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Gesundes Klima für neue Projekte

INVESTITIONEN Gesundes Klima für neue Projekte

Das Gesicht der Ostseeküste wandelt sich. Der zweifelhafte Charme der Betonbauten aus den 70er Jahren verschwindet zusehends. Stattdessen erwarten Ostseeurlauber moderne Hotels mit Wellnessangeboten, Ferienanlagen mit neuen Konzepten und neugestaltete sowie frisch sanierte Ortskerne und Seebrücken.

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Blick auf das Bayside Hotel Scharbeutz.

Quelle: Exopixel/ Fotolia, Bayside Hotel, Collage:af

Mehr als 730 Millionen Euro wurden und werden seit 2011 bis 2018 in die touristische Infrastruktur der Ostseeküste investiert – zur Freude der Touristiker. „Ich freue mich generell über die Entwicklung, weil wir uns wieder in einer langfristigen Wachstumsphase befinden und ein gutes Investitionsklima haben“, sagt Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT).

„Dort, wo wir in die touristische Infrastruktur investiert haben, sind auch neue Hotelprojekte entstanden. Das schlägt sich natürlich auch auf die Übernachtungszahlen der Gemeinden nieder.“

Harald Haase,
Sprecher des Wirtschaftsministeriums Schleswig-Hosltein

Eines der teuersten Projekte entsteht momentan auf dem Priwall in Travemünde. Die „Priwall Waterfront“ ist eine gigantische Ferienanlage mit 454 Ferienapartments und insgesamt 1500 Gästebetten. 32 Dünenvillen, 16 Promenadenvillen und ein Tagungszentrum mit 78 Apartments sollen entstehen. Der dänische Investor Sven Hollesen investiert rund 128 Millionen Euro, Ende 2018 soll alles fertig sein.

Bei der Grundsteinlegung des Großprojektes Anfang Mai sprach Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) von einer „Perle an der Ostsee“ und für Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hat Investor Hollesen „den Priwall wachgeküsst“. Auch die Promenade auf dem Priwall wird sich ändern. Für neun Millionen Euro soll bis Mitte 2017 eine Flaniermeile entstehen.

Außerdem kommen zwei neue Hotels nach Travemünde. Bis 2017 soll ein Sporthotel mit 80 bis 90 Zimmern für rund 100 000 Euro fertig sein. Und auf dem Gelände des ehemaligen Aqua-Top-Schwimmbads direkt am Wasser wird ein „A-ja Resort“ mit 240 Zimmern, SPA-Bereich, Schwimmbad und Sauna gebaut. Die Kosten dafür liegen bei rund 35 Millionen Euro, 2018 soll es fertig sein.

In Heiligenhafen greift der Investor Jens Sroka aus St. Peter Ording gleich für zwei Hotels tief in die Tasche. Das Vier-Sterne-Superior- Lifestyle-Hotel „Beach Motel“ und die Budget Unterkunft im Vintage-Style „Bretterbude“ sollen 2018 eröffnen. Knapp 500 Betten werden es sein, Sroka investiert dafür rund 29 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hat das elf Millionen Euro teure Hotel „Meereszeiten“ in Heiligenhafen seine Pforten geöffnet.

Neue Hotels werden außerdem in Neustadt („Ancora Hotel“, 288 Betten, 22 Millionen Euro, Fertigstellung 2017) und in Haffkrug (86 Zimmer, 16 Millionen Euro, Fertigstellung 2018) gebaut. In Kellenhusen ist ein Hotel mit rund 100 Zimmern und einem auf Tages- und Gesundheitstourismus ausgerichtetem Konzept geplant. Derzeit wird ein Investor gesucht. Auch in Großenbrode ist man auf der Suche nach Investoren. Direkt an der Ostseeküste, am Südstrand 54, sollen hochwertige Strandvillen entstehen, die nach Aussage der Gemeinde den „5-Sterne-Urlaub in Großenbrode neu definieren“.

