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„Die Landwirtschaft ist ein Pfeiler unseres Wohlstands“

STANDPUNKT „Die Landwirtschaft ist ein Pfeiler unseres Wohlstands“

Präsident des Landesbauernverbands Schleswig-Holstein Regen ohne Ende bestimmte diesen Sommer in Schleswig-Holstein. Und doch war die Lage in vielen Regionen Deutschlands weitaus dramatischer.

Präsident des Landesbauernverbands Schleswig-Holstein

 

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Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbands, betont die gesellschaftliche Bedeutung der Branche.

Quelle: NEELSEN

Regen ohne Ende bestimmte diesen Sommer in Schleswig-Holstein. Und doch war die Lage in vielen Regionen Deutschlands weitaus dramatischer. Denken wir über das Wetter hinaus, dann haben wir erst Recht Grund, dankbar dafür zu sein. Wir leben in einem Land, in dem vieles funktioniert. Angefangen beim gesellschaftlichen Engagement vieler Menschen über eine demokratisch legitimierte Rechtssetzung- und -sprechung bis hin zu einer fast selbstverständlichen Sicherheit in allen Lebenslagen, die eine langfristige persönliche Lebensplanung erst zulässt. Wer heute um Asyl bittet, der tut es, um endlich Sicherheit in sein Leben zu bringen.

Ein Pfeiler dieser Sicherheit ist eine leistungsfähige Landwirtschaft. Sie ist, genau betrachtet, sogar die Basis eines friedliches Miteinanders. Ein voller Bauch revoltiert nicht gern.

Gesellschaftliche Entwicklung beginnt, wenn dieses Sattheitsgefühl im Magen zur täglichen Sicherheit wird.

Schleswig-Holstein ist eine Hochertragsregion. Wir ernten auf einem Hektar Mengen, für die in Afrika, aber selbst in den USA viele Hektare benötigt werden. Wichtiger aber noch ist ein über die Jahre stabiler Ertrag. Ernteschwankungen fallen hierzulande um ein Vielfaches geringer aus als in den meisten Weltregionen. Das hat etwas mit unserem ausgeglichenen Klima zu tun. Es hängt aber auch damit zusammen, dass uns vielfältige Mittel zur Verfügung stehen, um das Wachstum der Pflanze zu unterstützen. Wir ernähren die Ackerfrüchte zielgenau, schützen sie vor Pilzkrankheiten und können mit der heutigen Technik in kleinsten Zeitfenstern ernten. All dies hat unmittelbar positiven Einfluss auf Menge, Qualität und Preis unserer Lebensmittel.

Auch unsere Tierhaltung erweist sich als höchst effizient, was zum Beispiel den Einsatz von Futtermitteln angeht. Brauchen wir 2,3 Kilo Mastfutter, um ein Kilo Schweinefleisch zu erzeugen, sind es in Ostasien bis zu 8 Kilo. Ähnliches gilt für die Milcherzeugung. Das heißt: Wir sind gut zum Verbraucher, der ein günstiges Produkt bekommt und zum Klima, denn das Futter muss ja auch erzeugt werden.

Zugleich ist unsere Landwirtschaft die Basis eines umfassenden Natur- und Umweltschutzes. Denn erst dadurch die heutige Leistungsfähigkeit schaffen wir es, Flächen für die Natur frei zu machen.

Unterschätzen wir unsere Landwirtschaft nicht! Gönnen wir unseren Bauern die aktuell guten Preise, mit denen sie das Preistal der Vergangenheit ausgleichen müssen. Basis einer zukunftsfähigen Landwirtschaft sind auskömmliche Preise und der Verzicht auf eine Überfrachtung mit Auflagen. Erst diese Sicherheit lässt uns Bauern in die Zukunft investieren.

Wir wissen, dass wir unsere Betriebe entlang der gesellschaftlichen Anforderungen entwickeln müssen – aber das ist nicht mit einem Federstrich zu leisten. Doch beschreiten wir diesen Weg. Die Bauern in Schleswig-Holstein haben sich mit dem Leitfaden „Veränderung gestalten“ verpflichtet, den Weg in die Zukunft zu beschreiten:

Wir stehen für eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen. Ausschlaggebend sind der Pflanzenbedarf und die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. In keinem Fall darf die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern der Entsorgung dienen!

Wir bekennen uns dazu, die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen. Wir wollen mehr Gewässerschutz durch verringerte Düngeintensität zu erreichen, ohne das Ertrags- und Qualitätsniveau maßgeblich zu beeinträchtigen. Wir wollen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das Notwendige begrenzen. Wir verzichten gerne auf nichtkurative Eingriffe, wie das Schnäbel- oder Schwänzekürzen.

Zu verantworten ist dieser Verzicht aber erst, wenn er nicht zu mehr Tierleid führt. Den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung haben wir beginnend mit dem freiwilligen Aufbau der QS-Datenbank deutlich reduziert. Naturschutz und Artenvielfalt sind Uranliegen der Bauern. Historisch gesehen hat sich die Artenvielfalt erst durch den Landbau eingestellt. Ziel der Landbewirtschaftung bleibt es aber, Nutzpflanzen mit einem optimalen Ertrag anzubauen. Flächenhafter Naturschutz ist nur möglich bei gleichzeitig hoher Effizienz auf dem Acker.

Wir mögen es nicht mehr wahrnehmen, aber Landwirtschaft ist existenziell. Wir erzeugen vielfältige Mittel zum Leben. Nahrungsmittel – in großer Vielfalt, Menge und verlässlich hoher Qualität.

Ebenso Energie – also Mobilität – ein Lebensmittel! Aber auch Landschaft – Nahrung für die Seele und Basis für Artenreichtum –, gesundes Wasser – es hat einen Grund, dass Wasserschutzgebiete unter landwirtschaftlichen Flächen liegen und nicht unter Großstädten! Und nicht zuletzt gesunde Luft – gerade der viel kritisierte Mais erzeugt Unmengen an Sauerstoff (ein Hektar reicht für 50 Menschen).

Als Lebensmittelerzeuger akzeptieren wir, dass wir unter besonderer Beobachtung stehen. Wir bitten aber darum, dass Kritik nicht in die gute alte Zeit, sondern in die Zukunft führt. Dann verspreche ich Ihnen, dass wir in 20 Jahren noch viel besser sein werden – zur Natur, zum Klima und für den Verbraucher. •

Werner Schwarz

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