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MEDIZINTECHNIK Ein zukunftsfester Wirtschaftszweig Medizintechnische Unternehmen in der Region schreiben Erfolgsgeschichten.

MEDIZINTECHNIK Ein zukunftsfester Wirtschaftszweig Medizintechnische Unternehmen in der Region schreiben Erfolgsgeschichten.

Wachsende Umsätze, mehr Arbeitsplätze: Medizintechnische Unternehmen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land. Doch viele Firmen klagen über zu lange Wartezeiten bei Zertifizierungen.

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Inkubatorsystem der Firma LMT. Medizintechnik aus der Region wird in die ganze Welt geliefert. Eine breite Unternehmerbasis und eine vollständige Wertschöpfungskette bieten beste Voraussetzungen.

Quelle: Fotos: Lmt, Foxaon/fotolia

Hannes Lintschnig

„Die Medizintechnik ist in Norddeutschland traditionell

stark verankert. Seit Jahrzehnten sind hier kleine und

mittelständische, aber auch internationale Großkonzerne ansässig. Die starke Basis der Branche bilden aber die klein- und mittelständischen Unternehmen.“

Simone Hauck

Sprecherin von Life Science Nord

In diesem Jahr wollen sie ihr 100. Gerät verkaufen. Als die Lübecker Firma „LMT Medical Systems“ vor 15 Jahren gegründet wurde, konnten Frühgeborene noch nicht mit der Magnetresonanztomographie (MRT) behandelt werden. „Für deutlich zu früh geborene Kinder, die in einem stationären Inkubator untergebracht werden, wäre die MRT-Behandlung viel zu belastend gewesen. Sie müssten ihren Inkubator verlassen“, sagt Torsten Lönneker-Lammers, Geschäftsführer der Firma. Mit dem MR-tauglichen Inkubatorsystem ist dies nun möglich. Erkrankungen der inneren Organe oder Hirnschäden können dadurch schneller erkannt werden. Weltweit ist die Lübecker Medizintechnik-Firma die einzige, die dieses Produkt anbietet. Die Geräte wurden unter anderem an Kinderkliniken in Deutschland und den Niederlanden sowie in die USA, Kanada, Russland oder Katar verkauft. Rund 250 000 Euro kostet ein MR-Inkubatorsystem. „Im nächsten Jahr wollen wir auch Geräte nach China und Japan verkaufen“, sagt Lönneker-Lammers.

Es ist nicht die einzige Erfolgsgeschichte, die medizintechnische Unternehmen in Norddeutschland schreiben. Nach Angaben des Branchennetzwerks Life Science Nord gibt es etwa 250 Unternehmen der Medizintechnik in Schleswig-Holstein und Hamburg, die 2014 rund 12 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet haben. Das Exportvolumen im selben Jahr betrug rund sechs Milliarden Euro, was mehr als acht Prozent vom Exportvolumen der Gesamtwirtschaft der beiden Bundesländer darstellt. „Die Medizintechnik ist in Norddeutschland traditionell stark verankert. Seit Jahrzehnten sind hier kleine und mittelständische, aber auch internationale Großkonzerne ansässig. Die starke Basis der Branche bilden aber die klein- und mittelständischen Unternehmen“, sagt Simone Hauck, Sprecherin von Life Science Nord.

Von künstlichen Kniegelenken über Beatmungs- und Anästhesiegeräten bis zu technischen Lösungen zur Patientenüberwachung werden im norddeutschen Raum zahlreiche medizintechnische Produkte hergestellt und in die ganze Welt verkauft. Das schafft Arbeitsplätze: Im Jahr 2013 waren in Schleswig-Holstein laut der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) mehr als 7600 Frauen und Männer in der Branche beschäftigt. 2009 waren es noch knapp 7000 Beschäftigte.

Ebenso stark ist der Umsatz der Branche in Schleswig-Holstein gewachsen: von 1,2 Milliarden Euro in 2009 auf knapp zwei Milliarden im Jahr 2013. Der Wirtschaftszweig stellte in diesem Jahr 6,25 Prozent der Beschäftigten des verarbeitenden Gewerbes, ihr Anteil war damit gut viermal so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Im Kieler Wirtschaftsministerium freut man sich besonders darüber, dass sich auch immer wieder kleinere Unternehmen auf dem Markt etablieren. Das Minsterium verweist etwa auf das Kieler Unternehmen Element 22 GmbH – das Unternehmen arbeitet erfolgreich an der Serienfertigung von Implantaten für die Medizintechnik aus Titanwerkstoffen.

