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„Landwirte müssen immer am Ball bleiben“

FORTBILDUNGEN „Landwirte müssen immer am Ball bleiben“

Die Landwirtschaftskammer veranstaltet zahlreiche Seminare zum Thema Unternehmensführung, Tierhaltung und aktuellen Verordnungen. Doch auch Fortbildungen auf persönlicher Ebene und speziellen Themen werden angeboten.

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Klein gegen Groß

Seminare bilden weiter. Aber auch Fachtagungen mit hochrangigen Experten zu Spezialfragen der Tierhaltung, des Ackerbaus und der Landtechnik werden regelmäßig angeboten.

Quelle: Kasto / Fotolia

Vor zehn Jahren mussten sie sich entscheiden. Damals haben Dörte und Mike Steffens den Bauernhof in Ahrensbök von ihrem Vater übernommen. „Es war klar, dass sich etwas ändern muss. Mit Milchvieh und Ackerbau hätten wir den Betrieb nicht weiter halten können“, sagt Dörte Steffens, die im selben Jahr ihren Mann geheiratet hat. Dass sie dann auf die Idee gekommen sind, aus ihrer Milch Eis zu produzieren, war eher Zufall. „Wir waren auf der Grünen Woche und haben einen holländischen Landwirt getroffen, der Eis produziert hat. Da dachten wir, dass wir das auch können. Schließlich haben wir ja schon die Milch.“

„Die Themenpalette reicht von produktionstechnischen Fragen bis hin zu Spezialfragen aus den Bereichen Unternehmensführung, Einkommensalternativen und Landtechnik“

Daniela Rixen

Sprecherin der Landwirtschaftskammer

Neben dem technischen Know-how der Eisproduktion mussten der Landwirt und die gelernte Versicherungskauffrau nun auch unternehmerische Kenntnisse haben, um ihr Eis gewinnbringend zu vertreiben.

„Einige unserer Bekannten hatten uns davon erzählt, dass sie Fortbildungen besucht haben, die ihnen sehr weitergeholfen haben. Das haben wir dann auch gemacht“, sagt Steffens.

Und das war eine gute Entscheidung. Das Ehepaar besucht gerade eine mehrjährige Bauern- und Unternehmerschulung (bus-Seminare) der Andreas-Hermes-Akademie, die die Fortbildungen in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) anbietet. „Man sieht seinen eigenen Betrieb aus der Vogelperspektive, auch zum Thema Zeitmanagement haben wir viel gelernt“, sagt Steffens.

„Außerdem lernt man viel sich selbst, was man für ein Unternehmertyp ist und was man erreichen will. Es hat uns wirklich enorm viel gebracht – und es macht Spaß.“

Von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein werden noch weit mehr Seminare veranstaltet als die bus-Fortbildungen. Im Winterhalbjahr 2016/17 hat die LKSH weit mehr als 90 Seminare in allen Regionen Schleswig-Holsteins angeboten. „Die Themenpalette reicht von produktionstechnischen Fragen bis hin zu Spezialfragen aus den Bereichen Unternehmensführung, Einkommensalternativen und Landtechnik“, sagt Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer. „Darüber hinaus finden regelmäßig Fachtagungen mit hochrangigen Experten zu Spezialfragen der Tierhaltung, des Ackerbaus und der Landtechnik statt.“ Auch zu aktuellen Themen, mit denen sich Landwirte auseinandersetzen müssen, gibt es regelmäßig Seminare. „Im Winterhalbjahr 2016/17 waren insbesondere Veranstaltungen zur geplanten Novellierung der Düngevorordnung stark nachgefragt, aber auch zu Fragen der Tiergesundheit und zur strategischen Aufstellung von landwirtschaftlichen Unternehmen angesichts zunehmender Marktpreisschwankungen“, sagt Rixen. „Neben den vielfältigen Seminaren finden gerade im Sommer eine Vielzahl von Feldführungen statt, wo sich die Landwirte über die aktuellen Sorten, Düngung und den sonstigen Stand der Vegetation direkt informieren.“

Das Seminarangebot der LKSH richtet sich nach den Bedürfnissen der Landwirte. Im Bereich des Generationenwechsels, was bei landwirtschaftlichen Betrieben ein wichtiges Thema ist, gibt es beispielsweise die Seminare „Die Hofübergabe richtig vorbereiten“, „Unser Betrieb läuft aus“ oder „Altersvorsorge im Zinstief“. Auch Fortbildungen, die speziell für Landwirtinnen aufgebaut sind, werden angeboten, wie etwa „Hofübergabe aus Sicht der Frauen“.

Auch Dörte Steffens hat frauenspezifische Seminarangebote besucht. „Ich habe ein bundesweites Seminar zum Thema ‚Unternehmerinnenfachgespräch‘ besucht. Es war für mich persönlich sehr interessant.

