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Pluspunkte für die Gesundheit

KRANKENKASSEN Pluspunkte für die Gesundheit

Etwas für die eigene Gesundheit tun und dabei kassieren: Das Prinzip der Bonusprogramme der Krankenkassen klingt verlockend. Hält es, was es verspricht?

„Viele Bonusprogramme sind weniger attraktiv, als es auf den ersten Blick den Anschein hat“, sagt Vivien Rehder, Pressesprecherin der Verbraucherzentrale Schleswig- Holstein. Nicht selten sei der Aufwand für die Versicherten hoch. Zudem müssten sie in Vorleistung gehen, um sich Geld, Sachpreise oder Gutscheine zu sichern. „Die Krankenkassen werben mit den höchsten Prämien, die aber schwer zu bekommen sind. Um Prämien im Wert von mehreren hundert Euro im Jahr zu bekommen, müsste man so viele Nachweise bringen, dass dies selbst für sehr sportliche und gesundheitsbewusste Menschen schwierig wird“, erklärt Rehder. Es koste viel Zeit, gleich mehrere Sport- und Präventionskurse zu belegen, die ihrerseits Geld kosten. Grundsätzlich schade es aber nicht, an Bonusprogrammen der Krankenkassen teilzunehmen: „Wer es nicht schafft, die geforderten Nachweise zu bringen, hat keinen Nachteil dadurch.“

Was bis vor einem Jahr noch individuelle Entscheidung der Krankenkassen war, ist mit dem neuen Präventionsgesetz und dessen Verabschiedung im letzten Juli nun Pflicht für die Krankenkassen.

„Zukünftig wird diese – bisher als Möglichkeit der Krankenkassen vorgesehene – Regelung (,Kann-Regelung’) als ,Soll-Regelung’ ausgestaltet werden“, heißt es auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums zu den Bonuszahlungen. „Durch diese verbindlichere Gestaltung soll gesundheitsbewusstes Verhalten verstärkt belohnt werden.“

Nach § 65a SGB V sollen die Krankenkassen dabei selbst festlegen, unter welcher Voraussetzung Versicherte Anspruch auf eine Bonuszahlung haben, wenn sie an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen, sich impfen lassen oder Maßnahmen zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken beziehungsweise zur Gesundheitsförderung ergreifen. Zu letzterem zählen etwa Kurse zur Bewegung, gesunden Ernährung, Stressbewältigung oder Reduzierung von Nikotin und Alkohol sowie zertifizierte Sportkurse beziehungsweise eine entsprechende Mitgliedschaft in Fitnessstudios, eine Teilnahme an Sportveranstaltungen und Sportabzeichen.

Nur wenige Versicherte

nutzen Bonusprogramme

Welche qualitätsgesicherten Kurse dabei für die Versicherten der Barmer GEK in Frage kommen, können diese aufgelistet für einzelne Regionen auf der Homepage der Krankenkasse erfahren. Für Lübeck werden dabei über hundert Kurse angegeben, von Aquafitness über Pilates und Yoga bis zur Rückenschule, bei Vereinen, Gesundheitszentren oder in Fitnessstudios. Bestätigen lässt sich eine entsprechende Teilnahme und die damit gesammelten Punkte auf der Bonuskarte aber offenbar nur ein geringer Teil der Versicherten.

„Im vergangenen Jahr nutzten bundesweit rund 600 000 Versicherte das Programm. Das entsprach rund sieben Prozent der Versicherten der Barmer GEK“, sagt Axel Wunsch, Pressesprecher der Krankenkasse. Für Schleswig- Holstein gehe man von einem gleichen Nutzerverhalten aus. Bereits seit 2004 bietet die Barmer GEK ihren Versicherten das Bonusprogramm „aktiv pluspunkten“ an. „Im Jahr 2015 schütteten wir rund acht Millionen Euro für Prämien aus“, so Wunsch. Wie hoch dabei die Prämie für den einzelnen Teilnehmer am Bonusprogramm ausfalle, richte sich natürlich nach dem individuellen Engagement.

