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„Digitalisierung macht unser Leben leichter“

DAS INTERVIEW ZUM SCHWERPUNKTTHEMA „Digitalisierung macht unser Leben leichter“

Digitales Marketing ist für Unternehmen enorm wichtig, erklärt Lars Müller, erster Vorsitzender des Vereins Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH). Digitalisierung biete große Chancen und könne das Leben aller Menschen verbessern, sagt er. Doch gerade kleinere Unternehmen sollten sich im Zweifel Hilfe suchen – und sie sollten die Sicherheitsaspekte nicht außer acht lassen.

Wie ist die Digitale Wirtschaft in Schleswig-Holstein aufgestellt?

 

LN-Bild

Lars Müller (37) ist Geschäftsführer der Agentur Wigital in Kiel mit 26 Mitarbeitern. Zugleich ist er erster Vorsitzender des Vereins Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH), dem 180 Mitglieder aus Wirtschaft und Hochschulen im Land angehören und der an die WTSH angedockt ist.

Quelle: WIGITAL

Besser, als sie es manchmal von sich selber denkt, aber gleichzeitig auch noch nicht gut genug. Es gibt sehr innovative und erfolgreiche Unternehme und echte Hidden Champions. Außerdem herrschen ein recht hoher Vernetzungsgrad und eine gute Kooperationsbereitschaft in der Branche. Jedoch tritt sie an einigen Stellen möglicherweise nicht selbstbewusst genug auf. Die Vermarktung des Standorts und der Akteure kann definitiv ausgebaut werden. Außerdem wünscht man sich von Zeit zu Zeit einen Blick über den Tellerrand und mehr Mut in Richtung Internationalisierung. Die digitale Wirtschaft ist ein Wachstumsmotor. Er könnte aber noch deutlich mehr Drehmoment entwickeln.

Was sind die großen Chancen der Digitalisierung für uns?

Die Chancen sind so mannigfaltig, dass man sie gar nicht alle in einem Rutsch benennen kann. Denn sie berühren ja nicht nur wirtschaftliche, sondern auch viele andere gesellschaftliche Bereiche.

Natürlich geht es oft darum, produktiver zu werden. Die Digitalisierung bietet enorme Möglichkeiten, um unsere Arbeitswelt positiv zu verändern, sie flexibler zu machen. Und sie beeinflusst die Geschäftsmodelle von Firmen. Wertschöpfungsketten werden durcheinandergewirbelt, in atemberaubender Geschwindigkeit. Diese Transformation erlaubt es innovativen Betrieben, in entstehende Nischen und Marktlücken zu stoßen und schnell zu wachsen. Das schafft Arbeitsplätze.

Was lässt sich verbessern?

Bildung, Gesundheitswesen, Energieversorgung, öffentliche Verwaltung, Politik, Bürgerbeteiligung und ganz besonders die Mobilität lassen sich durch digitale Technologien verbessern. In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein eröffnet das große Chancen. Wir sind sehr stolz auf unsere Lebensqualität, sollten uns darauf aber nicht ausruhen. Digitalisierung kann das Leben der Menschen angenehmer gestalten. Nicht zuletzt müssen wir uns fragen, ob es neben den Chancen auch um das Risiko geht, das wir eingehen, wenn wir uns dem Fortschritt verweigern. Oder wenn wir ihn nicht schnell genug implementieren.

Was sind die größten Hürden für kleinere Unternehmen? Die unzureichende Breitbandversorgung auf dem Land?

Ja, das ist ein Problem. Unternehmen brauchen passende Infrastrukturen. Dazu gehört im Informationszeitalter selbstverständlich eine zukunftsfähige Breitbandanbindung. Aber es gibt weitere Herausforderungen. Neben Bürokratie und ausufernden gesetzlichen Auflagen bremst kleinere Unternehmen oft das spärlich vorhandene Kapital. Es über Banken und Fördermittel zu beschaffen, kann mühsam sein, private Investoren konzentrieren sich oft auf Metropolregionen. Wenn dann noch Stellen wegen des Fachkräftmangels nicht zu besetzen sind, steckt ein Unternehmen schnell in der Sackgasse.

Wo finden Firmen denn geeigneten Nachwuchs in Zeiten des Fachkräftemangels?

Wenn ich darauf eine wirklich gute Antwort hätte, würde ich Sie Ihnen nicht verraten (lacht). Denn richtig, der Fachkräftmangel ist ein massives Problem, und er lässt sich offensichtlich nicht so leicht auflösen. Zumal ich den Eindruck habe, dass es dazu keine ernstzunehmenden politischen Bestrebungen gibt. Wenn wir im globalen Wettbewerb und beim Ringen um Talente in digitalen Berufen nicht abgehängt werden wollen, müssen wir unbedingt stärker in Bildung investieren. Firmen ist derzeit nur zu empfehlen, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Dabei spielt die Vergütung gar nicht immer die Hauptrolle. Vielmehr geht es darum zu zeigen, welche zusätzlichen Angebote man Arbeitnehmern macht. Ob das ein Gutschein fürs Fitnessstudio ist, Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -orten oder sogar ein Feel Good Management, das für Wohlbefinden im Job sorgen soll. Konzepte kursieren viele. Es lohnt sich, sich damit zu befassen.

