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Der Run auf die Ballungsgebiete

GEWERBEFLÄCHEN Der Run auf die Ballungsgebiete

Immer mehr große Unternehmen und Konzerne zieht es in das Land zwischen den Meeren. Besonders beliebt sind die Großräume Kiel und Lübeck sowie das Hamburger Umland.

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Beliebte Fläche vor den Toren der Metropole Hamburg: Der Büro- und Gewerbestandort Nordport in Norderstedt aus der Luft gesehen.

Quelle: Fotos: Egno, Matthias21/ Fotolia

„Zentraler geht es nicht: Mitten im Herzen Europas, unmittelbar an der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachse nach Skandinavien und mit direktem Zugang zu Nord- und Ostsee ist Schleswig-Holstein eine wichtige Verkehrsdrehscheibe nach Nord- und Osteuropa und ins Baltikum. Die Nachbarschaft zu Hamburg ermöglicht darüber hinaus den schnellen Zugang zu deutschen und weltweiten Märkten auf sämtlichen Verkehrswegen.“

In perfekter Marketingsprache, mit bunten Pinselstrichen und untermalt von schönen Fotos mit Küstenlandschaften und glücklichen Menschen wirbt die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) auf ihrem Internetauftritt für das Bundesland zwischen den Meeren.

Familienfreundlich, naturnah und zugleich ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Die Lebensqualität spricht ebenso für sich wie die ökonomischen Kennwerte. So wurden allein im Jahr 2012 Waren im Wert von 18,8 Milliarden Euro von dem Land zwischen Meeren ins Ausland transportiert.

Mehr und mehr große Konzerne und Weltmarktführer sind hier zuhause oder siedeln sich vor diesem Hintergrund hier an — von Dräger über Coop bis hin zu Jungheinrich und Casio. Im Januar ließ sich Tesa in der Niendorfer Straße in Norderstedt nieder, schräg gegenüber der Nordport Towers. Und schon kündigt sich ein weiterer Big Player an: Das Schweizer Unternehmen Condair Group will im Gewerbegebiet an der Ohechaussee in Norderstedt einen Produktions- und Logistikstandort bauen.

Schleswig-Holstein ist gefragt. Allerdings unterschiedlich stark.

Der jährlichen Umfrage der HSH Nordbank „Die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein“ zufolge zieht es die meisten großen Unternehmen in Schleswig-Holstein in die Ballungsräume Kiel und Lübeck sowie dem Hamburger Umland. Zusammengerechnet sind in den drei prosperierenden Regionen fast zwei Drittel der im Ranking vertretenen Firmen ansässig. Die Firmen ziehen dort hin, wo die Arbeitnehmer sind. Und die sind wiederum da, wo die Nahversorgung am besten ist.

Das führt dazu, dass Planungsbüros und Wirtschaftsförderungsunternehmen gerade in den Städten immer neue attraktive Ansiedlungsflächen erschließen müssen. Einmal abgesehen etwa von dem Standort Heide mit seinem Gewerbepark Westküste, der mit anderen Kriterien, wie etwa günstiger Wärme durch die nahe Raffinerie, punkten kann.

So steht schon das nächste große, überaus stadtnahe Projekt in den Startlöchern: das MFG5-Areal in Kiel-Holtenau. 80 Hektar ehemaliges Militärgelände in Top-Lage direkt an der Förde wollen in den nächsten Jahren neu gestaltet werden, mit einem neuen Gewerbegebiet für die Landeshauptstadt direkt unterhalb der Einflugschneise der Start-und Landebahn des Flughafens Kiel-Holtenau.

Noch steckt das Projekt allerdings im Planungsprozess, Ideenfindung betreibt man seit Mitte vergangenen Jahres.

Doch auch andernorts wird derzeit viel Erdreich bewegt, um Industrie und Wirtschaft mehr Ansiedlungsflächen zur Verfügung stellen zu können. So zum Beispiel an der Autobahn 7, mitten in Hamburgs Metropolregion. Denn hier in Großstadtnähe steigt die Nachfrage nach Grundstücken seit Jahren — trotz eines schon sehr hohem Preisniveaus. Aus diesem Grund haben die Städte Neumünster, Bad Bramstedt, Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg, Quickborn und Norderstedt, alle zweifelsohne mit Lebensqualität und ÖPNV, schon vor einigen Jahren ein Großprojekt der besonderen Art gestartet:

Nordgate.

„In den vergangenen Jahren wurde massiv versucht, diese Flächen zu bündeln und zu vermarkten“, sagt Ute Leinigen, Teamleiterin Standortmarketing der WTSH. Heute kann sie feststellen: „Die Ansiedlungsanfragen laufen gut an. Anfragen kommen von Unternehmen und Investoren unterschiedlicher Größe aus unterschiedlichen Branchen. Auch zu Jahresbeginn gab es bereits konkrete Anfragen aus dem Ausland.“ Aufgerufene Preise variieren stark, je nach Ausstattung und Lage, im Mittel werden zwischen 40 und 65 Euro pro Quadratmeter verlangt. Im höheren Preissegment findet man beispielsweise Flächen im Norderstedter Gewerbepark mit seinen Nordport-Türmen, seiner direkten Grenze zu Hamburg und dem schnellsten Glasfasernetz Europas. Leinigen: „Der Nordport in direkter Nachbarschaft zum Hamburger Flughafen und idealer Anbindung an die Autobahn 7 ist der perfekte Standort für Büros und Gewerbe. Der Nordport ist die 27 Hektar große Visitenkarte für die Wirtschaftskraft Norderstedts.

Er ist ein Projekt der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EGNO).“

Doch auch im „Wirtschaftsraum Autobahn 1“ geht die Erschließung weiter. An — nein tatsächlich exakt auf — Stormarns Grenze zu Hamburg ist ein Novum geplant: ein Pilotprojekt, bei dem in einem länderübergreifenden Gewerbegebiet Firmen angesiedelt werden sollen, unweit des Merkurparks zwischen Stapelfeld und Rahlstedt. Schon vor einigen Jahren war ein solches Projekt angeregt aber nicht umgesetzt worden. Dieses Mal könnte es klappen, die Initiatoren sind zuversichtlich. An dem Projekt beteiligt sind die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) sowie ein Hamburger Unternehmer.

„Die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und die WAS haben im Dezember 2014 eine Bietergemeinschaft aus Berlin mit der Erstellung eines Konzeptes für die gewerbliche Entwicklung beauftragt“, sagt Norbert Leinius, Geschäftsführer der WAS. „Es sollten insbesondere drei Kriterien beachtet werden: Landschaftsverträglichkeit, städtebauliche Qualität und verkehrliche Verträglichkeit.“

Seit Dezember vergangenen Jahres liegt die gutachterliche Bewertung nun auf dem Tisch des Geschäftsführers und wurde im Februar den Gemeindevertretern in Stapelfeld zur Kenntnisnahme gegeben.

Vier Quadratkilometer ist die Fläche groß, die für das Projekt infrage kommt. Jedoch soll nicht die ganze Fläche bebaut werden, lediglich ein Bruchteil davon soll in zwei Jahren — so zumindest die Hoffnung der Planer — als Gewerbefläche in einem baulich hohem Niveau und einer hochwertigen Erscheinung, zu vergleichen mit der des angrenzenden Merkurparks, zur Verfügung stehen. „Wir hoffen, dass wir im Frühjahr mit der Bauleitplanung beginnen können. Voraussetzung dafür ist eine interkommunale Vereinbarung zwischen Hamburg-Wandsbek und der Gemeinde Stapelfeld,“ so Leinius.

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Von Fabian Joeres

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