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Der größte Markt für Schleswig-Holstein

EUROPA Der größte Markt für Schleswig-Holstein

Knapp zwei Drittel aller Exporte aus Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr in EU-Länder geliefert worden. Das sind zwar etwas weniger als im Jahr 2014, trotzdem bleiben die Märkte innerhalb der EU die wichtigsten Absatzmärkte für Schleswig-Holstein.

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Als könnte man die Silhouette Norddeutschlands von dort aus sehen: Das dänische Kopenhagen liegt nur einen Sprung über das Meer entfernt von Schleswig-Holstein. Entsprechend intensiv ist der Handel.

Quelle: Canbedone, Jisign, Sg-Design / Fotolia

 

„Die Märkte in der EU sind hochkompetitiv. Das ist eine Herausforderung für uns“, sagt Christian Krüger, der bei dem Lübecker Unternehmen Euroimmun für den internationalen Vertrieb zuständig ist. Das Unternehmen produziert Test- und Automatisierungssysteme für die medizinische Labordiagnostik und vertreibt diese in den meisten Ländern der EU über eigene Niederlassungen oder Distributoren. „Wir gehen davon aus, dass unsere Geschäfte in den EU-Ländern in einer Größenordnung von etwa fünf Prozent und maximal zehn Prozent wachsen werden.“

Besonders mit den skandinavischen Ländern verbindet Schleswig-Holstein eine lange Handelstradition – und auch heute noch nehmen sie eine wichtige Stellung ein. Dänemark ist das wichtigste Exportland.

Der Wert der Ausfuhren betrug laut Statistikamt Nord im vergangenen Jahr rund 1,6 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dänemark ist damit auf Platz eins der Ausfuhrländer Schleswig-Holsteins. Auch bei dänischen Unternehmern ist das nördlichste Bundesland sehr beliebt. Laut der Industrie- und Handelskammer haben mehr als ein Drittel aller dänischen Unternehmer, die sich im Jahr 2014 in Deutschland niedergelassen haben, die Region zwischen Hamburg und Flensburg gewählt. Die dänischen Unternehmer schätzen die vergleichsweise geringen Arbeitskosten und die flexiblen Arbeitszeiten.

„Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt für dänische Unternehmen, und innerhalb Deutschlands nimmt Norddeutschland eine klare Spitzenposition ein“, sagt Sandra Bækby-Hansen von der deutsch-dänischen Handelskammer. „Außerdem wagen viele dänische Unternehmen den Markteintritt über Norddeutschland. Allein in Norddeutschland sind knapp 1400 dänische Tochtergesellschaften ansässig, insgesamt sind es 2600 in Deutschland. Norddeutschland ist sozusagen der erweiterte Heimatmarkt dänischer Unternehmen.“ Der wichtigste Faktor für die erfolgreichen Außenhandelsbeziehungen sei die Nachbarschaft der Regionen, kulturell herrsche eine große Affinität. „Bisher war vor allem Jütland Norddeutschland sehr nahe. Mit der neuen Fehmarn-Verbindung wird dann auch das östliche Dänemark besser mit Norddeutschland zusammenwachsen können“, sagt Bækby-Hansen. Beim letzten Hamburg-Copenhagen-Business-Forum haben sich rund 250 Unternehmensvertreter über die geschäftlichen Möglichkeiten informiert.

Auch die Niederlande und Belgien zählen zu Schleswig-Holsteins wichtigsten Exportpartnern. Auf der Liste der wichtigsten Bestimmungsländer für Waren aus Schleswig-Holstein 2015 steht der deutsche Nachbar auf Platz drei. Die Niederlande bezog im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 1,28 Milliarden Euro, das sind 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Belgien ist auf Platz sieben der wichtigsten Exportländer Schleswig-Holsteins, etwa 930 Millionen Euro betrug der Wert der Ausfuhren 2015. Das Land mit rund elf Millionen Einwohnern ist besonders bei deutschen Investoren beliebt, genauso wie das Großherzogtum Luxemburg. „Laut neuesten verfügbaren Zahlen hatte das Königreich Ende 2014 einen Anteil von vier Prozent am weltweiten kumulierten Bestand von deutschen Direktinvestitionen im Ausland und das Großherzogtum sogar von 7,1 Prozent“, meldete die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade & Invest (GTAI), im Mai dieses Jahres. „Damit standen beide Länder vor weitaus größeren Märkten wie Frankreich (3,6 Prozent) oder Italien (3,3 Prozent).“

Polen ist ebenfalls unter den Top Ten der wichtigsten Ausfuhrländer für Waren aus Schleswig-Holstein. 2015 betrugen die Exporte nach Polen 837 Millionen Euro (10,3 Prozent mehr im Vergleich zu 2014).

