Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Eine Investition mit Ausblick auf Mehrwert

FERIENIMMOBILIEN Eine Investition mit Ausblick auf Mehrwert

Viele Privatleute wollen nicht weiter auf einen Anstieg des Zinsniveaus in Deutschland und Europa warten. Sie investieren in Ferienimmobilien.

Voriger Artikel
Wie Chefs mit Pferden lernen

Ferienhaus in den Ostseedünen. Dort die Freizeit zu verbingen, ist schön. Damit Geld zu verdienen auch.

Quelle: Nordreisender / Fotolia

Ferien in deutschen Landen boomen. Und das nicht erst, seit immer neue Reisewarnungen einem die Lust an Fernreisen vermiesen. Also Koffer gepackt und ab geht es an die deutsche Küste, an die Seen und auf die Berge. Und da der Deutsche ein Gewohnheitstier ist, geht es jedes Jahr oft an dasselbe Ziel. Liegt es da nicht auf der Hand, das Ferienhaus nicht nur zu mieten, sondern gleich zu kaufen? Das liegt besonders dank Niedrigzins und günstigen Krediten nahe. Und so steigen seit einigen Jahren die Preise für Ferienimmobilien in einem Tempo, wie es die Entwicklung privat genutzter Wohnungen und Häuser vorgemacht hat.

„Die Vermietung unserer Ferienwohnung soll wenigstens die Zweitwohnsitzsteuer wieder reinbringen.“

Lutz Bergmann

Key-Account-Manager

Zuletzt zogen auch die Preise für Immobilien in B-Lagen massiv an. Trotz einer massiven Entwicklung der Preise bleibt der Hype vom eigenen Ferienhaus ungebrochen; den Gedanken, ihr Erspartes in Betongold zu investieren, haben viele. Ein Investment mit Mehrwert, findet ein Hamburger Spediteur, der unerkannt bleiben möchte. „Im Moment liegt das Geld nur ungenutzt bei der Bank herum und kostet auch noch Geld“, sagt Bernd Küser (Name geändert) , der sich vor einem Jahr ein Haus an der Ostsee, östlich von Kiel, gekauft hat. „Wir haben Glück gehabt im Leben und uns 2016 entschieden, das Geld zu investieren“, sagt der kinderlose Karrieremensch: „Außerdem – was soll ich dabei zusehen, wie das Geld auf dem Konto zwar mehr wird, aber immer weniger wert ist?“

So wie Küser treibt es auch kinderreiche Familien an die Küsten und Seen der Bundesrepublik. Etwa Lutz Bergmann, Key-Account-Manager, ebenfalls aus Hamburg, der sich Mitte dieses Jahres mit seiner Frau für den Kauf eines kleinen Häuschens mit viel Grund etwas im Landesinneren, genauer auf Wagrien, zwischen Oldenburg und Plön entschied. „Aus der Not heraus“, so Bergmann, „wäre etwas übertrieben formuliert, schließlich ist ein Ferienhaus – egal in welcher Lage – ein kleiner Luxus.“ Aber da Bergmann an seinen Arbeitsplatz in der Stadt gebunden ist, sich zudem nach eigenen Angaben kein Haus in der Nähe leisten kann, hat die junge Familie ein neues Lebenskonzept für sich entdeckt: Die Woche verleben Bergmann, seine Frau und die zwei Kinder in der kleinen Wohnung in Hamburg-Winterhude – und die Wochenenden und Ferien im vergleichsweise kostengünstigen Haus nahe der Ostsee. „So bekommen die Kinder doch noch ihren Garten, werden später aber die Vorzüge der Stadt nicht missen müssen.“ Außerdem – so die Absicht der jungen Familie – möchten sie das Haus nach der Renovierung zur Vermietung anbieten. Sie erhoffen sich damit ein kleines Zubrot, wären aber schon zufrieden damit, so Bergmann „es wenigstens die Zweitwohnsitzsteuer wieder reinbringt.“

Seit immerhin fast zehn Jahren erwirtschaftet Kapital keine Erträge mehr, und so ziehen immer mehr Deutsche ihr Geld vom Konto ab, um entweder in Aktien oder Realwerte wie Kunst, Oldtimer, Gold zu investieren oder aber ein Ferienhaus zu erwerben.

Altersvorsorge, Eigennutzung und Vermietung sowie die Gewinnerwirtschaftung – die Kaufmotive zeigen dabei wenige Unterschiede im Zusammenhang mit der Investitionssumme, bis auf eine leichte Verschiebung: Während Immobilien mit einem Preis bis zu 100 000 Euro häufiger zur Vermietung freigegeben werden, spielt dies bei Häusern über 250000 Euro eine eher untergeordnete Rolle. Bei Immobilien dieser Klasse steht bei den Eigentümern eher die Eigennutzung im Vordergrund. 63 Prozent nutzen ihr Eigentum regelmäßig für den eigenen Urlaub, jeder Vierte sogar bis zu vier Wochen lang.

