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Der zehntausendste Airbus

LUFTFAHRT Der zehntausendste Airbus

Champagnerlaune in Südfrankreich: In Toulouse wurde die Auslieferung des zehntausendsten Airbus gefeiert. Mit Produktionsstätten in verschiedenen Ländern des Kontinents ist das Unternehmen ein Paradebeispiel europäischer Wirtschaftskooperation.

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Airbus-Chef Tom Enders spricht bei der Feier zur Auslieferung des zehntausendsten Airbus im südfranzösischen Toulouse vor der internationalen Presse.

Quelle: Fotos: Airbus, Oliver Schulz (1)

 

„Vor weniger als neun Jahren haben wir den fünftausendsten Airbus ausgeliefert, sagte Tom Enders, CEO des Konzerns, im Oktober in Toulouse. „Es kommt mir vor wie vorgestern.“ Es folgte eine Rede über gewachsene Marktanteile und beschleunigte Produktion. Enders verwies auf die rasante Entwicklung des Konzerns, seit vor mehr als 42 Jahren der allererste Verkehrs-Jet aus seiner Produktionshalle rollte. Insgesamt 19 Jahre brauchte Airbus, um seine ersten 1000 Flugzeuge auszuliefern – heute werden genauso viele Jets in gerade mal 19 Monaten produziert.

Im Anschluss an Tom Enders versicherte Goh Choom Phong, CEO von Singapore Airlines, seine Airline wolle ein A380-Kunde bleiben und im kommenden Jahr weitere Maschinen in Dienst stellen. „Die heutige Auslieferung zeigt, wie weit Airbus in den letzten Jahrzehnten gekommen ist“, bilanzierte der Unternehmenschef. Goh zelebrierte auch die Aussicht, noch im selben Monat direkt von Singapur nach San Franciso zu fliegen. Und in 2018 nach Los Angeles und New York.

Stewardessen in Singapore-Airlines-Kostümen und Flugkapitäne in Uniformen applaudierten. Eine Tänzerin in Weiß bewegte sich wie ein Vogel über die Bühne. Die Vorhänge hinter der Bühne gingen auf, und da stand er im südfranzösischen Herbstniesel: Der Rekord- Jet mit der Jubiläums-Lackierung. Eine A350 XWB, bereit, um von Singapore Airlines in Empfang genommen zu werden.

Gebaut wurde sie in ganz Europa. 11 Produktionsstätten gibt es auf dem Kontinent. Der Airbus ist eine europäische Idee.

Es ist die 43. Maschine dieses Typs, die der Konzern bisher auslieferte. Mehr als 16 700 Flugzeugbestellungen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in seiner Geschichte verzeichnet. In den Auftragsbüchern stehen jetzt also noch mehr als 6700 Flugzeuge, deren Produktion die kommenden zehn Jahre in Anspruch nehmen wird. Für dieses Jahr rechnet Airbus mit „mindestens 650 übergebenen Flugzeugen“. Weltweit nutzen nach Konzernangaben 400 Fluggesellschaften Airbus-Maschinen.

Und was in boomenden Zeiten der Luftfahrt runde Zahlen schreibt, fing relativ unspektakulär an. Die Airbus-Historie reicht vom ersten A300 B2, ausgeliefert am 10. Mai 1974 an Air France. Als hoffnungsfroher, aber damals noch oft belächelter deutsch-französischer Unternehmensverband hatte der heutige Weltkonzern begonnen. In seinen Anfängen galt das Unternehmen noch als kompliziertes Konglomerat, das ein Nischenprodukt offerierte.

Doch Airbus knackte bald mit seiner einzigartigen europäischen Kooperation nicht nur erfolgreich die Dominanz des US-Konkurrenten Boeing – sondern sorgte auch immer wieder mit technologischen Neuerungen für Aufsehen in der Luftfahrt-Branche.

Etwa mit der revolutionierenden Entwicklung, Steuerbefehle im Cockpit nicht wie zuvor üblich per Steuersäule und Muskelkraft zu übertragen – sondern auf elektronischem Wege per Joystick. Diese „fly-by-wire“-Technik ist heute längst zum Standard in modernen Cockpits weltweit geworden.

Die Geschichte des Unternehmens reicht aber auch von Lastwagen-Konvois voller Komponenten, die sich in den frühen Jahren über französische Landstraßen schleppten, bis hin zu den heute verwendeten Belugas. Fünf Transportflugzeuge unterhält Airbus eigens zu dem Zweck, die Komponenten der Flugzeuge aus den verschiedenen Herstellungsorten in Europa zusammenzuführen. Das Verladen der Komponenten dauert typischerweise nur eine Stunde und wird von nicht mehr als fünf Männern vorgenommen. Ein ganzer Airbus-Flügel hat in einer Beluga Platz. In Zukunft sollen es sogar zwei sein : 2019, wenn die geplanten „Beluga XL“ kommen. Und auch sie werden Komponenten transportieren, die aus ganz Europa kommen. Nicht zuletzt aus Finkenwerder.

Mehr als 11000 Mitarbeiter hat das Unternehmen in Hamburg. Dort findet in zwei Fertigungsendlinien die Endmontage für die A318, A319 und A321 statt. Seit 2008 wird auch die A320 in einer dritten Fertigungslinie in Hamburg endmontiert. Bei der A380 wird in Finkenwerder die Sektionsmontage mehrerer Rumpfsektionen sowie die Kabinenausstattung und Lackierung durchgeführt.

Das Konzept scheint aufzugehen. In Südfrankreich herrschte Feierlaune – aber es ist nicht zu übersehen: Auch Airbus musste zuletzt dazu lernen. Heute setzen Fluggesellschaften verstärkt auf mittelgroße Langstreckenjets – für den europäischen Hersteller resultiert daraus eine schleppende Nachfrage nach seinen A380. So hatte Airbus im Juli wegen der schwachen Nachfrage nach dem Riesenflieger eine Produktionskürzung beschlossen.

Gleichwohl blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft: „Und was ist mit den nächsten 100000“, fragte Airbus-Chef Tom Enders am Ende seiner Rede in Toulouse. „Wir werden noch smarter werden. Noch digitaler. Sicherer und sauberer, leichter zu unterhalten. Design und Herstellung werden noch schneller werden.“

Und dazu wird auch unsere Region ihren Teil beitragen.   •

Oliver Schulz

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