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EINZELHANDEL Klein gegen Groß

Der Einzelhandel ist im ständigen Wandel zwischen dem „Geiz-ist- geil“-Anspruch und der „buy local“-Prämisse. Kleine Geschäfte können mit guten Ideen und digitalem Ansatz punkten.

Von Nicole Hollatz

 

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Quelle: Kaspars Grinvalds/ Fotolia

Gerade mit besonderen Aktionen, mit dem „Einkaufserlebnis“, kann der lokale Einzelhandel punkten.

Ein kleiner Buchladen in der Lübecker Innenstadt, im Sommer 1996. Ein Kunde möchte Grishams „Der Regenmacher“ kaufen, 48 Mark teuer. Der Bestseller ist nicht vorrätig, der Buchhändler notiert Name und Telefonnummer des Lesers, bestellt das Buch. Acht Tage später der Anruf – das heiß begehrte Buch wurde geliefert und kann im Laden abgeholt werden. 21 Jahre später – den Laden gibt es nicht mehr, genauso wie die D-Mark und Kunden, die so lange auf ein Buch warten würden.

Der Einzelhandel verändert sich – besonders seit der digitalen Revolution. Als nach 1995 mehr und mehr der das bequeme Online- Shopping in den Haushalten einzog. Der Kunde klickt. Bestellt sein Buch selbst im Internet. Die Buchhändler, und nicht nur die, stöhnen seit Jahren und stehen wie kaum eine andere Branche beispielhaft für die Veränderungen im Einzelhandel. In kaum einer anderen Branche ist der Anteil des Onlineumsatzes so hoch. „Jeder zweite Buchhändler hat bereits aufgegeben“, titelte das Hamburger Abendblatt im Jahr 2012.

Carola Markwa, Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Landesverband Nord e.V.: „Der Buchhandel vor Ort ist nach wie vor der stärkste Vertriebsweg für Bücher.“ Etwa 50 Prozent des Branchenumsatzes werden weiterhin lokal generiert. „Wobei der Umsatz hier in den letzten zehn, zwanzig Jahren zurückgegangen ist. Parallel stieg der Umsatz im Online-Handel an“, berichtet Carola Markwa.

Dabei steigt allgemein im Einzelhandel der Umsatz, egal ob online, offline oder „multichannel“, also über die verschiedenen Vertriebswege. Zwei Prozent Umsatzplus, meldete der Handelsverband Nord für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. „Auch für 2017 gehen wir von einem Zuwachs von zwei Prozent aus“, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Verbandes.

Bis 2020, so rechnet und hofft der Bundesverband, wird der Onlinehandel sein prognostiziertes Maximum am Einzelhandel – 20 Prozent – erreicht haben. Derzeit kaufen die Kunden weniger als 10 Prozent ihrer Waren im Durchschnitt online. Aber: Nimmt man den Bereich der Nahrungsmittel am Einzelhandel heraus, wird bereits jetzt jeder fünfte Umsatzeuro online erwirtschaftet. Und Internetgiganten wie Amazon sind gerade dabei, ihre Logistik weiter auszubauen, um auch Lebensmittel innerhalb weniger Stunden liefern zu können. Noch gibt es das Angebot nur in Berlin und Potsdam, auch Supermarktketten wie Edeka, Rewe und Kaufland bieten online regional ein Vollsortiment an, dazu werben reine Onlinelebensmittelmärkte und Anbieter für spezielle Produktgruppen wie Müsli oder Fleisch um Kunden. Selbst auf die regionalen Lebensmittelhändler, die großen Ketten, die, so schien es, lange von den Folgen der Digitalisierung verschont blieben, könnten Veränderungen zu kommen.

Die, mit denen der lokale Einzelhändler in den Innenstädten seit Jahren und Jahrzehnten kämpft. „Es wird Veränderungen in der Anzahl und Art der Läden geben“, sagt Mareike Petersen. Bluten die Innenstädte mit einem kränkelnden lokalen Einzelhandel aus? „Viele Städte in Schleswig-Holstein haben derzeit Leerstände. Der Dachverband geht davon aus, dass von den 400000 Einzelhändlern in Deutschland bis 2020 gut 50000 aufgeben müssen.“ Mareike Petersen ist verhalten optimistisch: „Wir gehen nicht davon aus, dass die Innenstädte sterben werden.“

Einzelhändler, die am Markt bestehen wollen, müssen sich mehr und mehr auf ihre Stärken besinnen. Mareike Petersen: „Gute Beratung, guter Service, dazu das Einkaufserlebnis – alles Dinge, die das Internet nicht bieten kann.“ Gerade mit besonderen Aktionen, mit dem "Einkaufserlebnis“ kann der lokale Einzelhandel punkten.

Der stationäre Handel muss sich der Digitalisierung stellen. „Zumindest eine Internetpräsenz ist wichtig, dass der potentielle Kunde nach Öffnungszeiten und den Angeboten googeln kann“, erklärt Mareike Petersen. Da gäbe es oft noch Nachholbedarf. Carola Markwa für den Buchhandel: „Der Kunde will heute die Wahl zwischen Onlinekauf und Buchhandlung haben und der Buchhandel reagiert darauf.

Buchhandlungen kombinieren die Vorteile des Handels vor Ort wie die persönliche Beratung und das Einkaufserlebnis mit denen des Online-Einkaufs, beispielsweise die Rund-um- die-Uhr-Bestellung, große Verfügbarkeit."

Multichannel – viele Einzelhändler verbinden längst die analogen und digitalen Einkaufswelten. Der Handelsverband Nord unterstützt die Initiative „Lass den Klick in Schleswig-Holstein“ – eine riesige Plattform, auf der der Kunde ganz normal online shoppen kann beim Einzelhändler um die Ecke. In vielen Kommunen deutschlandweit gibt es ähnliche Aktionen. Alleine in der Region Lübeck machen gut 80 Unternehmen mit. Aber: Es gibt verschiedene Vernetzungsanbieter, lokale Buchhändler agieren beispielsweise auf Plattformen wie Geniallokal.de.

Lokal ist mehr und mehr die Kreativität der Einzelhändler gefragt. Mareike Petersen: „Die Innenstädte müssen ein Wir-Gefühl vermitteln, müssen Ideen, Kräfte und Ressourcen bündeln. Das Ambiente in der Innenstadt, in der Straße und im Laden muss einfach stimmen. Der Kunde möchte nicht nur einkaufen, er möchte, dass ihm etwas geboten wird!“   •

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