In Grömitz, wo schon im vergangenen Jahr ein „A-ja Resort“ für 23 Millionen Euro und das Erlebnisbad „Grömitzer Welle“ für 13 Millionen Euro eröffnet haben, wird derzeit der „Dünenpark“ auf dem ehemaligen Freibadgelände direkt am Wasser geplant. Auf einer Fläche von 22 000 Quadratmetern sollen Indoor- und Outdoorfreizeiteinrichtungen entstehen. Kostenpunkt: 10 Millionen Euro.

Ein Lieblingsprojekt von der langen Liste hat die Touristikexpertin Katja Lauritzen nicht, ihr geht es um die Gesamtentwicklung. „Das Problem in den letzten Jahrzehnten war, dass man sich in Schleswig-Holstein auf seinen guten Touristenzahlen ausgeruht hat“, sagt Lauritzen. In Mecklenburg-Vorpommern seien in dieser Zeit mehrere Hotels gebaut worden, das hätten die Touristen gemerkt. „In den letzten fünf Jahren haben die Touristenorte dann mitbekommen, dass sie investieren müssen. Jetzt haben wir auch in der Gästewahrnehmung ein moderneres Image, was sich auch in den Übernachtungszahlen widerspiegelt.“

Von den über 730 Millionen Euro an Investitionen kommen rund 60 Millionen aus Kiel. „Dort, wo wir in die touristische Infrastruktur investiert haben, sind auch neue Hotelprojekte entstanden. Das schlägt sich natürlich auch auf die Übernachtungszahlen der Gemeinden nieder“, sagt Harald Haase, Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Als Beispiel nennt er Heiligenhafen (24 Prozent mehr Übernachtungen in 2015), wo der Bau der Erlebnis-Seebrücke und die Attraktivitätssteigerung der Binnensee-Südpromenade mit knapp sieben Millionen Euro gefördert wurden. Auch in Scharbeutz und Grömitz, wo der Kurpark und die Promenade beziehungsweise das Erlebnisbad „Grömitzer Welle“ gefördert wurden, sind die Übernachtungszahlen um über 13 Prozent gestiegen. „Erfahrungsgemäß steigt die Bereitschaft privater Investoren, Geld für die Modernisierung oder Erweiterung ihres Betriebes in die Hand zu nehmen, erheblich, wenn die Kommunen mit Investitionen in die öffentlichen Infrastrukturen in Vorleistung treten“, so Haase.

So wie in der Gemeinde Scharbeutz, für Katja Lauritzen ein „Vorreiter für andere Gemeinden“. Hier wurde früh in die Umgestaltung des Ortskerns investiert. Schließlich hat die Ostseegemeinde von 1995 bis 2006 etwa 40 Prozent an Übernachtungsgästen verloren. Für die „Dünenmeile“, die 2011 eröffnet hat, hat die Gemeinde zwei Millionen Euro investiert, weitere 2,7 Millionen kamen aus der Landeshauptstadt. „Die Architektur aus den Siebzigern ist damit komplett in den Hintergrund gerückt“, sagt André Rosinski, Vorstand von der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (TALB). „Durch die Modernisierung haben wir es auch geschafft, überregional bekannte Gastronomiebetriebe wie Gosch oder das Café Wichtig zu uns zu holen.“ Und damit kamen auch die Touristen und die Investoren. „Ohne die öffentlichen Investitionen in der ersten Reihe zum Strand wäre Bayside, Gosch und Co. nicht gekommen“, ist sich Rosinski sicher. „Und das sind genau die Betriebe, die uns auch eine Ganzjahresauslastung bringen.“

Nicht nur Projekte für die touristische Infrastruktur werden vom Wirtschaftsministerium gefördert, sondern auch Einzelbetriebe. So wurde etwa das „Weissenhaus Grand Village und Spa am Meer“, 2014 eröffnet und 105 Millionen Euro teuer, mit über acht Millionen Euro aus Kiel gefördert. Ebenso erhielt Rohlf von Oven für sein Vier- Sterne-Lifestyle Hotel „Seehus“ in Niendorf zwei Millionen Euro, für das „Bayside“ und das Hotel „Belvedere“ in Scharbeutz kamen mehr als vier Millionen Euro aus Kiel. Haase: „Die Förderungen tragen zu einer Aufwertung der Angebotsqualität und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs bei. Das sind Ziele, die in der Landestourismuskonzeption hohe Priorität haben.“