Jeder kann da etwas für sich herausziehen“, sagt die 39-Jährige. Denn als Frau müsse man sich darüber bewusst sein, was Landwirtschaft bedeutet: kaum Urlaub, wenig Zeit, der Mann muss am Wochenende immer arbeiten. „Aber dafür schafft man gemeinsam etwas. Ich finde es wichtig, dass man als Landwirtin etwas für sich tut. Die Seminare auf persönlicher Ebene haben mir da sehr weitergeholfen.“

Aber die unternehmerischen Seminare werden von den meisten Landwirten verstärkt angenommen – aus gutem Grund. „Bereits seit mehreren Jahrzehnten ist die Aus- und Fortbildung in der Landwirtschaft auf die Stärkung der unternehmerischen Kompetenzen ausgerichtet“, sagt Rixen. „Landwirte produzieren für den freien Markt und stehen durch globale Handelsverflechtungen im Wettbewerb mit anderen Regionen der Welt. Es gilt, eine an den Zielen der Unternehmerfamilie ausgerichtete Zukunftsstrategie zu entwickeln, die Wirtschaftlichkeit der Geschäftsfelder fortlaufend zu prüfen und zu verbessern sowie notwendige Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten.“ In den vergangenen Jahren sind auch immer mehr Fortbildungsangebote zum Thema Digitalisierung hinzugekommen, etwa die Digitalisierung der Produktion beispielsweise durch „Precision Farming“ im Ackerbau. „Auch Strategien zur Preisabsicherung in volatilen Märkten, der Einsatz regenerativer Energien, Energiekosteneinsparung, Nährstoffeffizienz und Bodenschutz und Stärkung des Tierwohls sind in der letzten Zeit hinzugekommen“, sagt Rixen.

Auch von den Bioverbänden werden interessespezifische Fortbildungen angeboten. So können Landwirte beispielsweise bei der „Demeter Akademie“ lernen, welche Anforderungen erfüllt werden müssen, um einen Hof nach Demeter-Kriterien zu bewirtschaften. Dort gibt es Seminare zu Themen wie „Wirksensorik, die Wirkung hinter dem Geschmack erleben“, „Begeistert für´s Biodynamische?! Workshop für junge Führungskräfte“, „Ein Team führen – im Team führen“ oder „Die Weisheit schläft in der Natur? Wirksensorik und Naturwahrnehmung“.

Auf den Internetseiten des Qualifizierungsfonds Land- und Forstwirtschaft (QLF) in Schleswig-Holstein e.V. können Landwirte ebenfalls ein umfangreiches Seminarangebot finden. Der Qualifizierungsfonds wurde mit dem Ziel gegründet, wettbewerbsfähige Voll- und Teilzeitarbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft durch Qualifizierung zu erschließen und zu sichern. Dazu führt der QLF Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Arbeitnehmern und Betriebsnachfolgern im Bereich der landwirtschaftlichen Betriebe und der landwirtschaftlichen Lohnunternehmen durch.

Der Qualifizierungsfonds wurde vom Arbeitgeberverband der Land- und Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein, dem Landesverband der Lohnunternehmen Land- und Forstwirtschaft e. V. sowie der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt ins Leben gerufen.

Für Daniela Rixen gibt es einige Themen, mit denen sich Landwirte auf jeden Fall auseinandersetzen müssen. „Die Produktionstechnik entwickelt sich durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse fortlaufend weiter: Hier gilt es für Landwirte, immer am Ball zu bleiben“, sagt Rixen. Das starke Betriebswachstum verändere die Arbeitsorganisation in vielen Betriebe und führe zur Mitarbeitereinstellung: Es müssten Fachkräfte für den Betrieb gewonnen und an den Betrieb gebunden werden.  „Der hohe Preisdruck bei Agrarprodukten erfordert ein konsequentes Kosten- und Risikomanagement. Die zunehmenden gesetzlichen Auflagen im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion müssen erfüllt werden und verlangen viele Dokumentationsaufgaben. Hier gilt es, in der Theorie und Praxis sich immer auf dem Laufenden zu halten. Dies ist eine zentrale Managementaufgabe.“

Für Dörte und Mike Steffens bedeutet der Besuch des bus-Seminars, das mehrere Module in einem Zeitraum von fünf Jahren umfasst, viel mehr als bloße Wissensvermittlung. „Wir haben zwei Module pro Jahr. Es sind immer dieselben Teilnehmer. Dabei entsteht ein fester Zusammenhalt unter den Teilnehmern und man kann richtig gut netzwerken“, sagt Steffens. Dazu gibt es Betriebsbesichtigungen, bei denen man gemeinsam sieht, ob es Fortschritt gegeben hat und ob die Seminarinhalte umgesetzt wurden. „Unser bus-Seminar geht noch bis 2019. Danach kann man auch noch das bus-plus-Seminar machen. Wir werden auf jeden Fall dabei sein.“

Hannes Lintschnig

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