Wie wichtig ist digitales

Marketing für Unternehmen?

Enorm wichtig. Ohne den Einsatz zeitgemäßer Kommunikationsmittel, werden Unternehmen es immer schwerer haben, ihre Zielgruppen zu erreichen. Online-Marketing ist Pflichtprogramm und oftmals das Einfahrtstor in Richtung Digitaler Transformation. Wenn man nicht die richtigen Marketinginstrumente verwendet, bleibt man man schnell außen vor. Das sind heute nun mal Websites, Suchmaschinen, E-Mails, Videos, soziale Netzwerke, Apps und so weiter. Sie sind durch mobile Endgeräte omnipräsent und lassen sich häufig mit sehr kleinen Budgets schon äußerst wirkungsvoll einsetzen. Die Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH) sieht sich bei diesem Thema in der Pflicht zur Aufklärung. Daher veranstalten wir auch dieses Jahr im September den Tag des Online-Marketing Schleswig-Holstein.

Wie kann man kleineren

Firmen ohne zusätzliches

Personal dabei helfen?

Es geht oft darum, den Unternehmen zu erklären, was möglich ist und wie man es sozusagen mit „Bordmitteln“ nutzen kann. Darüber hinaus gibt es einen großen Schulungs- und Weiterbildungsbedarf. Viele Online-Marketing-Aktivitäten erfordern kein monströses Fachwissen, es braucht aber eben doch mehr als Erfahrungswerte im privaten Umgang mit einem Smartphone-Messenger.

Das herausfordernde ist, dass hier gestalterische, redaktionelle und technische Fähigkeiten vermittelt und verzahnt werden müssen. Ich wünsche mir mehr Angebote, die sich an kleine mittelständische Unternehmen richten und deren Mitarbeiter auf diesem Gebiet befähigen. Wenn es um eine stärkere Professionalisierung geht, die nicht zwingend Großunternehmen alleine vorbehalten sein sollte, dann braucht man einfach leistungsfähige Agenturpartner. Und wir haben wirklich gute Anbieter im Land, die ein ansehnliches Know-how aufgebaut haben. Meine Sorge ist, dass diese Agenturen immer mehr Schwierigkeiten bekommen, weil man ihre Leistungen nicht ausreichend honoriert. Dazu kommt die grauenhafte Praxis bei Ausschreibungen und sogenannten Pitches. Auftraggeber erwarten hier oftmals enorme konzeptionelle Vorleistungen, häufig sogar vollständige Design-Entwürfe, nur um sich für eine Agentur zu entscheiden. Die anderen gehen dann leer aus. Solche Methoden bremsen die Entwicklung in der Kreativszene und schaffen unnötige Barrieren. Leidtragende sind kleine Betriebe auf beiden Seiten.

Was sind die Gefahren, die

Firmen unterschätzen?

Ganz klar Sicherheitsaspekte. Man muss kein Kenner sein, um zu wissen, wie sorglos der Umgang mit Informationstechnologie teilweise ist. Unsere DiWiSH-Fachgruppe veranschaulicht regelmäßig, was es alles zu bedenken gibt und mit welchen Methoden Firmen angegriffen werden. Auch hier plädiere ich für mehr Weitblick und Bereitschaft, sich kompetenten Dienstleistern anzuvertrauen. Ohne Spezialisten ist man aufgeschmissen. Auch rechtliche Aspekte werden unterschätzt. Und auch hier empfehle ich das Wahrnehmen von Beratungsangeboten. Besonders im E-Commerce wird man mit etlichen Stolperfallen konfrontiert. Um zu vermeiden, dass man in diese hineintappt, hilft manchmal schon der Austausch mit Gleichgesinnten bei Fachgruppentreffen oder auf Konferenzen und Kongressen. Außerdem unterschätzen Firmen Geschwindigkeit und Tragweite einer Digitalen Transformation. Lethargie und eine abwartende Haltung führen leider voraussichtlich dazu, dass man vom Markt verschwindet.

Was macht der digitale Wandel mit Einzelhändlern? Was sollten sie tun?

Der Einzelhandel hat sich vielleicht etwas zu lange in eine Opferrolle begeben und den E-Commerce als „Teufelszeug“ verdammt. Daran sind große Internetkonzerne schuld, aber auch viele rechtliche Hürden und nicht zuletzt die eigene Scheu, sich mit diesen neuen Phänomenen zu befassen. Zugegeben, das ist im Alltagsgeschäft schwierig, und in manchen Segmenten hat es einen ruinösen Verdrängungswettbewerb gegeben, gegen den auch keine guten Ideen helfen konnten. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass man in Nischen und mit Trendthemen beim Verbraucher punkten kann.

Die Menschen schätzen außerdem den persönlichen Kontakt, sympathische Atomsphäre und gute Beratung. Ein stationäres Einkaufserlebnis zu schaffen, kann ein Rezept sein. Ich halte es aber für entscheidend, dass Einzelhändler sich dazu durchringen, ihre Kompetenzen über Online-Kanäle zu verlängern. Eine Kombination aus Regionalität und Digitalität wird von den Konsumenten erwartet. Also sollte man das bieten. Interview: C. Risch

LN

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