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Deutsch-dänisches Jahrhundertprojekt

FEHMARNBELTQUERUNG Deutsch-dänisches Jahrhundertprojekt

Im allerletzten Moment war es noch überraschend zu juristischen Schwierigkeiten gekommen, und das Bangen um die Vertragsunterzeichnung zwischen der dänischen Planungsgesellschaft Femern A/S und den ausgewählten internationalen Baukonsortien verlängerte sich um über zwei Wochen. Doch jetzt ist alles unter Dach und Fach: Die Tinte unter den milliardenschweren Hauptbauverträgen ist trocken.

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Auf der Überholspur

Ein kombinierter Verkehr auf Schiene und Straße ist für das Projekt vorgesehen. Animationen: Femern A/S, hfr

Der 17,6 Kilometer lange Fehmarnbelttunnel, eines der größten europäischen Verkehrsprojekte, zwischen Puttgarden und Rødbyhavn kann gebaut werden. Doch: „Das Vorliegen eines deutschen Planfeststellungsbeschlusses ist Bedingung für den Baustart“, so Claus F. Baunkjær, Vorstandsvorsitzender und CEO von Femern A/S. Damit ist nicht vor Ende 2017 zu rechnen.

Wenn der Planfeststellungsbeschluss kommt, sind wohl neue Klagen einzukalkulieren – wovon der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) fest ausgeht. Das hätte zur Folge, dass wohl frühestens 2019 nach einem Spruch des Bundesverwaltungsgerichts das Baurecht vorliegt. Sollte das nicht erteilt werden, bekommen die Baufirmen eine Entschädigung ausgezahlt.

„Mit der Unterzeichnung der Bauverträge in Kopenhagen haben wir ein weiteres wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu einer gemeinsamen Fehmarnbelt-Region erreicht. Der Bau des Fehmarnbelt- Tunnels ist damit einen entscheidenden Schritt näher gerückt“, sagt Siegbert Eisenach, Chairman des Fehmarnbelt Business Councils (FBBC) und Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin.

Mit den Zuschlägen für die Bieterkonsortien Femern Link Contractors und Fehmarn Belt Contractors stehen nun endgültig die Unternehmen fest, die den Absenktunnel für den kombinierten Schienen- und Straßenverkehr zwischen Fehmarn und Lolland bauen werden: Femern Link Contractors übernimmt den Bau des nördlichen und des südlichen Teils des Tunnels sowie den Bau der Portalbauten und Rampen.

Fehmarn Belt Contractors wird für den Aushub des Tunnelgrabens und der Landgewinnungsarbeiten zuständig sein. In den Konsortien sind die deutschen Unternehmen Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, Max Bögl Stiftung & Co. KG, Hochtief Solutions und die AG Ed Züblin AG vertreten. Zu den dänischen Bauunternehmen zählen Per Aarsleff Holding A/S und die Beratungsunternehmen COWI A/S und SWECO Danmark A/S. Weitere Bauunternehmen sind in Frankreich, Belgien und den Niederlanden beheimatet.

Nach aktuellem Stand könnte der Auto- und Zugverkehr 2028 zwischen Deutschland und Dänemark auf die Spur kommen. Doch vorher sind weitere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Von Fehmarn aus muss der Verkehr über den Fehmarnsund gelangen – und die 1963 eingeweihte Brücke über die Meerenge ist längst marode. Also muss ein Ersatzbau her. Derzeit lässt die Deutsche Bahn zusammen mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) und dem Bundesverkehrsministerium vier Konzeptvarianten unabhängig voneinander planen: eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke, zwei Brücken für Straße und Schiene, einen kombinierten Absenktunnel und einen Bohrtunnel mit mindestens vier Röhren. Ergebnisse in Hinblick auf Umweltverträglichkeit, Auswirkungen auf Menschen, Gesundheit, Boden, Wasser, Luft, Klima, Kulturgüter werden für Mitte 2018 erwartet.

Die vier sogenannten Vorplanungspakete sind seit April europaweit ausgeschrieben. Noch bis Anfang Juli haben qualifizierte Ingenieurbüros die Chance, sich zu bewerben. Bereits Anfang Juni wurde im dänischen Holeby zur Fehmarn Link Business Conference eingeladen. Der Fokus der internationalen Konferenz lag sowohl auf dem Tunnelbauprojekt wie auch auf der Ertüchtigung der Hinterland-Bahnstrecke Ringstedt-Nykøbing Falster am Guldborgsund, die bereits im Herbst 2016 starten soll.

