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Die Zukunft der Vogelfluglinie

FÄHRVERBINDUNGEN Die Zukunft der Vogelfluglinie

Die Feste Beltquerung und Umweltbestimmungen sind die größten Herausforderungen für die Fährverbindungen im Land.

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Die „Finnmaid“ der Finnlines im Hafen in Lübeck-Travemünde. Mit den Fährschiffen werden Passagiere sowie Güter befördert.

Quelle: Olaf Malzahn

Scandlines liegt mit der sogenannten Vogelfluglinie bei den Passagierzahlen im Land mit Abstand auf dem ersten Platz. Rund sechs Millionen Menschen nutzen den Fährbetrieb zwischen der Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland im Jahr 2016. Zum Vergleich: Der Seehafen Kiel beförderte etwa 1,6 Millionen Gäste auf seinen Routen nach Göteborg, Oslo und Klaipeda. Von Lübeck-Travemünde aus reisten rund 415000 Passagiere nach Trelleborg, Malmö, Helsinki oder Liepaja.

Doch laut einer Studie des dänischen Wirtschaftsberatungsunternehmens KPMG wird es „schwierig bis unmöglich“ sein, nach der Eröffnung der Festen Fehmarnbeltquerung die Fährverbindung zwischen Puttgarden und Rødby gewinnbringend aufrecht zu erhalten. Die Autoren gehen sogar soweit, dass sie eine Einstellung des gesamten Fährbetriebs für möglich halten. Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen gibt sich kämpferisch. „Wir fahren weiter, auch wenn der Tunnel eröffnet werden sollte. Wir haben konkurrenzfähige Angebote“, kommentierte er die Studie.

Im nationalen Passagierverkehr zu den Inseln der Westküste sind jedenfalls die Zukunftsaussichten besser. Die Wyker Dampfschiff- Reederei Föhr-Amrum GmbH (WDR) befördert mit ihrer Föhr- Amrum-Linie und der Hallig-Linie knapp 1,8 Millionen Passagiere, 320 000 Fahrzeuge und 40000 Ladungseinheiten pro Jahr. Das Volumen hat sich laut Frederik Erdmann, Beauftragter für Sicherheit, Umwelt und Qualität bei der WDR, in den vergangen Jahren stabil mit leicht steigender Tendenz entwickelt. „Die Zunahmen sind auf die gegenwärtige Bautätigkeit auf den Inseln und Halligen sowie auf die positive Entwicklung des Tourismus in der Region zurückzuführen“, erklärt Erdmann.

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg müssen Fußgänger und Radfahrer dagegen derzeit auf die Anbindung durch die Schwebefähre verzichten. Das historische Verkehrsmittel an der Rendsburger Hochbrücke war Anfang 2016 beim Zusammenstoß mit einem Frachter stark beschädigt worden. Bis zum Sommer fuhr die Ersatzfähre „Falckenstein“ die Strecke, allerdings mit mäßigem Erfolg. Nur um die 150 Passagiere nutzen den Shuttle durchschnittlich pro Tag, mit der Schwebefähre waren dagegen um 1700 Gäste täglich gefahren. Wegen der unwirtschaftlichen Nutzung wurde die Verbindung in diesem Sommer eingestellt und fährt nur noch an einzelnen Tagen. Ein Neubau der zerstörten Schwebefähre soll voraussichtlich 2019 wieder den Betrieb aufnehmen.

Auch für die Traditionsfähre in Siebeneichen auf dem Elbe-Lübeck-Kanal sollte Mitte 2016 Schluss sein. Doch die Verbindung zwischen Fitzen und Siebeneichen wurde gerettet, vor allem durch ehrenamtlichen Einsatz. Der Förderverein Siebeneichen überzeugte Politiker mit einem neuen Konzept und übernimmt auch Teile des Fährbetriebs. Landrat Christoph Mager, Gemeindevertreter und Mitglieder des Fördervereins unterzeichneten einen Vertrag für den Weiterbetrieb und Unterhalt der historischen Seil-Fähre. Die mit ihren 117 Jahren vom Land unter Denkmalschutz gestellte Kanalfähre soll jetzt während der Saison von April bis Oktober jedes Wochenende fahren.

Mit den Fährschiffen werden jedoch nicht nur Passagiere befördert, sondern auch Güter transportiert. Dabei gilt Lübeck als der größte Fährhafen Europas, insgesamt wurden dort 24 Millionen Tonnen Güter im Jahr 2016 umgeschlagen. „Geographisch hat die Hansestadt den Vorteil, der südlichste Hafen in der Ostsee zu sein“, erklärt Hafenbetriebsleiter Timo Siebahn von der Hans Lehmann KG, dem größten privaten Hafendienstleister in der Hansestadt. Skandinavien und die baltischen Staaten sind dabei besonders große Märkte für Lübeck. Vor allem aus Finnland und Schweden kommen viele Forstprodukte.

Zwar ist auch für den Hafenbetriebsleiter Timo Siebahn der Lehmann-Gruppe die Feste Fehmarnbeltquerung ein Thema. Denn die Landverbindung könnte auch auf den Lübecker Fährverkehr Auswirkungen haben.

Aber das plötzlich der gesamte Verkehr auf den Tunnel umsteigt, hält er für nicht sehr wahrscheinlich. Denn ein nicht unerheblicher Teil der Lastwagen auf den Fähren sei unbemannt. Wenn man diese Fahrzeuge alle mit einem Fahrer besetzen müsste, wären das auch Mehrkosten für die Firmen, erklärt Siebahn. „Zudem herrscht auf dem Markt ein Mangel an Lastwagenfahrern.“

Verluste befürchtet der Hafenbetriebsleiter eher durch die neuen Bestimmungen für umweltfreundlicheren Treibstoff. Denn seit 1. Januar 2015 gelten gemäß der Vorgaben der Internationalen Maritimen Organisation neue Richtlinien in den Emissionskontrollzonen SECA (Sulphur Emission Control Area), zu denen auch Ostsee und Nordsee gehören. Demnach dürfen die Schiffe in den SECA-Zonen nur noch Kraftstoffe mit einem Schwefelanteil von 0,1 Prozent verbrennen. Der umweltfreundliche Treibstoff ist jedoch teurer. „Es besteht daher die Gefahr, dass Kunden auf Landverbindungen umsteigen, die dadurch günstiger sind“, sagt Siebahn. Bisher habe der derzeit niedrige Preis für Kraftstoffe die neuen Bestimmungen ausgeglichen. Aber das könne sich auch schnell wieder ändern.

Der Fährbetrieb Scandlines geht in Sachen Umweltschutz noch einen Schritt weiter: Die Reederei hat die größten Fährschiffe weltweit, bei denen eine Hybrid-Technik eingesetzt wird. 2013 wurde das erste Schiff mit Hybrid-Antrieb für die Verbindung zwischen Puttgarden und Rødby eingeführt, 2014 wurden auch die anderen drei Fähren umgerüstet. Das erklärte Ziel des Unternehmens ist sogar, die Strecke komplett emissionsfrei zu fahren. „Unser aktueller Fokus ist deshalb die Senkung des Stromverbrauchs pro Überfahrt, damit wir in wenigen Jahren mit emissionsfreien Fähren auf der Vogelfluglinie werden fahren können“, sagt Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Bei diesem Vorhaben wird Scandlines unter anderem auch vom Naturschutzbund beraten. Auch auf der Strecke Rostock-Gedser fahren seit 2016 die beiden Hybridfähren „Berlin“ und „Copenhagen“. Auf jeden Fall scheint Scandlines trotz neuer Voraussetzungen in die Zukunft zu investieren.

Alessandra Röder

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