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Die Spezialisten

LEBENSMITTEL-EINZELHANDEL Die Spezialisten

Rund 1400 Einzelhändler gibt es in Lübeck, 585 davon haben ihre Geschäfte auf der Altstadtinsel. Viele sind kleine, spezialisierte Fachgeschäfte im Bereich Lebensmittel. Bei ihren Kunden punkten sie mit dem besonderen Service — und dem ausgewählten Angebot.

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Christine Lugmair (li.) und Britta Rudartis bieten im Amaro ausgewählten Kaffee und erlesene Schokolade an.

Quelle: Fotos: Majka Gerke

Wer in Lübeck auf Shoppingtour gehen möchte, findet auf 577 000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche garantiert das passende Geschäft. Bei 1400 Läden mit Kleidung, Büchern, Geschirr, Schuhen oder Lebensmitteln sollte das nicht allzu schwer sein. Egal, ob auf der grünen Wiese oder in einer der Rippenstraßen der Innenstadt: Sie alle bieten, was das Käuferherz begehrt. Rund 1,5 Milliarden Euro setzte der Einzelhandel dabei laut den Zahlen der Wirtschaftsförderung, die seit 2001 den Einzelhandelsmonitor verfasst, im Jahr 2014 um. Damit lag man sogar um 40 Millionen Euro über dem Ergebnis von 2013.

Wie viele Geschäfte es in der Hansestadt allerdings ganz genau gibt, taucht in keiner Statistik auf. Denn im Einzelhandelsmonitor ist eben nur der Einzelhandel erfasst. Cafés, die Änderungsschneiderei an der Ecke, Friseure oder ähnliches sind dort nicht aufgeführt. „Es gibt einfach keine genauen Zahlen“, sagt Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Management. Sie versucht schon seit Jahren die Entscheider der Stadt dazu zu bringen, tätig zu werden und auf breiter Basis Daten zu sammeln. Und das nicht nur für die Innenstadt, sondern auch für die Außenbezirke. Doch bisher hatte sie damit keinen Erfolg. „Dabei wäre es für die Standortpolitik der Stadt so wichtig“, mahnt sie.

Bei der Wahl der Einkaufsstätte gehen die Geschmäcker der Kunden weit auseinander: Grüne Wiese gegen Einkaufsvergnügen in der Innenstadt. Neben den großen Ketten kann man in den Nebenstraßen so manches Geschäft entdecken, das mit einem besonderem Sortiment aufwartet und wo mit Herzblut gearbeitet wird. Wie bei Roswitha Denker im „Amaro“ in der Glockengießer Straße. Sobald man die Tür des nur 55 Quadratmeter großen Ladens öffnet, steigt einem sofort der süße Duft von Schokolade und der aromatische Geruch von frischgemahlenem Kaffee in die Nase.

Seit fast zwölf Jahren kann man hier Schokoladensorten aus aller Welt sowie Pralinen kaufen — über 150 verschiedene Produkte hat sie im Angebot. Dazu noch Brände, Weine, Fruchtaufstriche, Gebäck und kleine Geschenkartikel einkaufen. „Damals begann der Trend zu frischgemahlenem Kaffee und besonderer Schokolade“, erinnert sich Roswitha Denker. Ihr fehlte so ein Angebot in der Hansestadt. Zudem stand sie an einem Punkt in ihrem Leben, wo sich Veränderung anbahnte. „Schokolade ist ein Produkt, das liebt doch fast jeder“, meint die Industriekauffrau. Über 30 Jahre hatte sie in ihrem gelernten Beruf gearbeitet und dabei einiges von der Welt kennengelernt. Ihre Erfahrungen hat sie im eigenen Geschäft umgesetzt.

Ihr Sortiment könne es mit dem in jeder Großstadt aufnehmen, ist sie sich sicher. Dass sie allerdings nicht mehr die einzige in der Hansestadt ist, die besondere Schokolade verkauft, stört Denker nicht. „Ich geh nicht gucken, was die anderen Geschäfte anbieten.“ Auch über Umsätze mag sie nicht reden. „Reich wird man davon nicht“, stellt Denker klar. „Mit kleinen Dingen so viel zu verdienen, dass zweieinhalb Arbeitsplätze davon existieren können, das muss man erst einmal schaffen.“

Im Amaro gibt es Schokolade, die man nirgendwo sonst in der Stadt und Region bekommt. Und genau das lieben die Kunden. Denn die, die kommen, suchen das Besondere. „Der Wettbewerb ist gestiegen. Wir setzen aber auf unseren Service und gute Beratung und den hohen Qualitätsanspruch an unsere Produkte“, sagt Roswitha Denker.