Ab 500 Punkten gibt es bei „aktiv pluspunkten“ eine Prämie. Wenn zum Beispiel ein Jugendlicher an einer Jugendgesundheitsuntersuchung teilnimmt, erhält er dafür 250 Punkte. Die gleiche Punktzahl bekommt er für die aktive Mitgliedschaft im Sportverein. Bei Erwachsenen ist letztere 150 Punkte wert, ebenso die Mitgliedschaft im Sportverein oder die Teilnahme an Bewegungskursen. Nach Anmeldung fürs Programm und Einreichen der Bonuskarten gibt es für 500 Punkte etwa Zitruspresse, Fitnessmatte oder Fußball, für 1000 Punkte beispielsweise Babyphone oder Longboard. Alternativ zu Sachprämien seien eine 30 Euro-Geldprämie oder eine 50 Euro-Zuschussprämie für eine individuelle Gesundheitsleistung wie professionelle Zahnreinigung, osteopathische Behandlung, Akupunktur oder Sehhilfe möglich, sagt Alexander Wunsch.

Etwas anders funktioniert das Bonusprogramm der DAK-Gesundheit, mit rund sechs Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse in Deutschland nach der Barmer GEK (8,4 Millionen Versicherte) und der Techniker Krankenkasse (9,7 Millionen Versicherte). Laut Sönke Krohn, Pressesprecher der DAK-Gesundheit für Schleswig-Holstein, nahmen dort bundesweit im ersten Halbjahr 2016 mit rund 332 000 Personen etwa sechs Prozent der Versicherten an dem Programm teil.

Erwachsene, die dabei sportlich aktiv werden, erhalten je nach Kursus fünf bis 15 Punkte, wobei ein Punkt einen Euro wert ist. „Den Gegenwert der gesammelten Bonuspunkte können sich Teilnehmer als Barprämie auszahlen lassen“, sagt Krohn, „oder um 20 Prozent steigern und sich dafür besondere Gesundheitsleistungen wie beispielsweise Osteopathie, professionelle Zahnreinigung oder Impfungen für einen Auslandsurlaub bezuschussen lassen.“ Im „Aktiv Bonus“ seien dabei jährlich 35 Euro Barprämie möglich, die Zuschusszahlung könne höher ausfallen.

Ausgaben der Kassen für

Prämien sind insgesamt

gestiegen

Sich im Fitnessstudio anmelden, Bonusheft ausfüllen und dann entlohnen lassen – so einfach läuft es dann eben doch nicht. Zumal zu beachten ist, dass die Punkte rechtzeitig gesammelt und eingereicht werden. Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät Versicherten, zunächst zu klären, wie lange das Bonusprogramm ihrer Kasse läuft, etwa über ein Kalenderjahr oder über zwölf Monate ab Anmeldung. „Das handhaben die Kassen unterschiedlich“, sagt sie, „und wer erst spät im Kalenderjahr beginnt, hat unter Umständen weniger Zeit, um Bonuspunkte zu sammeln.“ Wichtig sei auch die Information, bis wann das Bonusheft eingereicht werden muss – auch da gibt es Unterschiede.

Entsprechend nüchtern werden die Programme denn auch bei Fitness- und Gesundheitsstudios gesehen. „Wir bieten momentan noch keine Präventionskurse an und arbeiten auch mit keiner Krankenkasse zusammen“, heißt es nur knapp aus der Presseabteilung bei McFIT und seitens des Bundesverbandes Gesundheitsstudios Deutschland (BVGSD): „Einige unserer Verbandsmitglieder haben Kooperationen mit Krankenkassen geschlossen. Normalerweise sind pro Fitnessstudio ein bis zwei solcher Vereinbarungen existent, so dass in der Regel nur ein Bruchteil der Mitglieder von solchen Programmen profitieren kann.“

Der Grund hierfür liege in der Tatsache, dass der Aufwand für den Studiobetreiber, mit 50 oder mehr Krankenkassen Einzelvereinbarungen zu treffen, nur damit pro Krankenkasse eine Hand voll Studiomitglieder die entsprechenden Vorteile nutzen können, zu aufwändig sei, so Marcus Willems aus der Geschäftsstelle des BVGSD. „Das ist sicher kein Beweggrund einzutreten“, meint zudem Melanie Baum von der Kieser Training AG mit Blick auf die Bonusprogramme. Zwar sei der entsprechende Eintrag ins dazugehörige Heft unkompliziert, der Stempel dann aber eben auch nur einer unter vielen.

Belohnt wird eben nur, wer einen gewissen Aufwand betreibt. Und auch wenn die Prämie für den Einzelnen dabei nicht unbedingt riesig ausfällt, so ist in den letzten Jahren insgesamt eine Steigerung der Ausgaben dafür zur verzeichnen. Laut dem GKV, Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, betrug die Summe für Boni an Versicherte und Arbeitgeber im vergangen Jahr 377 Millionen Euro. 2012 waren es 212 Millionen Euro.   •

Britta Kessing

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