Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Gute Bilanzen, beste Prognosen

Gute Bilanzen, beste Prognosen

Die Ostseeküste wandelt ihr Gesicht, die Touristiker entdecken neue Zielgruppen, innovative Unternehmer stellen spezielle Angebot auf die Beine: Die Reisebranche ist ein wirtschaftliches Schwergewicht im Land. Sie setzt auf neue Trends – und punktet mit bewährten Trümpfen.

Voriger Artikel
Die Spezialisten
Nächster Artikel
Auf der Überholspur

Es geht weiter bergauf. Der Tourismus an der Küste boomt. Das Land lockt Reisende mit neuen Konzepten.

Quelle: Darren Baker/ Fotolia

Der Tourismus im Land boomt. Und die Prognosen für die Zukunft sind bestens. Nach Angaben des Kieler Wirtschaftsministeriums hat die Branche einen Bruttoumsatz von 7,5 Milliarden Euro und beschäftigt direkt 146000 Menschen. Der Tourismusindustrie werden nicht nur positive Entwicklungschancen zugeschrieben – die Branche gilt auch als einer der wenigen Wirtschaftszweige, der nachhaltig Chancen für Einkommen und Beschäftigung der Bevölkerung bietet.

Die Zahl der Übernachtungen stieg in den vergangenen Jahren stetig. 2015 wurden knapp über 27 Millionen Besucher gezählt, die über Nacht blieben, 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr, die Zahl der Gäste wuchs um vier Prozent auf knapp über sieben Millionen. Die aktuellen Februar-Zahlen – sie verweisen ein Plus von 13,8 Prozent bei den Ankünften sowie mehr als eine Million Übernachtungen auf – zeigen zudem, dass es immer besser gelingt, die Nebensaison auszulasten.

Im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium sieht man sich vor diesem Hintergrund mit seiner „Tourismusstrategie 2025“ auf dem richtigen Weg. Und der soll zu deutlichem Wachstum führen: Das Ziel der Strategie ist im Kern, den Umsatz der Branche bis 2025 um 30 Prozent und die Zahl der Übernachtungen auf 30 Millionen zu steigern. Denn das Land hat viel zu bietenUnd es wandelt sein touristisches Gesicht.

Zusehends verschwinden die Betonbauten aus den 70er Jahren an der Ostseeküste. Die Branche setzt stattdessen auf moderne Hotels mit Wellnessangeboten, auf Ferienanlagen mit frischen Konzepten. Auf neugestaltete und sanierte Ortskerne und Seebrücken.

Vom Priwall über Travemünde und Scharbeutz bis nach Neustadt, Grömitz und Heiligenhafen: Auf mehr als 730 Millionen Euro wird die Summe geschätzt, die seit 2011 und bis 2018 in die touristische Infrastruktur der Ostseeküste investiert wird – und noch eingesetzt werden soll.

Davon kommen rund 60 Millionen aus Kiel. Die Landesregierung will so der Konkurrenz durch inländische, europäische und außereuropäische Destinationen entgegenwirken, die mit zum Teil hohen staatlichen Unterstützungen ihren Platz im weltweit größten Wachstumsmarkt sichern wollen. Und die lokale Wirtschaft zieht nach: „Dort, wo wir in die touristische Infrastruktur investiert haben, sind auch neue Hotelprojekte entstanden. Das schlägt sich natürlich auch auf die Übernachtungszahlen der Gemeinden nieder“, sagt Harald Haase, Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

An den aktuellen Investitionsobjekten lassen sich auch die neuen Schwerpunkte ablesen, auf die die Branche setzt – die Ausrichtung des Tourismus in Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenenJahrzenten deutlich verschoben. Dabei folgen die Anbieter überregionalen Trends.

Einer davon ist der Gesundheitstourismus. Gab es früher Heilbäder und Kurorte, so setzen die Touristiker in der Region heute auf individuellen Gesundheitstourismus. Wellness, Thalasso, Yoga und Fasten werden als Lifestyle-Themen gepriesen. Die Gäste zahlen dabei aus der eigenen Tasche.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer starker Trend zwischen den Meeren. „Knapp die Hälfte der Urlauber, die sich für Schleswig-Holstein als Reiseziel interessieren, legen Wert darauf, dass ihr Urlaub ökologisch verträglich, ressourcenschonend und umweltfreundlich ist“, sagt Vivien Rehder von der Tourismus-Agentur Schleswig- Holstein (Tash). Immer mehr Gastonomen und Hoteliers setzen deshalb auf erneuerbare Energien und Abfallvermeidung. Sie bieten kulinarische Spezialitäten aus eigenem Anbau und frische Bio-Produkte für ihre Gäste an.