Nicht alle möchten sich mit ihren Geschäften in der Innenstadt niederlassen. Max Theodor Pieper suchte sich als Standort den Kaufhof aus. Das Areal im Stadtteil St. Gertrud wurde gerade für 25 Millionen Euro umgebaut, 15 neue Gewerbeeinheiten entstanden hier.

In einer davon eröffnete Pieper sein Feinkostgeschäft „Adige“. Hier will man Urlaubsfeeling verbreiten. Für Pieper ist das Land jenseits der Alpen ein Traum. Das möchte er auch seinen Kunden vermitteln. Ob nun würziger Käse aus dem Piemont, frische Wurst aus Südtirol, Olivenöl aus der Toskana oder Weine von der Stiefelspitze — wer hier kein Fernweh bekommt, hat selbst schuld, findet Pieper. 110 verschiedene Weine und Spirituosen bietet er an, dazu kommt ein Sortiment von Pasta und dazu passende Pestos. Im angeschlossenen Bistro serviert er Panini, Antipasti und Espresso.

Verkauft wird keine Industrieware, sondern regional und mit den besten Zutaten hergestellte Produkte aus kleinen Familienbetrieben. Die meisten kennt Pieper persönlich. „Das kann kein Discounter leisten“, sagt er. Das Angebot aus den umliegenden Supermärkten kennt er, will er aber nicht kommentieren. Er weiß, dass die Qualität seiner Waren besonders ist. Um seine Kunden davon zu überzeugen, lässt er sie gerne alles probieren.

Mit dem Feinkostgeschäft erfüllte sich der Jurist einen Traum. Lange als Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen tätig, kam er im Urlaub in Tirol an einem Feinkostgeschäft vorbei, das ausgesuchte Lebensmittel verkaufte. „Ich dachte, so ein Konzept wäre auch was für Lübeck.“

Vor rund 13 Monaten bezog er das 75 Quadratmeter große Geschäft in der Schlutuper Straße. Aus ganz Lübeck kommen die Italienfreunde nun ins „Adige“. Bestes Mittel zur Verbreitung ist für Pieper ganz klar die Mund-Propaganda. Doch auch die Nachbarn von nebenan kommen und trinken bei ihm einen Kaffee. Trotzdem ist ihm bewusst, dass noch ein ganzes Stück Arbeit vor ihm liegt. „Erst mal klein anfangen. Wenn es sich bewährt, bin ich bereit zu expandieren“, sagt er.

Während auf der grünen Wiese der Ausbau des Einzelhandels massiv vorangeschritten ist — immerhin 71 000 Quadratmeter mehr Fläche innerhalb eines Jahres — ist die Innenstadt davon nicht betroffen. Im Gegenteil: Hier stieg der Leerstand weiter an. In der Innenstadt sind es momentan 17800 Quadratmeter Ladenfläche, die nicht genutzt werden. Ein Teil davon sind die Läden in der Königpassage. Dort hat auch Thomas Hornemann versucht, mit seinem „Genussdepot“Fuss zu fassen und ist gescheitert. Erst der Umzug in die Königstraße holte ihn aus der Krise.

Rund 50000 Euro investierte Hornemann vor rund drei Jahren in seine Geschäftsidee, einen Handel für hochwertige Essige und Öle aufzuziehen. Über 350 verschiedene Artikel hat er im Angebot. Reine Olivenöle aus Griechenland, Italien oder Spanien stehen neben Ölen mit den verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Zitrone oder Chili. Eine ähnliche Bandbreite bietet das Essigregal. Von Himbeeressig bis Feige-Dattel-Balsamico kann man sich hier alles abfüllen lassen. Doch auch Weine, Whisky oder exotische Senfsorten sind im Angebot.