In Schleswig-Holstein ist die Medizintechnik schon seit langem stark vertreten. „Hier herrschen hervorragende Bedingungen für die Branche, da eine breite Unternehmensbasis mit einer vollständigen Wertschöpfungskette vorhanden ist“, sagt Life Science Nord -Sprecherin Hauck: Die Bandbreite der Branche reicht von der Grundlagen- und angewandten Forschung über klinische Studien, Technologietransfer zur Nutzbarmachung der Innovationen für die Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb.“ Und die Firmen werden unterstützt: Die WTSH und Life Science Nord organisieren beispielsweise für kleine und mittlere Betriebe Gemeinschaftsstände bei internationalen Messeauftritten und helfen so bei der Vermarktung der Produkte.

Ein weiterer Faktor, der den Standort Schleswig-Holstein für Medizintechnikunternehmen sehr attraktiv mache, sei der Zugang zu hochqualifiziertem Personal der Universitäten und Fachhochschulen im Land. „Hinzu kommt eine sehr gute Forschungslandschaft, die durch vielfältige Kooperationen mit der Industrie gekennzeichnet ist“, sagt Hauck. Auch Torsten Lönneker-Lammers hat den Sitz seiner Firma nicht zufällig gewählt: „Die Kooperation mit der Universität zu Lübeck und der Fachhochschule ist uns sehr wichtig gewesen. Die Bedingungen in Lübeck sind wirklich ideal.“

Die Hansestadt hat einen besonderen Stellenwert in der Medizintechnik in Schleswig-Holstein. Der Beschäftigtenanteil in der Medizintechnik übersteigt den Bundeswert hier um das Vierfache. Etwa 80 Prozent der in Schleswig- Holstein bei der Herstellung von medizinischen Apparaten erzielten Umsätze (jährlich über 1,5 Milliarden Euro) entfallen auf den Bezirk der IHK zu Lübeck (Hansestadt Lübeck sowie die Kreise Stormarn, Ostholstein, Segeberg und Herzogtum Lauenburg). Daran hat das Medizintechnik- und Sicherheitsunternehmen Dräger einen gehörigen Anteil. Mit 1700 Mitarbeitern am Standort Lübeck gehört Dräger zu den größten Arbeitgebern in der Region – und zwar schon seit 1889. Mit allem Stolz kann das Unternehmen behaupten, in nahezu jedem Krankenhaus auf der Welt mit seinen Produkten vertreten zu sein. Weltweit arbeiten mehr als 6000 Menschen für den börsennotierten Konzern und Dräger hat Vertretungen in über 190 Ländern.

Auch in Zukunft soll die Medizintechnikbranche in Norddeutschland noch weiter wachsen. Die Chancen stehen nicht schlecht. „Grundsätzlich ist die Medizintechnik innerhalb der Gesundheitswirtschaft eine Branche mit guten Zukunftsaussichten“, sagt Dirk Hermsmeyer, Referent im Bereich Innovation und Umwelt bei der IHK zu Lübeck. Der demografische Wandel, der medizinisch-technische Fortschritt und der allgemeine Trend zu einer gesünderen Lebensweise sprechen dafür.

Es gibt aber auch Probleme in der Branche. „Es besteht die Gefahr, dass zunehmend strenge und vor allem unübersichtliche regulatorische Anforderungen dazu führen werden, dass sich Innovationen aufgrund der damit verbundenen hohen Kosten künftig immer schwerer am Markt werden behaupten können“, sagt Hermsmeyer.

Life Science Nord und die IHK zu Lübeck haben im Herbst vergangenen Jahres eine Befragung bei medizintechnischen Unternehmen durchgeführt. Im Zentrum der Umfrage steht das sogenannte Konformitätsbewertungsverfahren für Medizinprodukte. Denn die Unternehmen müssen ihre Produkte bei staatlich benannten und überwachten privaten Prüfstellen zertifizieren lassen. Zwar sind die befragten Firmen mehrheitlich mit der Zusammenarbeit mit den benannten Stellen zufrieden. Allerdings kritisierten die Unternehmen die langen Wartezeiten bis zur Zertifizierung und bemängelten Punkte wie Transparenz und Kommunikation von Seiten der Prüfstellen.

Hermsmeyer: „Insbesondere kleine Unternehmen und Start- ups werden hierunter zu leiden haben.“   •

LN

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