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Du bist, was Du isst

TRENDS Du bist, was Du isst

Früher gab es sonntags Braten und abends Wurst aufs Brot. Wer richtig vornehm speisen wollte, ging französisch essen und versuchte sich an Weinbergschnecken. Doch die Zeiten haben sich geändert.

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Wer heute etwas auf sich hält, der is(s)t paleo, vegan, glutenfrei, laktosefrei. Oder er bekennt sich zu Rohkost, Chiasamen, Goji, Acerola — zumindest steht er auf etwas Kokos und Curry. Genauso schick ist aber mittlerweile auch die Rückbesinnung auf die gute alte Hausmannkost, nur modern verfeinert und etwas peppiger als „Landhausküche“ angepriesen. Das Essverhalten hat sich verändert — und die Ansprüche der Verbraucher auch. Die Ernährungsindustrie stellt das vor neue Herausforderungen.

Schon länger heißen die großen Trends in der Ernährung Gesundheit, Nachhaltigkeit und Regionalität. Das Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf steige, die Qualität sei zunehmend wichtiger als der Preis, hat der Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie in seiner Verbraucherstudie von 2015 festgestellt. Das gesamte Essverhalten unterliege einem grundlegenden Wandel, so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Christoph Minhoff. Der Verbraucher lebe in einem unstrukturiertem Alltag mit hohem Grad an Mobilität. Fast die Hälfte der jungen Generation empfinde einen gestiegenen Zeitstress. „Folglich bedeutet Vielfalt und Vielseitigkeit in der Ernährung auch das Loslösen von traditionellen Ernährungsnormen“, so Minhoff. Das klassische Mittagessen werde immer seltener zuhause eingenommen.

Die klassische Dreiteilung in Frühstück, Mittag und Abendbrot sei für viele nicht mehr zeitgemäß, sagt auch eine Trendstudie aus dem vergangenen Jahr von Edelman Deutschland: Schon jetzt snacken Europäer demnach drei- bis viermal täglich und verzehren dabei fünf bis sechs Produkte. Immer häufiger sind das Snacks aus den so genannten, gerade superangesagten „Superfoods“ wie Grünkohlchips oder getrocknete Goji-Beeren. Fast- Food ist nach wie vor im Trend — aber der moderne, zahlungskräftige Konsument von heute kauft sich seinen Burger am Food- Truck und nicht bei McDonalds und Co.

Natürlich mit Biohackfleisch, wenn nicht Fleischersatzfrikadelle. McDonalds hat reagiert und wirbt mit „reinen Bio- Burgern“ — der Umsatz des Branchenriesen geht dennoch seit Jahren zurück.

Teil des bewussten Konsums ist auch der Trend zur vegetarischen oder veganen Ernährung, so der Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie: 2014 wurden Fleischersatzprodukte und pflanzliche Brotaufstriche im Wert von 213 Millionen Euro verkauft.

Einer der Trends sind Lebensmittel, die nicht nur satt machen, sondern mehr bewirken: Schon heute sind die Regale voller funktionaler Lebensmittel. Die Margarine, die den Cholesterinspiegel senken soll oder der Joghurt, der das Immunsystem stärken soll. Dieser Trend soll weitergehen.

Gleichzeitig könnte es eine Auswahl an personalisierten Lebensmitteln geben, die individuell auf den persönlichen Bedarf abgestimmt und die persönliche Leistung steigern sollen, so die Nestlé-Studie — Lebensmittel wie Snacks, Powerriegel oder Fertiggerichte — die jedoch nichts mehr mit den Ravioli aus der Dose gemeinsam haben, sondern auch dem Trend folgen und immer häufiger ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker sein werden.

Die Ernährungstrends werden auch immer vielfältiger. Längst gibt es nicht nur den einen großen Trend. Das wird in Zukunft weiter zunehmen, so eine Zukunftsstudie des Nestlé-Konzerns namens „Wie is(st) Deutschland 2030?“ Auch in dieser Studie sind die deutlichen Trends „gesund, werteorientiert und Ressourcen schonend“ zu sehen. „Essen wird zur Weltanschauung“ — diese schon heute zu beobachtende Entwicklung, wird sich weiter fortsetzen, so die Studie. Die Identifizierung mit den eigenen Essvorlieben werde zum Ausdruck des persönlichen Lebensstils. Schon jetzt ist bei einigen Anhängern der Ernährungsstile fast schon missionarischer Eifer zu beobachten — der sich nicht zuletzt in Tausenden aufgestylten Instagram-Bildern der vergangenen Mahlzeit äußert. „Du bist, was Du isst“ — das wird auch in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Aussage werden.