Günstigere Ferienimmobilien bis zu 100 000 Euro werden dagegen seltener als eigenes Urlaubsdomizil genutzt, knapp die Hälfte aller Besitzer einer Ferienunterkunft in dieser Preislage nutzt die Immobilie überhaupt nicht selbst, lediglich jeder vierte verbringe maximal drei Wochen pro Jahr im eigenen Ferienheim. Das zumindest besagt eine jährlich erscheinende Studie, durchgeführt im Namen von FeWo-direkt in Kooperation mit dem Makler für Immobilien der gehobenen Sorte, Engel & Völkers.

Die Untersuchung bestätigt auch den enormen Anstieg beim Kauf von Ferienimmobilien in jüngster Zeit.

Demnach wurden in den Jahren 1997 bis 2006 immerhin 22,3 Prozent aller bestehenden Ferienimmobilien erworben, aber ganze 59,3 Prozent in den Jahren 2007 bis 2017, allein 10,4 Prozent waren es 2015.

Was der Studie zufolge aber alle Käufe – ob damals oder heute – eint, ist die Relevanz der Lage (86,9 Prozent), noch mehr als Kaufpreis (59,7 Prozent) oder Region (40,2 Prozent) für den Erwerber.

Weniger wichtig ist Käufern hingegen die Sicherheit der Region (17,2 Prozent) und eine schnelle Erreichbarkeit (14,9 Prozent). Im Summe kristallisiert sich laut der Studie hinaus, dass bei Käufen im Inland besonders die Küsten (32 Prozent) beliebt sind. Und darunter insbesondere die Küsten Schleswig-Holsteins, wie auch seine Inseln, Sylt, Fehmarn, Föhr, getoppt lediglich durch Rügen und Usedom.

Bei der Finanzierung der Immobilien ergibt sich erneut ein Gefälle, je nachdem, zu welchem Kaufpreis das Objekt erworben wurde. Günstigere Ferienimmobilien – mit bis zu 100000 Euro Erwerbssumme – wurden verstärkt durch den ausschließlichen Einsatz von Eigenkapital (35 Prozent) sowie durch Eigen- und Fremdkapital (43 Prozent) finanziert. Wobei drei Viertel der Käufer jener Kategorie über ein monatliches Netto-Haushaltseinkommen von weniger als 5000 Euro verfügen, ein Drittel hingegen über weniger als 3000 Euro im Monat. Im Gegensatz dazu können Käufer hochpreisiger Ferienhäuser ab 250

000 Euro zu 70 Prozent auf bis zu 8000 Euro Netto-Haushaltseinkommen im Monat verfügen. Hier sei auch der Anteil von Mischfinanzierungen höher (60 Prozent). Käufe über eine 100-prozentige Finanzierung hingegen werden bei beiden Klassen äußerst selten getätigt. Was 56,8 Prozent aller Käufer eint, die ihre Immobilie auch vermieten wollen, ist die Einstellung, dass es ihnen „Freude macht, Gäste zu haben, die dort eine schöne Zeit verbringen können“, so die Studie.

Für den Hamburger Ferienwohnungbesitzer Lutz Bergmann ist der Zweck der Vermietung aber auch, „laufende Kosten zu decken.“ Denn neben der Zweitwohnsitzsteuer kostet eine Ferienimmobilie natürlich ständig Unterhalt. Sei es Heizung, Strom, Wasser, Grundsteuer. Und bekanntlich fallen diese Kosten auch an, wenn gerade keiner Ferien macht.

Fabian Joeres

Voriger Artikel
Mehr aus Die Wirtschaft
LN Jobs Stellenanzeigen aufgeben

Das Stellenportal der Lübecker Nachrichten bietet Ihnen den passenden Rahmen für Ihre Stellenangebote. Schalten Sie Ihre Anzeige schnell und effizient hier. mehr

Hier finden Sie die älteren Ausgaben von dem Magazin "DIE WIRTSCHAFT". mehr

Mediakompass: Werbekanäle bei den Lübecker Nachrichten

Werben mit Erfolg: Bei den Lübecker Nachrichten, als regional marktführendes Medienhaus, haben Sie die Chance Ihre Werbung über verschiedene Werbekanäle und Crossmedia-Optionen optimal zu präsentieren! mehr