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Eine internationale Wirtschaftsregion entsteht

FEHMARNBELTTUNNEL Eine internationale Wirtschaftsregion entsteht

Darüber, dass eine internationale Wirtschaftsregion nicht allein durch die physische Existenz des Fehmarnbelttunnels entstehen kann, herrschte Konsens unter den Teilnehmern der Fehmarnbelt Days. Rund 1000 Wirtschaftsentscheider informierten sich in Hamburg über diverse Themenfelder, die zentral sind, um eine tri-nationale Metropolregion zu schaffen.

Von Jessica Ponnath

Der knapp 18 Kilometer lange Fehmarnbelttunnel kann ein wesentlicher Bestandteil eines Skandinavien-Mittelmeer-Transportkorridors sein. Darüber waren sich die mehr als 1000 internationalen Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verkehrsinfrastruktur, Wissenschaft und Verwaltung wohl einig, die sich vom 20. bis 22. September zum Ideen- und Gedankenaustausch bei den Fehmarnbelt Days 2016 in Hamburg trafen. Die Konferenzteilnehmer reisten aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Österreich und Italien an. Geplant ist, dass die Tunnel-Querung ab dem Jahr 2028 die deutsche Insel Fehmarn und das dänische Lolland verbinden soll. Von der Unterwasserstrecke mit einer vierspurigen Straße und einer zweigleisigen Schienen-Trasse verspricht man sich, vorhandene Engpässe im grenzüberschreitenden Verkehrsnetz Nordeuropas zu beseitigen und den innereuropäischen Handel zu stärken.

Wirtschaftsvertreter und Akteure diesseits und jenseits der Meerenge erhoffen sich von dem geplanten Jahrhundertbauwerk – dem weltweit größten Absenktunnel – neue Wachstumschancen und das Entstehen einer tri-nationalen Wirtschaftsregion. Diese soll Hamburg, Schleswig-Holstein, den westlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns, die dänischen Inseln Lolland, Falster und Seeland sowie Schonen in Südschweden umfassen. Norddeutschland, Dänemark und Südschweden bietet sich die historische Chance, zu einer starken Wirtschaftsregion zu verschmelzen, in der neun Millionen Menschen leben und arbeiten.

Auf den dreitägigen Fehmarnbelt Days 2016 in der Hamburger HafenCity Universität (HCU) präsentierten sich Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden gemeinsam: Bereits zum dritten Mal hatten die grenzübergreifend arbeitenden Wirtschaftsförderer des Fehmarnbelt Business Council (FBBC), des STRING-Netzwerks, des Fehmarnbelt Komitees und der mit dem Tunnelbau beauftragten Projektierungsgesellschaft Femern A/S zusammen die Fehmarnbelt Days auf die Beine gestellt. Gastgeberin in diesem Jahr war die Freie und Hansestadt Hamburg. Die ersten beiden Fehmarnbelt Days fanden 2012 in Lübeck und 2014 in Kopenhagen statt. „Bei den Fehmarnbelt Days geht es um weit mehr als die Feste Fehmarnbeltquerung“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz beim Senatsempfang am Abend der Kongresseröffnung. „Künftig entsteht eine grenzüberschreitende Region mit vielen Verbindungen zwischen Unternehmen, Universitäten und Organisationen. Gemeinsame Infrastrukturprojekte, Forschungsverbünde, Bildungsinitiativen und kulturelle Aktivitäten lassen uns immer enger zusammenwachsen. Daraus entstehen wiederum neue Impulse für die Entwicklung und Zusammenarbeit in Nordeuropa.“ Ähnlich äußerte sich auch Dr. Rolf Strittmatter, Geschäftsführer der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung: „Durch die Beltquerung rücken wir noch näher zusammen. Eine gemeinsame Vermarktung des Wirtschaftsstandortes ist da eine logische Konsequenz.“ Mehr Chancen für die Wirtschaft im strukturschwachen Ostseeraum sah auch Friederike C. Kühn, Präses der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck bereits im Vorfeld der Veranstaltung. „Mit der Realisierung der festen Fehmarnbelt-Querung wird die Wirtschaft in Norddeutschland neue und wichtige Impulse erhalten.“