Doch „Du bist, was Du isst“, bedeutet auch, dass gesundes Essen immer mehr ein Ausdruck von Wohlstand wird. War früher Schlemmerei und Überfluss ein Ausdruck von Geld, so ist es heute die gesunde, biologisch angebaute Ernährung. Auch wenn Bio boomt und exotische Zutaten mittlerweile auch in den Discounterregalen zu haben sind, lassen sich soziale Positionierung und die Ernährung einander zuordnen, so auch die Soziologin Uta Meier- Gräwe, die an der Universität Gießen lehrt und forscht. Während die Wohlhabenden Essen geradezu als Selbstinszenierung betrachten, spiele Gesundheit in der Küche in weniger privilegierten Schichten kaum eine Rolle.

„Die Food-Trends 2015 spiegeln letztlich auch die gesamtgesellschaftliche Tendenz hin zu Individualisierung, höherem Konsumbewusstsein und auch verantwortungsvoller Produktion von Lebensmitteln wider“, fasst die Kommunikationsagentur Edelman ihre Trendstudie zusammen. Für die Lebensmittelwirtschaft ergebe sich daraus neues Potenzial, den Bedürfnissen eines vernetzten und verstärkt mobilen Lebensstils mit neuen, innovativen Produkten zu entsprechen.   •

MODERNE ERNÄHRUNGSSTILE

Von Frutariern bis zu Vegetariern

Frutarier

Frutarier essen wie die Veganer ausschließlich pflanzliche Produkte, achten aber darauf, dass die Pflanzen nicht beschädigt wurden. Deshalb ernähren sie sich nur von allem, was pflückbar ist wie Obst oder Nüsse.

Paleo

Die Steinzeitkost ist bereits seit einigen Jahren sehr angesagt. Erlaubt ist demnach, was in der Steinzeit (also vor etwa 10 000 Jahren) in der Höhle auf dem Speiseplan stand: Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse, Früchte, Samen, Gemüse und Kräuter — unverarbeitet und auch nicht industriell optimiert. Kartoffeln gab es damals noch nicht und Getreide bauten die Jäger und Sammler ebenfalls nicht an.

Omnivor

Eigentlich ist der Mensch biologisch als omnivor angelegt: Das heißt, er ist ein „Allesfresser“.

Rohköstler

Wer sich von Rohkost ernährt, isst nur Lebensmittel die mit höchstens 42 Grad erhitzt (beispielsweise im Wasserbad) worden sind. Es müssen also nicht nur Salate und rohe Gemüsesorten sein, auch wenn der Großteil der Nahrung daraus besteht.

Superfood-Anhänger

Manche schreiben den „Superfoods“ — exotische Beeren oder Samen — überdurchschnittlich hohe gesundheitliche Potenziale zu. Im Trend sind beispielsweise Goji- Beeren oder Chiasamen, die Ernährungsindustrie bringt stetig neue Trends auf den Markt. Wissenschaftler betonen jedoch, dass die exotischen Superfoods den einheimischen, schon länger bekannten Superfoods wie Beeren oder Brokkoli nicht überlegen sind.

Veganer

Veganer verzichten ganz auf tierische Produkte, also auch auf Milchprodukte, Eier und Honig, sogar auf Leder.

Vegetarier

Vegetarier verzichten auf Fleisch. Man unterscheidet Ovo- Lakto- Vegetarier, die Milch und Eier essen, aber kein Fisch und Fleisch, und Lakto-Vegetarier, die Milchprodukte zu sich nehmen, jedoch keine Eier. Nicht wirklich zu den Vegetariern zählen die Pescetarier, die kein Fleisch essen, aber Fisch. Und wer zwar manchmal Fleisch und Fisch isst, aber Wert auf gesundes Essen weitgehend fleischfreie Ernährung achtet, darf sich — etwas scherzhaft — „Flexitarier“ nennen.

Von Nathalie Klüver

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