Seit dem Start gab es viele Auf und Abs. Den ersten Versuch startete Hornemann in der Königpassage. Doch das Experiment ging beinahe schief, die Kundschaft blieb aus. „Ich habe mich gerade so über Wasser gehalten, die Umsätze stagnierten“, sagt er. Nach eineinhalb Jahren zog er die Notbremse und fand einen neuen Standort nur einige hundert Meter weiter in der Königstraße. Dort läuft der Laden mittlerweile gut. Reich werden wird er mit dem Geschäft aber nicht, weiß Hornemann. Trotzdem freut er sich über seinen Erfolg und bereut den Schritt zur Selbstständigkeit nicht. „Es ist schön, wenn man sieht, wie es ankommt“, sagt Hornemann.

Regelmäßig besucht er Feinkostmessen und informiert sich über Hersteller und Trends. Hornemann beobachtet auch genau, was die Konkurrenz in den Supermärkten an vergleichbaren Produkten anbietet. „Den Markt muss man schon im Blick haben.“ Was im Internet verkauft wird, verfolgt er ebenso sorgfältig. Einen eigenen Onlineshop hat er allerdings wieder aufgegeben. „Das lohnt sich nicht. Die Leute müssen selbst probieren können, dann kann man sie schneller überzeugen“, hat er festgestellt.

Einer, der schon viele Trends kommen und gehen sehen hat, ist Peter Giertz, Chef des Fischfeinkostgeschäfts H.P. Krützfeld in der Hüxstraße. Seit 22 Jahren steht er schon hinter dem Tresen des Fischladens. Gemeinsam mit seiner Frau übernahm er das Geschäft damals von seinen Schwiegereltern, die den Betrieb vor 60 Jahren aufbauten. Damals gab es noch reichlich Mitwettbewerber. Heute ist Krützfeld das letzte Fischgeschäft in der Innenstadt. Konkurrenz bieten höchstens die Wochenmarkthändler und die Fischabteilung eines großen Warenhauses. Seinen frischen Fisch bezieht Giertz von Importeuren aus Kiel und Hamburg. Nur wenig kommt aus der nahen Ostsee oder aus der Trave. „Das Angebot ist einfach zu schwankend“, sagt er.

Seit 1973 ist der Betrieb in dem schmucken Haus in der Hüxstraße heimisch. Während unten im Laden der Fisch verkauft wird, ist ein Stockwerk höher die Küche. Das große Angebot an Salaten, Marinaden und der selbsteingelegte Bismarckhering stammt aus eigener Fabrikation. „Nur so können wir überleben. Die Kunden stehen einfach drauf“, sagt Giertz über sein Angebot. Dazu kommen noch kleine Fischgerichte und belegte Brötchen, die nicht nur von den Einheimischen geliebt werden. Auch Touristen kommen gerne zu Krützfeld. Neumodische Kreationen oder Sushi sucht man hier allerdings vergebens. Peter Giertz hält sich lieber an Altbewährtes. „Was in ist, ist auch schnell wieder out.“

Er ist froh, dass das Geschäftshaus der Familie gehört und er keine Miete zahlen muss. „Mein Schwiegervater hat es damals aus der Zwangsversteigerung heraus gekauft und umgebaut", sagt Giertz.

Seitdem gab es einige Umbauten und Neuanschaffungen. Jetzt will Giertz aber nichts mehr investieren. „Die Auflagen, die man an uns stellt, machen uns das Leben so schon schwer“, sagt er seufzend.

Auch andere Faktoren bedeuteten empfindliche Einschnitte: die Einführung der Verkehrsberuhigung in der Innenstadt in den 1990ern oder auch die lange Sanierungsphase der Hüxstraße bescherten dem kleinen Unternehmen schwierige Zeiten. Doch Giertz und sein Team hielten durch. Acht Mitarbeiter beschäftigt er, fast alle sind schon lange Jahre dabei. Auf sein Team könne er sich verlassen, meint Giertz. Früher hat er auch noch selbst ausgebildet. Das mache er heute nicht mehr. Zwei Tage Berufsschule und dann noch einen Tag frei als Wochenendausgleich stehen dagegen. „Es lohnt sich einfach nicht.“   •

Von Majka Gerke

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