Und die werden immer älter. Aber sie fühlen sich oft nicht so. Die sogenannten Silver Ager, die der Tourismus als Zielgruppe entdeckt, wollen nicht nur spazierengehen, shoppen und Wellnessangebote nutzen. Sie wollen auch aktiv werden: die Natur erleben oder Rad fahren etwa. Aber auch kulturelle Veranstaltungen besuchen und Sehenswürdigkeiten studieren. Was sie dabei ganz sicher nicht wollen, ist aber: als Senioren angesprochen zu werden. Denn sie sind in vieler Hinsicht genauso aufgeschlossen wie jüngere Menschen.

Etwa, wenn es um Digitalisierung geht – den größten Trend im Tourismus, der sich über alle Generationen und Regionen hinweg erstreckt: Sich über Urlaubsziele informieren und Reisen buchen, aber auch Anbieter bewerten – wer heute verreisen möchte, geht zuerst ins Internet. 61 Prozent der Deutschen holen sich Reiseinformationen online. 41 Prozent haben bereits das Internet zur Buchung von Urlaubsreisen genutzt. Der Kampf um die Kunden wird oft per Mausklick entschieden. Durch die digitale Konkurrenz geraten Reisebüros und herkömmliche Reiseveranstalter unter Druck.

Aber neben den großen, globalen Tourismus-Trends wie Digitalisierung oder Gesundheitstourismus sind es in unserer Region auch sehr spezifische Angebote, die die Branche prägen.

Etwa in der Stadt. So bietet der Lübecker Christoph Rohde einmalige Touren durch die Hansestadt an. Er führt seine Kunden durch schmale Gassen, Durchgänge und Höfe zu ausgewählten Galerien und Geschäften. Dort überlässt er den Inhabern das Feld – und stärkt so die urbane Wirtschaft. Die Betreiber und Mitarbeiter stellen sich und ihre Produkte vor.

Sie geben Einblick in das Geschäftsleben der Hansestadt. Und Rohde erzählt nebenher eher unbekannte Geschichten über Lübeck.

In den ländlichen Regionen wartet Schleswig-Holstein noch mit einem anderen Trumpf auf: Eingefleischte Fans pilgern gern etwa auf den Spuren der Hauptdarsteller Adsche und Brakelmann aus der Fernsehserie „Neues aus Büttenwarder“ – wohl wissend, dass das fiktive gleichnamige Dorf eigentlich aus mehreren Drehorten im Stormarner Dreieck Trittau- Granderheide und Grönwohld besteht.

Fan-Touristen suchen ebenso begeistert die Drehorte für den ZDF-Fernsehdoktor „Der Landarzt“ in der Schlei-Region auf, für Dick und Dalli vom „Immenhof“, oder für die „Küstenwache“ auf der Ostsee vor Neustadt. Diese besondere Form des Tourismus boomt, wenn es auch keine zuverlässigen Zahlen gibt.

Aber ob Fan-Tourismus, Digitalisierung, eine sich touristisch modernisierende Ostseeküste oder ausgefeilte Wellnessangebote – eines wird dem Tourismus im Land in all seinen Facetten auch in der Zukunft als riesiger Pluspunkt erhalten bleiben: Die einzigartige nordische Landschaft und das gesunde Klima zwischen den Meeren machen unsere Region besonders attraktiv für Urlaubsgäste.

Oliver Schulz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
LN Jobs Stellenanzeigen aufgeben

Das Stellenportal der Lübecker Nachrichten bietet Ihnen den passenden Rahmen für Ihre Stellenangebote. Schalten Sie Ihre Anzeige schnell und effizient hier. mehr

Hier finden Sie die älteren Ausgaben von dem Magazin "DIE WIRTSCHAFT". mehr

Mediakompass: Werbekanäle bei den Lübecker Nachrichten

Werben mit Erfolg: Bei den Lübecker Nachrichten, als regional marktführendes Medienhaus, haben Sie die Chance Ihre Werbung über verschiedene Werbekanäle und Crossmedia-Optionen optimal zu präsentieren! mehr