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Die neue, fitte Unternehmenskultur

BETRIEBLICHE GESUNDHEITSFÖRDERUNG Die neue, fitte Unternehmenskultur

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Möglichkeiten zur betrieblichen Gesundheitsförderung an. Viele Angebote gehen weit über das hinaus, was die Krankenkassen fördern.

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Fitnessstudio, Ernährungsberatung, Yogakurse, Rückenschule, Hautscreening, Massagen – Betriebliche Präventionsmaßnahmen sind vielfältig.

Quelle: Rzoog, Alexander Raths, Syda Productions, Picture-Factory, Wavebreakmediamicro, Contrastwerkstatt, Kzenon/ Fotolia

Einen großen Teil unserer Lebenszeit verbringen wir am Arbeitsplatz. Nicht immer unter den gesündesten Bedingungen: Die einen sitzen den ganzen Tag, andere wiederum stehen acht Stunden am Stück.

Keines von beiden mag der Rücken. Wieder andere machen immer und immer wieder dieselbe Handbewegung oder starren nonstop auf einen flimmernden Computerbildschirm. Kein Wunder, wenn die Augen brennen oder die Gelenke schmerzen. Und dann noch der tägliche Stress, der mal gefühlt oder auch nachweisbar zunimmt, die Termine, die eingehalten werden wollen, die To- Do-Listen, die wachsen, statt zu schrumpfen – und womöglich noch Kollegen, die einen eher nerven statt erheitern.

Da verwundert es nicht, wenn die Deutschen 2015 laut Erhebung der Techniker Krankenkasse im Durchschnitt 15,4 Tage krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlten – mit einem Krankenstand von 4,23 Prozent der höchste seit Beginn der Erhebung im Jahr 2002. Die meisten Fehltage entstehen laut TK wegen „Krankheiten des Bewegungsapparates“ – fast jeder zehnte Fehltag ging auf Rückenprobleme zurück. Rückenprobleme, die übrigens meistens immer wieder kehren und nicht mit einer Woche Ausruhen ausgestanden sind.

Stark angestiegen in den vergangenen 16 Jahren sind laut TK auch die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout. Auf aufgerechnet 225 Milliarden Euro belief sich der Wertschöpfungsausfall durch Krankheit im vergangenen Jahr, die Kosten für die Unternehmen lagen bei 129 Milliarden Euro – das sind enorme Summen, die die deutsche Wirtschaft belasten.

Um krankheitsbedingten Fehltagen vorzubeugen und somit auch die direkten und indirekten Kosten zu senken, bieten immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern verschiedene Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung an. Viele dieser Angebote werden unter bestimmten Voraussetzungen von den Krankenkassen gefördert – die auch um ihre eigenen Kosten zu senken, immer stärker auf Prävention setzen.

Und nicht nur die Krankenkassen unterstützen bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung: Arbeitgeber können pro Mitarbeiter und Jahr bis zu 500 Euro für qualitätsgeprüfte Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands“ sowie zur betrieblichen Gesundheitsförderung steuerfrei ausgeben. Dabei orientieren sich die Finanzämter an den Qualitätskriterien der Krankenkassen, dem sogenannten "Leitfaden Prävention", geregelt im §20 Abs. 1 SGB.

Die Handlungsfelder der „Primärprävention“ umfassen nach diesem Absatz unter anderem Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stressmanagement, Entspannung und den Suchtmittelkonsum. Welche Angebote von den Krankenkassen und steuerlich unterstützt werden, ist genau geregelt, ebenso die Anforderungen an die Programmanbieter. So muss beispielsweise die Wirksamkeit eines Konzeptes nachgewiesen sein und die Kurse regelmäßig und etwa 8 bis zwölf Mal stattfinden.

„Der Wandel des Krankheitsspektrums zu den chronisch-degenerativen Erkrankungen, der demografische Alterungsprozess und die sich verändernden Anforderungen in der Arbeitswelt machen eine Intensivierung vorbeugender, auf die Minderung gesundheitlicher Belastungen und Stärkung gesundheitlicher Potenziale erforderlich“, begründet der GKV das Engagement der Krankenkassen in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Das Ziel der Gesundheitsförderung sei es, psychische und körperliche Belastungen am Arbeitsplatz gering zu halten und die Gesundheit und Resilienz der Mitarbeiter zu stärken. „Das betriebliche Umfeld steht im engen Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit und Arbeitsmotivation“, so der GKV.

Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern mittlerweile sogar mehr Gesundheitsangebote an als von den Krankenkassen gefördert werden – so sind Massagen am Arbeitsplatz mittlerweile immer weiter verbreitet, genauso wie die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen in Fitnessstudios, obwohl eben jene Dinge nicht im Förderkatalog der Krankenkassen nach §20 Abs. 1 SGB enthalten sind.

So gibt es beim Lübecker Unternehmen Euroimmun beispielsweise Hydrojet-Massageliegen für die Mitarbeiter und einen Physioservice durch Physiotherapeuten. Auch eine Rückenschule und weitere verschiedene Betriebssportgruppen bietet Euroimmun an, ebenso die jährliche Grippeschutzimpfung. Darüber hinaus können die Mitarbeiter an einem Hautscreening teilnehmen oder sich auf Veranstaltungen zu Themen der gesunden Lebensweise informieren. Auf gesunde Ernährung wird laut Unternehmen im Betriebsrestaurant besonderen Wert gelegt.

„Bei allem, was wir tun, steht der Mensch im Fokus. Einerseits dienen unsere Produkte der Gesundheit der Menschen und andererseits haben wir als Arbeitgeber stets die Zufriedenheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter im Blick“, sagt Katja Wehrberger, Referentin für Personalmarketing und Rekruitierung bei Euroimmun. Gut ausgebildete, motivierte und gesunde Kollegen seien eine tragende Säule für den Erfolg des Unternehmens.

Überregional bekannt wurde auch das Beispiel des Lübecker Marzipanherstellers Niederegger, der regelmäßige Gymnastik für die Fließband-Mitarbeiter anbietet: Jeden Morgen um 10 Uhr werden die Produktionsbänder gestoppt und eine Gymnastikeinlage lockert Bänder und Gelenke und soll Rückenproblemen vorbeugen. „Fit in die 2. Halbzeit“ nennt sich das Niederegger-Gesundheitsprogramm, zu dem auch Informationen über Stressabbau und gesunde Ernährung und Schnupperstunden in Yoga oder Progressiver Muskelentspannung ausprobieren konnten. Seit 2008 ist das Unternehmen zudem offiziell rauchfrei und hat Raucherpausen gestrichen und Entwöhnungskurse für die Mitarbeiter bezahlt. Allein die gestrichenen Raucherpausen sparen zweieinhalb Arbeitskräfte pro Monat, rechnet das Unternehmen vor.

In den meisten großen Betrieben und Konzernen sind Gesundheitsprogramme inzwischen Standard, immer mehr Unternehmen setzen wie beispielsweise SAP auch darüber hinaus auf eine ergonomische Büroausstattung oder eine psychologische Betreuung.

Nicht nur in der freien Wirtschaft optimieren immer mehr Firmen das Arbeitsumfeld für ihre Mitarbeiter, auch die Universität Lübeck hat die Gesundheit der Mitarbeiter und Studenten in den Mittelpunkt gestellt und will sich zur „Gesunden Hochschule“ entwickeln. Dafür setzt die Uni auf Angebote für die Mitarbeiter wie betriebsärztlicher Dienst, psychosoziale Beratung, Ernährungsberatung, Suchtberatung oder Hochschulsport. Ein Pilotprojekt soll nun in ein für alle Mitarbeiter zur Verfügung stehendes Gesundheitsmanagement überführt werden. Die Universität versteht laut Arbeitsgruppe „Gesunde Hochschule“ das Gesundheitsmanagement „über alle Mitgliedergruppen hinweg als eine Querschnittsaufgabe“. Das Ziel: Optimale Rahmenbedingungen für einen selbstverantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit zu schaffen.

Eine Arbeitsgruppe „Gesunde Hochschule“ trifft sich hierfür regelmäßig. Das Thema Gesundheit solle in Zukunft noch stärker in die Strukturen der Hochschule eingebunden werden. Ein Projekt Studierendengesundheit rückt zusätzlich die Gesundheit der Studenten in den Fokus. Ganz im Sinne des Leitbildes der Uni: „Im Fokus das Leben. •

Nathalie Klüver

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