben im Februar die Veranstalter des 10. foodRegio Trendtags rund 220 Teilnehmer nach Lübeck gebeten. Das Branchennetzwerk unterteilte das Dachthema „Digitalisierung in der Ernährungsbranche“ in drei Subthemen: „Produktion und Prozess“, „Markt und Konsument“ und „Personal“. Letzteres definieren die Organisatoren als Kernelement der Digitalisierung, da sich im Bereich Personal die Auswirkungen auf die Arbeitswelt besonders gravierend zeigen werden.

Entsprechend aufrüttelnd fiel der Vortrag von Axel Graefe, Institutsleiter und Geschäftsführer KIN Lebensmittelinstitut Neumünster, aus. Dieser trug den provokanten Titel: „Mitarbeiterqualifikation im Zeitalter von 4.0 — droht uns der analoge Analphabetismus?“ „Unternehmen, die den Anforderungen der Digitalisierung nicht folgen können, werden erhebliche Schwierigkeiten am Markt bekommen“, erklärte Graefe denn auch. Er meint, die Bedürfnisse der Verbraucher seien absolut unvorhersehbar geworden. Ein Problem, dass für Produzenten nur durch sinnvolle Digitalisierung in den Griff zu bekommen sei. Ein weiteres Problem: Fachkräfte. „Im Bereich der Digitalisierung fragen Industrie und Mittelstand nach Ausbildungen, die an keiner Universität erlernbar sind. Qualifizierung wird als Bringschuld der Mitarbeiter betrachtet. Doch das ist ein Fehler. Stattdessen muss die Wirtschaft aktiv werden und berufsbegleitende Angebote machen. Denn Industrie 4.0 verheißt langfristig eine Produktivitätssteigerung von 20 bis 30 Prozent.“

Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit wird in den nächsten Jahren zunehmend fließender werden, meint Jens Erhardt, Werksleiter Nescafé Dolce Gusto Werk Schwerin. Dort sind die digitalisierten Maschinen und die Mitarbeiter bereits heute „grenzenlos miteinander vernetzt“. „Jeder Mitarbeiter hat digital Zugriff auf jede Maschine, sogar per Handy vom Strandurlaub aus. Keine Zukunftsvision, sondern Realität in Schwerin. Arbeitsmodelle sind hinsichtlich Ort und Zeit komplett entgrenzt“, so Erhardt.

Einen Blick in die Zukunft warf auch Dr. Stephan Sigrist, Leiter des Think Tank für Wirtschaft, Gesellschaft und Life Science W.I.R.E. Zürich in seinem Impulsvortrag „Thesen und Antithesen zur Digitalisierung des Essens“. „In Daten steckt das Wissen, um die Produktqualität zu steigern, den Ausschuss zu verringern und ungeplante Maschinenstillstände zu verringern. Kurz: Die Effizienz zu erhöhen und Kosten zu senken. Doch wir generieren weitaus mehr Daten, als wir speichern können.“ Dem stimmte Dr. Peter Ripphausen, Director Research & Development, Baader Food Processing Machinery Lübeck, in seinem Impulsvortrag „Digitalisierung in der Fischverarbeitung“ zu: „Unsere Gesellschaft lernt gerade: Big Data ist ein eigener Rohstoff. Man lernt aus den permanent gespeicherten Maschinen-, Sensoren und Betriebsdaten, Wartungsprotokollen und Prüfberichten. Man erzielt wertvolles Know-how daraus und kann Entscheidungen ableiten. Aber man muss auch gezielt wissen, was man mit dieser Datenflut erreichen will. Sonst landet man im sinnlosen Daten-Overflow.“   •

Von Jessica Ponnath

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Die Wirtschaft
LN Jobs Stellenanzeigen aufgeben

Das Stellenportal der Lübecker Nachrichten bietet Ihnen den passenden Rahmen für Ihre Stellenangebote. Schalten Sie Ihre Anzeige schnell und effizient hier. mehr

Hier finden Sie die älteren Ausgaben von dem Magazin "DIE WIRTSCHAFT". mehr

Mediakompass: Werbekanäle bei den Lübecker Nachrichten

Werben mit Erfolg: Bei den Lübecker Nachrichten, als regional marktführendes Medienhaus, haben Sie die Chance Ihre Werbung über verschiedene Werbekanäle und Crossmedia-Optionen optimal zu präsentieren! mehr