Auf den Fehmarnbelt Days 2016 boten die internationalen Organisatoren rund 30 hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionen, Seminare, Workshops und Vortrags-Veranstaltungen rund um die wirtschaftliche Entwicklung in der Fehmarnbelt-Region an. Zu den Schlüsselthemen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zählten nicht nur Fragen der Infrastruktur, des Transportwesens und der Logistik – auch der Arbeitsmarkt, der Tourismus, erneuerbare Energien und Kraftstoffsysteme, Ausbildungsinitiativen sowie Forschungsverbünde und kulturelle Aktivitäten wurden thematisiert. So bewegten sich die Veranstaltungen zwischen theoretischen Vorträgen wie „Regionalentwicklung zwischen zwei Metropolen – die Stadt-Umland-Beziehungen in der Fehmarnbelt-Region“ und Beiträgen zu künftigen Chancen der Digitalisierung in der Fehmarnbelt-Region bis hin zu Best-Practice-Beispielen aus anderen Metropolregionen. Unter dem Titel „Wirtschaft und Wissenschaft. Zwei Welten. Eine Idee. Ein gemeinsamer Ansatz?“ zeigten Redner von Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen die Möglichkeiten des transnationalen Technologie- und Wissenstransfers für die Wirtschaft auf.

Zudem gab es Diskussionsrunden zu den Auswirkungen der Fehmarnbeltquerung auf Warenströme und Wirtschaftsentwicklung – hier wurde immer wieder verwiesen auf die positiven wirtschaftlichen Impulse, die durch die Verbindungen über den Storebælt und den Øresund entstanden sind. „Neben der infrastrukturellen Dimension gibt es eine psychologische Komponente. Man muss nicht mehr übers Wasser, es gibt eine feste Verbindung zwischen den Nachbarn. Dass diese Barriere wegfällt, hat Symbolkraft. Sie wird die jeweils andere Seite viel stärker ins Bewusstsein bringen. Das hat auch die Brücke zwischen Dänemark und Schweden bewiesen“, so Jens-Peter Saul, Präsident der Deutsch-Dänischen Handelskammer und Vorstandsvorsitzender der dänischen Managementberatung Rambøll. Ergänzend zu den Veranstaltungen konnten sich die Kongressteilnehmer in Kurzvorträgen umfassend über die aktuellen Planungsstände von Tunnelbau und Schienenanbindung im Hinterland informieren.

Immer wieder wurde in Gesprächen deutlich, dass die Wirtschaftsvertreter in dem ambitionierten Bauvorhaben unter dem Fehmarnbelt mehr Chancen als Risiken sehen – doch noch fehlt das Ziehen an einem Strang. „Es muss uns noch viel mehr gelingen, Menschen aus Kultur, Politik und Wirtschaft zusammenzuführen, um ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen. Dies wird den Wunsch befördern, sich auch schneller zu erreichen“, so Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg und Mitglied des FBBC.

Zeitgleich zu den Fehmarnbelt Days in Hamburg fand in Berlin ein sogenanntes „Hafenfrühstück“ statt, bei dem sich 25 Bundestagsabgeordnete über den geplanten Bau des Fehmarnbelttunnels und die Schienenanbindung auf deutscher Seite informierten. „Das Projekt steht auf dänischer Seite seit dem vom Folketing verabschiedeten Baugesetz nicht mehr zur Debatte. Einzig auf den noch ausstehenden deutschen Planfeststellungsbeschluss wartet man in Dänemark sehnsüchtig“, so Reiner Perau, Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer. Unterstützt wurde er von Ulrika Dieroff, die den Fokus auf den europäischen Aspekt des Tunnelbaus lenkte: „Wir haben als südschwedische Handelskammer in einer Umfrage die schwedischen Unternehmen zum Fehmarnbelttunnel befragt. Das Ergebnis zeigte deutlich, wie wichtig das Projekt für die schwedische Wirtschaft sein wird. Deshalb ist es für uns von besonderer Bedeutung, dass es sich bei dem Bau nicht nur um eine Verbindung zweier Inseln in der Ostsee handelt, sondern um ein Projekt mit viel weitreichenderen Auswirkungen.“

Die nächsten Fehmarnbelt Days sind für das Jahr 2018 geplant. Voraussichtlich wird dann die Stadt Malmö (Schweden) Gastgeber sein.   •

LN

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