Aber aus Sicht einiger Kurdirektoren der Ostseebäder kommt nicht nur Gutes aus Kiel. Ein neues Landesnaturschutzgesetz, dass Ende April verabschiedet wurde, sieht vor, dass in einem Streifen von 150 Metern vor dem Meer grundsätzlich ein Bauverbot gilt. Das gilt auch für wesentliche Erweiterungen bereits bestehender Gebäude. Für Joachim Nitz, Tourismuschef von Timmendorfer Strand, ist das Gesetz eine krasse Einschränkung. „Tourismus ist unsere Lebensader, wir haben hier nichts Anderes“, sagt Nitz. „Das Gesetz erschwert die Bedingungen für Investoren, in der bei Touristen natürlich sehr beliebten ersten Reihe zum Strand zu investieren.“ Man müsse sich alle Möglichkeiten für den zukünftigen Tourismus offenhalten und kein generelles Verbot erlassen. „Besonders in den intensiv genutzten, inneren Bereichen der Ostseeküste muss der Tourismus vor dem Umweltschutz Vorrang haben.“

Ebenso sieht es Olaf Dose-Miekley, Tourismuschef in Grömitz, der besonders an das Projekt „Dünenpark“ in Gefahr sieht. „Wir hoffen auf eine Ausnahmeregelung, das wurde uns vom Minister auch schon zugesagt“, sagt Dose-Miekley. „Aber eine Garantie gibt es noch nicht, es ist nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.“ Sollte das neue Landesnaturschutzgesetz den Bau des „Dünenparks“ verhindern, hätte es laut Dose-Miekley verheerende Auswirkungen auf die touristische Entwicklung des Ortes. „Das wollen wir uns noch gar nicht vorstellen.“

Doch für Wirtschaftsminister Meyer setze ein naturnaher Tourismus nun einmal den Schutz der Natur voraus. „Gerade für den ‚Echten Norden‘ sind Naturliebhaber und die sogenannten ‚Entschleuniger‘

enorm wichtige Zielgruppen. Für sie sollte die Natur erlebbar bleiben“, so der Minister. Außerdem hätten Gemeinden eine fünfjährige Übergangszeit, um ihre Flächennutzungspläne entsprechend zu gestalten. „Es gilt Bestandsschutz – für Bebauung sowieso, aber auch für B-Pläne in der Aufstellungsphase. Naturschutz und Tourismus müssen keine Gegensätze sein. Das Gesetz ist ein guter Kompromiss.“

Und wie sieht es in Zukunft aus? Katja Lauritzen hat noch einige Ideen, um noch mehr Touristen anzulocken. „Wir können unser Angebot noch weiter ausbauen“, sagt Lauritzen. Sie denkt dabei an Biohotels oder auch an Hotels mit speziellen Angeboten für Familien. „Das sind zwar Nischenhotels, aber sie haben Potenzial. Da können wir noch etwas machen.“ Doch es gebe auch Grenzen des Wachstums.

„Ganz klar, man kann nicht immer mehr Hotels bauen, wenn sie nicht benötigt werden. In Heiligenhafen beispielsweise denke ich, dass der Bedarf an Hotels nun erst einmal gedeckt und die Grenze des Wachstums erreicht ist. Auch Grömitz hat nun ein sehr breites Angebot“, sagt Lauritzen. An anderen Orten sieht es anders aus. „Die Holsteinische Schweiz sollte den Schwung der Landesgartenschau nutzen, um Hotels zu bauen. Und in Fehmarn gibt es beispielsweise kaum Tagungsmöglichkeiten. Da geht noch was.“ •

 Hannes Lintschnig

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