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Die richtige Zeit für Investitionen?

INVESTITIONEN Die richtige Zeit für Investitionen?

Während Indizes wie der Dax sich in den vergangenen Jahren fast nur aufwärts bewegten, fielen die Preise auf vielen Rohstoffmärkten. Jetzt zeichnet sich nicht nur beim Öl eine Kehrtwende ab. Ist es Zeit, zu investieren?

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Die Preise für Rohstoffe steigen. Aber wie lange hält der Trend an?

Quelle: MSA - Fotolia

Selten waren sich Finanzexperten so einig – nämlich darin, sich uneinig zu sein. Streitpunkt sind diesmal Rohstoffe: Metalle, Öl, Erz. Ein Markt, der fast sieben Jahre förmlich am Boden lag.

Die Hoffnungsvollen scharren mit den Hufen, denn fast alle Rohstoffmärkte haben seit Beginn des Jahres teils kräftig zugelegt. Steigende Preise beflügelten kurz nach Pfingsten erneut den Sektor und zogen nahezu den gesamten Aktiengesamtmarkt mit nach oben. Auslöser waren die wieder steigenden Ölpreise – die in diesem Zeitraum den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres erreicht hatten. Endlich sei der Rohstoffmarkt als Rekonvaleszent wieder kaufbar – so die einen. Doch die Skeptiker mahnen: Die Entwicklung sei als kurzzeitig und vorübergehend zu bewerten. Der Ölpreis sei als richtungsweisender Rohstoff über viele Jahre nicht mehr über 60 Euro zu sehen.

Und sie haben für diese Behauptung gute Argumente. Sie argumentieren, der Ölpreis habe vor vier, fünf Jahren wegen Chinas Wachstum und dem der BRIC-Staaten viel zu hoch gelegen. Sie verweisen darauf, dass für das Rekordhoch des Ölpreises von 2008 mit fast 150 Dollar pro Barrel neben dem Wachstum einiger Schwellenländer und aufstrebender Volkswirtschaftenden der extrem schwache US-Dollar die Ursache war. Für einen Euro mussten Amerikaner damals fast 1,60 bezahlen.

Das heutige Niveau sei dagegen das reelle, das historisch richtige. Eine so hohe Nachfrage werde, sagen die Skeptiker, nie wieder erreicht werden. Zu attraktiv seien auch alternative Fördermethoden, die jedes Nachfrageplus wieder in einer Ölflut ersaufen lassen würden.

Seit Januar steigt nun der Ölpreis wieder. Für die jüngste Verteuerung Mitte Mai wird der Produktionsrückgang in Kanada und Nigeria verantwortlich gemacht. Lieferengpässe haben den Preis zudem hochgetrieben.

Doch wie lange hält dieser Trend an? Öl gibt es schließlich reichlich, Panikmeldungen über eine Knappheit werden im Nu korrigiert.

Und schließlich hat der Ölmarkt mit dem Iran einen neuen Big Player gewonnen. Der Iran – bekanntlich Erzfeind der Saudis, die ebenfalls ein extrem starker Öl-Exporteur sind – wird künftig kräftig pumpen, um dem ungeliebten Konkurrenten die Preise zu diktieren. Ein Ölkrieg ist also programmiert.

Das sieht jedenfalls Klaus-Jürgern Gern, Rohstoffexperte und Experte für internationale Konjunktur so: „Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass ölproduzierende Länder bereit sind, oder sich gezwungen sehen, die Produktion zu drosseln. Und der Iran ist ohnehin nicht bereit, sich auf eine Förderbeschränkung einzulassen.“ Also ist auch ein eher niedriges Preisniveau programmiert.

Und was ist mit den übrigen Rohstoffmärkten? Anfang des Jahres kündigten einige größere Fördergesellschaften an, Investitionen in den Ausbau der Unternehmen massiv zusammenzukürzen. So etwa das britisch-südafrikanische Bergbauunternehmen Anglo American – das fünftgrößte Unternehmen dieser Kategorie weltweit – das bekannt gab, in den kommenden Jahren 85000 von 135 000 Stellen streichen zu müssen. Zu groß sei das Überangebot, zu niedrig die Preise. Zuvor wurde auf Hochtouren produziert, um zurückgehenden Einnahmen durch mehr verkauftes Volumen auszugleichen. Doch seit dem Jahreswechsel hat sich die Lage beruhigt, überall haben die Preise leicht angezogen. Außer beim Gold: Hier war der Anstieg deutlicher – und hat damit ein Niveau erreicht, das im Zehn-Jahres-Chart nicht überkauft erscheint.

Wer vor diesem Hintergrund überzeugt ist zu investieren, sich aber noch fragt, wie – für den hat der BVI, der deutsche Fondsverband vielleicht die richtige Antwort: Rohstoff-Fonds. Sinnvoller als der Kauf der Rohstoffe selbst ist demnach für Privatanleger der Erwerb von Aktien der Öl-, Gas- und Goldproduzenten oder entsprechender Investmentfonds.

Letztere empfehlen sich hingegen besonders für jene, die sich mit den Rohstoffmärkten nicht allzu gut auskennen, und deshalb lieber Fondsmanager das Geld der Sparer in ein breites Sortiment verschiedener Rohstoffproduzenten investieren lassen wollen. Darauf zumindest weist die Aktion „Finanzwissen für alle“ des BVI, der die Interessen von Fondsgesellschaften und Portfolioverwaltern in Deutschland gegenüber Politik und Regulatoren auf nationaler und internationaler Ebene wahrt, hin. Rund 2 Billionen Euro verwalten Fondsgesellschaften direkt und indirekt für rund 50 Millionen Menschen in Deutschland.

Wem das nicht genügt, der kann sein Geld auch mit gehebelten Optionsscheinen oder Mini-Futures auf Metalle und andere Rohstoffe verzocken. Da ist das Angebot ebenso vielfältig wie die gehandelten Güter. Langfristig orientierte Anleger wählen hingegen Index-Zertifikate oder Exchange Traded Funds (ETCs), die jedoch bei steigenden Preisen so genannte Rollverluste mit sich bringen - umgekehrt aber auch Rollgewinne bei fallenden Preisen. Details, die berücksichtigt werden sollten – weswegen diese Produkte auch eher etwas für echte Profis sind.

Was darüber hinaus jedem, der mit Rohstoffen liebäugelt, klar sein sollte, ist, dass es dabei noch wichtiger ist, zwischen temporären und langfristigen Trends zu unterscheiden, als bei anderen Assett-Klassen. Weltkonjunktur, Krisen, selbst das Wetter sind Risikofaktoren.

Robert Halver von der Baader Bank empfiehlt zwar generell ebenso wie der BVI – eher in Aktien zu investieren. Aber er warnt auch nicht vor Anlagen in Gold: „Für Gold spricht nicht zuletzt das Knappheits-Argument. Während die mit Zentralbankgeld finanzierten Staatsschulden ein Weltmeer füllen könnten, passt Gold in einen Putzeimer.“

Außerdem kann man Gold in Form von Unzen prima über die Finger rollen lassen. Ohne Rollverluste. 

 Fabian Joeres

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