„Der Handel zwischen Norddeutschland und Polen ist seit 2002 stetig gestiegen, mit Ausnahme der Jahre weltweiten Wirtschaftskriese zwischen 2008 und 2009“, sagt Katarzyna Soszka-Ogrodnik von der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer. Polen ist aktuell, was die Exporte betrifft, vor Österreich der neuntgrößte Handelspartner Schleswig-Holsteins. Die am häufigsten von Schleswig-Holstein nach Polen exportierte Waren sind unter anderem chemische Erzeugnisse, Maschinen, Gummi- und Kunststoffwaren, Nahrungs- und Futtermittel sowie Bekleidung, Kraftwagen und pharmazeutische Erzeugnisse.

In der jüngsten Konjunkturumfrage der Deutsch-Polnischen Außenhandelskammer im Frühjahr dieses Jahres bemängeln deutsche Unternehmer die politischen Rahmenbedingungen im Land. Die über 200 befragten ausländischen Investoren stehen zwar der Entwicklung des polnischen Marktes optimistisch gegenüber. Allerdings bemängeln sie die politische Stabilität, was auf den Regierungswechsel in Polen Ende 2015 zurückzuführen ist. In vorigen Ergebnissen wurde dieses Kriterium meist positiv beantwortet.

Deutsche Unternehmer sollten im Umgang mit europäischen Geschäftspartnern auf gewisse Regeln achten. Denn auch wenn zwischen Deutschland und Dänemark, den Niederlanden oder Belgien nur wenige Kilometer liegen, gibt es doch eine Menge Fettnäpfchen, in die man besser nicht treten sollte. Kai Oppel, Autor des Buches „Business-Knigge“, hat darin einige sehr nützliche Tipps zusammengestellt.

Deutsche Unternehmen haben danach beispielsweise in Dänemark einen sehr guten Ruf, sie gelten als solide, verlässlich und innovativ. Fast alle dänischen Geschäftsleute sprechen Englisch, manche sogar Deutsch. Trotzdem können einige Worte auf Dänisch weiterhelfen. „Jeder Versuch, in der Landessprache zu kommunizieren, signalisiert Ihren potenziellen Geschäftspartnern Interesse und Wertschätzung“, sagt Oppel. Außerdem sollten deutsche Unternehmer beachten, dass in Dänemark sehr flache Hierarchien herrschen, Protzerei und prahlerisches Auftreten kommen nicht gut an. „Treten Sie gegenüber dänischen Partnern mit Understatement und Bescheidenheit auf, gepaart mit einem kräftigen Schuss Flexibilität“, sagt Oppel.

In den Niederlanden sind die hierarchischen Strukturen ebenfalls sehr flach. Deutsche Unternehmer sollten auch Praktikanten ernstnehmen, wenn sie am Verhandlungstisch sitzen, schreibt Oppel. Bei Geschäftsverhandlungen wird schnell geduzt. Das ist üblicherweise nicht unbedingt eine Freundschaftsbekundung, sondern eine pragmatische Vereinfachung der Kommunikation. Schulter klopfen oder überschwängliche Gesten werden als übertrieben und zu nah empfunden. Und aufpassen sollte man besonders darauf, den Begriff „Holland“ richtig einzusetzen. Denn Holland bezieht sich nur auf zwei Regionen in den Niederlanden. Oppel rät, diese Bezeichnung lieber zu vermeiden, wenn man nicht genau weiß, aus welcher Region der Geschäftspartner stammt In Belgien fängt es bereits mit der Sprache an. Denn in unserem Nachbarland werden sowohl niederländisch, französisch als auch deutsch gesprochen. Zwar ist Englisch als Geschäftssprache sehr verbreitet und reicht völlig aus, aber man sollte sich darüber bewusst sein, aus welchem Teil Belgiens der Geschäftspartner stammt. Belgier sind laut Oppel Genießer, sie nehmen sich viel Zeit zum Essen und verstehen es deshalb nicht, wenn man sein Essen hastig herunterschlingt. Außerdem gehört zu fast jeder Mahlzeit ein Glas Wein, Bier wirkt hingegen eher bäuerlich. Wer keinen Wein trinken will, der sollte eine Krankheit oder Unverträglichkeit anführen, damit es nicht so wirkt, als wolle man im Geschäftsgespräch unbedingt die Kontrolle behalten.

Für Christian Krüger, der die jeweiligen kulturellen Unterschiede ebenfalls kennt, sind einige Verhaltensformen in jedem Land unerlässlich: „Überall gilt, dass man sich als Kooperationspartner dadurch gut etablieren kann, wenn man seinen Worten Taten folgen lässt und zuverlässig, nachvollziehbar sowie transparent kommuniziert.“   •

Kontakte zu allen europäischen

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www.ahk.de

Hannes Lintschnig

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