Vertreter der beiden Tunnelbaukonsortien sowie der vom Bahninfrastrukturunternehmen Banedanmark beauftragten Firmen MT-Højgaard und M.J. Ericsson informierten in Vorträgen und Workshops vor allem kleine und mittlere Unternehmen über Beteiligungsmöglichkeiten am Tunnelbau sowie am Ausbau der dänischen Regionalbahnstrecke Ringstedt-Nykøbing Falster. „Obwohl der Zeitplan für das Fehmarnbelt-Tunnelprojekt noch nicht feststeht, haben wir erkannt, dass es für die regionalen Unternehmen wichtig ist, jetzt schnell direkte Informationen von den großen Baukonsortien zu erhalten“, sagt Stig Rømer Winther, Direktor der dänischen Entwicklungsgesellschaft Femern Belt Development. „Außerdem wissen wir, dass im Rahmen des Bahnausbau-Projektes Ringstedt-Nykøbing Falster mehrere hundert Millionen Euro investiert werden.“

Das Fehmarnbelt Business Council (FBBC) sieht in dem regen Interesse an den vom Council mitorganisierten Veranstaltungen Fehmarn Link Business Conference und Fehmarnbelt Days 2016 im September in Hamburg einen Beleg für eine spürbare Aufbruchsstimmung. So zählten die Macher der Fehmarn Link Business Conference rund 300 Teilnehmer aus Europa, vorwiegend aus Dänemark und Großbritannien. Allerdings kamen aus Deutschland lediglich 40 Wirtschaftsvertreter.

Auch das Interesse an den Fehmarnbelt Days 2016 vom 20. bis 22. September in Hamburg ist groß. Bereits jetzt sind 250 Teilnehmer-Registrierungen eingegangen. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hieß jüngst im Rahmen eines Sommerempfangs Friis Arne Petersen, den dänischen Botschafter in Berlin, den Bundesverkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann und Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele zu Gesprächen rund um das Thema Fehmarnbeltquerung willkommen. Scholz, Schirmherr der diesjährigen Fehmarnbelt Days, betonte die Bedeutung der Festen Fehmarnbeltquerung für die Metropolregion: „Schon die nächste Generation kann in Schleswig-Holstein wohnen und in Kopenhagen arbeiten.“ Zusammen mit der Landverbindung über den Öresund nach Schweden werde die Metropolregion Hamburg an die Öresund-Metropolregion angeschlossen. „Als gut vernetzte Metropolen können wir noch besser für die Anliegen der Nord- und Ostseeregion werben“, so Scholz. „Das Selbstbewusstsein und die Stärke dieser Region mit ihren bald zehn Millionen Einwohnern kann auch Europa kräftigen.“

Zustimmung bekommt Scholz auch von Dr. Aloys Altmann, Präsident des Bundes der Steuerzahler Schleswig-Holstein. „Die Zukunft der schleswig-holsteinischen Wirtschaft hängt auch von leistungsfähirgen und bedarfsgerechten Verkehrsverbindungen ab.“  

VERANSTALTUNGEN ZUM THEMA IN DER REGION

Versammlung, Ausstellung, Netzwerktreffen

Zukunft der deutsch-dänischen Verkehrsverbindungen

Kiel, 27. Juni, 16 Uhr

Der Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein begrüßt zu seiner öffentlichen Delegiertenversammlung im Atlantic Hotel Kiel den dänischen Transport- und Bauminister Hanns Christian Schmidt, den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann sowie Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie Schleswig-Holstein. Eine Anmeldung ist erforderlich unter schleswig-holstein@steuerzahler.de oder Tel. 0451/ 56 30 65

Fehmarnbelt-Ausstellung

Lübeck, 4. bis 22. Juli

Wanderausstellung der Bundesbahn zum Projekt Fehmarnbelt- Tunnel. Um die Vorteile der entstehenden Bahnverbindung aus Norddeutschland in Richtung Skandinavien den Bahnreisenden näher zu bringen, tourt die Ausstellung über den Fehmarnbelt-Tunnel in diesem Jahr durch zahlreiche Bahnhöfe in Norddeutschland.

Fehmarnbelt Days 2016

Hamburg, 20. bis

22. September

Zu den Fehmarnbelt Days 2016 in der Hamburger HafenCity Universität erwarten die Organisatoren Experten aus ganz Nordeuropa. Es ist das dritte internationale Netzwerktreffen. 2012 fand die Veranstaltung in Lübeck statt, 2014 in Kopenhagen. Organisatoren sind das Fehmarnbelt Business Council (FBBC), das Fehmarnbelt Komitee, das STRING Netzwerk, Femern A/S und die Freie und Hansestadt Hamburg. Zahlreiche thematische Einzelveranstaltungen sollen für Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft und Forschung in der entstehenden Fehmarnbelt Region von Norddeutschland bis Südschweden eine Austauschplattform bilden. Das vorläufige Programm findet sich unter unter: www.fehmarnbeltdays.com

 Jessica Ponnath

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