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Handfeste norddeutsche Verkaufsschlager

REGIONALE STÄRKEN III Handfeste norddeutsche Verkaufsschlager

Feinkost, Konserven und Mischgewürze sind ein wichtiger Schwerpunkt der Lebensmittelwirtschaft in der Region. Die Unternehmensstrukturen haben sich geändert. Die Erfolgsrezepte weniger.

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Quelle: AlenKadr, ZIQUIU, hobbitfoot, krasyuk / Fotolia, Collage: af

Dass es im Gewerbegebiet Genin nach Suppen und Eintöpfen duftet, ist vielen Bewohnern der Hansestadt Lübeck vertraut. Auch wenn sie die Gerüche, die auf ein deftiges Mittagessen Appetit machen, eher mit dem vormaligen Namen des Unternehmens, das dahinter steckt, verbinden: Erasco.

Mittlerweile heißt der Lebensmittelhersteller Continental Food. Er entstand, als das Investmentunternehmen CVC Capital Partners 2013 das Europageschäft von Campbell‘s übernahm. Bereits 1996 hatte die amerikanische Campbell Soup Company das vormalige Erasco-Werk in Lübeck übernommen.

Heute ist Continental Foods in Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und Schweden präsent. Das Unternehmen, in dem man derzeit keine Presseanfragen beantworten möchte, deckt nach Angaben auf der Homepage in Lübeck mit etwa 450 Mitarbeitern die gesamte Wertschöpfungskette der Erasco-Produkte ab. Rund 135 Produkte werden für die Marke produziert. Und die Geschäfte scheinen nach der erneuten Übernahmen zu laufen: Geschäftsführer Thomas Bittinger erklärte in einer Pressemitteilung, das mit April 2015 abgeschlossene erstes Fiskalgeschäftsjahr als Continental Foods Germany sei erfolgreich verlaufen. Man sei „mit der Sanierung des Unternehmens und als Impulsgeber für unsere Kategorien voll auf Fahrplan“. Plant Director Wolfgang Schey wies Ende 2015 auf Investitionen am Standort Lübeck in Produktqualität, Produktionssicherheit, Produktionseffektivität und Lebensmittelsicherheit hin.

Weit über die Region hinaus bekannt ist auch das Gewürzwerk Hela, das Ende der 1980er-Jahre seinen Firmensitz aus Hamburg nach Ahrensburg verlegt. Im Jahr 2012 wurde die Anzahl der Mitarbeiter mit 620 angegeben. Das Unternehmen hat heute Stützpunkte auf fünf Kontinenten. Nach Angaben des Branchenetzwerkes foodRegio von 2012 lag der deutschlandweite Marktanteil im Absatz von Hela Gewürz-Ketchup bei 61,3 Prozent .„Als Verarbeiter von Gewürzen ist die Nähe zum Hamburger Hafen für uns ein großer Vorteil unseres Standorts“, sagt Stefan Schult, Geschäftsführer Vertrieb, Marketing und Logistik bei Hela. „Ebenfalls positiv zeichnet sich die Region durch den guten Anteil an qualifizierten Arbeitskräften aus sowie durch die gute Infrastruktur.“ Ein Nachteil der geografischen Lage sei dagegen, dass längere Wege in der Logistik in Kauf genommen werden müssen, da Kunden sich im gesamten Bundesgebiet verteilen. „In Bezug auf die Rohstoffversorgung aus der Region ist es uns leider nicht möglich, unseren Bedarf an Tomaten, Gewürzen oder Kräutern direkt aus der Region zu beziehen, da diese in den benötigten Mengen von regionalen Anbietern nicht verfügbar sind.“

Ist Hela vor allem für Ketchup bekannt, so kennen Verbraucher das Unternehmen Mayo-Feinkost seit Jahrzehnten als Hersteller von Salaten. Seit mehr als 35 Jahren gibt es die Firma in Lübeck. Von Beginn an wurde ein breites Sortiment hochwertiger Fisch-, Fleisch und Gemüsesalate hergestellt — anfangs nur in Großgebinden für die Feinkost- theken, noch per Hand gerührt und abgefüllt. 2008 wurde eine neue Fabrik in Lübeck-Siems auf der anderen Seite der Trave bezogen. Das Vertriebsgebiet von Mayo Feinkost erstreckt sich nach eigenen Angaben von der dänischen Grenze bis ins Sauerland, von der Nordseeküste bis nach Frankfurt/Oder.

Mayo gehört heute zur Popp Food Group mit Sitz in Kaltenkirchen. Ein weiteres Unternehmen aus der Region, das zu der Gruppe gehört, ist die Firma Grossmann aus Reinbek, ebenso auf Feinkost spezialisiert.

Bei Popp lobt man die Vorteile der Region — abgesehen von den derzeitigen Baumaßnahmen an der A7, die den Betrieb behinderten. Die Zukunftsperspektiven seiner Branche malt Alexander Schmolling, zuständig für Marketing bei dem Unternehmen, entsprechend rosig: „ Gegessen wird immer“, sagt er. „Das ist ein großer Vorteil der Food-Produzenten gegenüber anderen Industrien, denn unser Geschäft ist weniger konjunkturellen Schwankungen unterworfen.“ Gleichwohl sei dieses Geschäft kein Selbstläufer: „Nicht umsonst gilt der deutsche Lebensmitteleinzelhandel als einer der schwierigsten Märkte. Die geballte Handelsmacht im klassischen Einzelhandel und die starken Discounter verlangen den Unternehmen ein stringentes Kostenmanagement bei höchsten Anforderungen bezüglich Qualität, Sicherheit, Geschmack und Innovationskraft ab.“ Zudem entwickele sich das Verbraucherverhalten seit einigen Jahren rasant weiter: „Man denke nur an die Veggie- und Vegan-Trends.“ Für die Zukunft sieht er die bewusste Ernährung als tragendes Thema: „ Menschen wollen nicht gedankenlos konsumieren sondern wissen, was sie essen. Bei uns in der Feinkost macht dies etwa die Tendenz zu transparenten Verpackungen deutlich. Food ist das neue Fashion. Produkte müssen gesund oder außergewöhnlich und immer ansprechend verpackt sein, damit man sich darüber definieren und darüber diskutieren kann.“

Während Popp am regionalen Standort wenig Kritik übt, hat die Traditionsfirma Wilhelm Brandenburg in Bezug auf Standorte vor allem eine lange Geschichte hinter sich. 1885 begann das Unternehmen im pommerschen Rügenwalde mit der Produktion von Fleisch-, Wurst- und Schinkenspezialitäten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Familie in Timmendorfer Strand ein Zuhause und begann dort 1948 den Neuanfang. 1986 wurde die Firma in die Rewe-Kette aufgenommen. Heute produziert Wilhelm Brandenburg an vier Standorten in Deutschland. Doch bei aller Umstrukturierung — das Unternehmen ist der Region immer treu geblieben. In Timmendorfer Strand arbeiten bis in die Gegenwart Mitglieder der Familie Brandenburg im Haus. Und die rauchig-herzhafte Rügenwalder Teewurst wird dort weiterhin nach dem althergebrachten Familienrezept hergestellt.   •

Von Oliver Schulz

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