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Raus aus der Talsohle

CHINA Raus aus der Talsohle

Nach einem beispiellosen Aufschwung hat sich China in wenigen Jahrzehnten in die Riege der ökonomisch stärksten Nationen weltweit eingereiht. Lief es zuletzt nicht mehr ganz so rund, so scheint sich die Wirtschaft jetzt wieder zu fangen.

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Hafen von Shanghai: Wenn es um einfache Produkte geht, ist China im internationalen Vergleich kaum schlagbar. Doch dem Handel stehen für ausländische Unternehmen vor allem Copyright-Probleme gegenüber.

Quelle: Fotolia /zhu D.

 

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China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas bedeutendster Handelspartner in Europa. Aber die Volksrepublik betrachtet Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als wichtigen strategischen Partner. Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, forschungs- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen.

Chinas wirtschaftlicher Aufstieg ist beispiellos. Seit 2010 ist das Land die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt China mit rund 5000 Euro im weltweiten Mittelfeld. Zudem hält China bis heute die weltweit höchsten Devisenreserven.

Doch in den vergangenen Jahren erhielt die Entwicklung einen Dämpfer. Die Zahlen für 2015 belegten eine schwächelnde Dynamik, insbesondere vom industriellen Sektor gingen keine Impulse aus. Für 2016 erwartete die Regierung ein Wachstum von 6,5 bis 7 Prozent – angesichts der Probleme im Wohnungsbau und bestehender Überkapazitäten vor allem in der Schwerindustrie ein sehr optimistischer Wert. Und tatsächlich sank das Wachstum im ersten Halbjahr 2016 mit 6,7 Prozent auf seinen niedrigsten Wert seit zwei Jahrzehnten.

Die schlechten Handelsbilanzen haben in China Sorgen geschürt. Doch das Niveau bleibt hoch. So hat sich chinesische Außenhandel in den letzten 12 Jahren mehr als verzehnfacht. Die chinesischen Exporte sanken zwar 2015 um 2,9 Prozent (gegenüber einem Anstieg 6,1 Prozent im Jahr 2014 ), die Importe sogar um 14,2 Prozent (gegenüber einem Plus von 0,4 Prozent 2014). Der Handelsbilanzüberschuss betrug dabei im selben Jahr rund 593 Milliarden. US-Dollar (plus 55,2 Prozent). Doch China bleibt damit Exportweltmeister vor den USA und Deutschland.

Größter Absatzmarkt für chinesische Güter sind auch 2015 allerdings die USA. Dorthin lieferte China fast 18 Prozent seiner Waren. Die EU ist der zweitwichtigste Markt. Nach Deutschland gingen rund 3 Prozent der chinesischen Produkte – damit ist die Bundesrepublik viertwichtigstes Abnehmerland chinesischer Waren.

Für Ängste sorgt in der Volksrepublik neben dem eingenickten Wachstum aber auch eine Zukunftsaussicht: Prognosen sagen, dass das Land, in dem lange die Ein-Kind-Politik verordnet wurde, noch mehr als andere Länder unter dem demographischen Wandel leiden werde; deutlich weniger Menschen werden zukünftig für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das Wachstumspotenzial werde demzufolge mittel- und langfristig niedriger ausfallen.

Vor diesem nach Jahren des rasanten Wachstums eingetrübten wirtschaftlichen Hintergrund hat sich Peking zuletzt auf die Fahnen geschrieben, mit mehr Innovation, Nachhaltigkeit und Qualität einen neuen Wachstumspfad einzuschlagen. Das strategische Industrieentwicklungsprogramm „China 2025“ kann man als Kampfansage an das internationale Innovations- und Technologie-Establishment interpretieren. Das Papier skizziert Chinas Marschroute an die industrielle Weltspitze. Wer künftig Weltmarktführer bleiben oder werden will – ob aus- oder inländisch – dürfte demnach an „Made in China 2025“ und seinen Ergebnissen nicht vorbeikommen.

Zwar scheint es formal durchaus Aussichten zu geben, dass sich die rechtlichen Bedingungen für den Handel mit China verbessern – zuletzt durch den Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001. Ende 2013 fiel zudem der Startschuss für Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen zwischen der EU und China, das neben Regelungen für einen ehrgeizigen Investitionsschutz auch wichtige Marktzugangsbestimmungen enthalten soll. Und Ende des vergangenen Jahres erzielten die Verhandlungspartner eine grundsätzliche Einigung auf die Reichweite eines solchen Abkommens.

Gleichwohl haben sich aus internationaler Sicht viele Erwartungen an China nicht erfüllt. Eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen bleibt weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle, der Zugang zu vielen Sektoren ist nach wie vor problematisch.

Und die Notwendigkeit von Entgegenkommen gegenüber internationalen Partnern ist aus chinesischer Sicht zuletzt wieder gesunken. Die wirtschaftliche Lage hat sich merklich entspannt.

In den vergangenen Monaten mehrten sich die Anzeichen, dass die Ökonomie sich wieder erholt. Er sehe „positive Veränderungen und viele Lichtblicke“, besonders in der Realwirtschaft, sagte Sheng Laiyun, Sprecher des statistischen Amtes, bei der Vorlage der Wirtschaftsdaten für den Monat August. Besonders deutlich zeigten sich die positiven Veränderungen im Außenhandel. Zwar liegen die Exporte von Januar bis August insgesamt noch um ein Prozent und die Importe um 2,9 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Doch allein im August stiegen die Einfuhren um 10,8 Prozent und die Exporte um 5,9 Prozent über den Vorjahresmonat.

Sprecher Sheng führte die Wende der Exporte auf eine „belebtere“ Weltwirtschaft zurück. Die starke Binnennachfrage treibe die Importe an, seine Landsleute kauften wieder mehr ein. So stieg im August die Nachfrage nach Verbrauchsgütern um 10,6 Prozent, 0,4 Prozent mehr als im Juli. Auch die Industrieproduktion stieg wieder auf 6,3 Prozent, 0,3 Prozent über den Juliwert.

Einer, der die chinesische Industrie aus eigener Erfahrung kennt, ist Joachim Wilczek, Inhaber von CTS Composite Technologie Systeme GmbH aus Geesthacht. Seit 25 Jahren ist das Unternehmen in China engagiert. An vier Standorten im Großraum Shanghai lässt Wilczek heute Gitterroste produzieren. Mehr als hundert Arbeiter pro Werk produzieren mehr als Hunderttausend Quadratmeter pro Jahr. Mit steigender Tendenz.

In China locken die geringen Personalkosten. „Wir können wegen des Lohnniveaus in Deutschland nicht produzieren“, sagt Wilczek. China sei im internationalen Vergleich ausgesprochen billig, wenn es um einfache Verfahren geht.

Deshalb reist er regelmäßig in die Volksrepublik. Tuchfühlung sei bei dieser Art der Kooperation entscheidend, sagt er. Es reiche nicht, mit den Werken per E-Mail aus der Distanz Kontakt zu halten.

„Vier bis sechs mal pro Jahr müssen Sie dahin. Sie müssen mit den Leuten sprechen. Mit ihnen essen und trinken.“

Und gewisse kulturelle Hürden überwinden: „Man sollte sich zu benehmen wissen,“ sagt Wilczek. „Und zwar chinesisch.“ Es habe ihm von Anfang an geholfen, einfache, aber entscheidende Dinge in der Landessprache ausdrücken zu können. „Ich kann Guten Tag sagen und Danke. Aber auch: ,Sie sehen sehr gut aus heute’.“ Das helfe.

Obwohl es bei tiefer gehender Kommunikation heute weniger Sprachbarrieren gebe. „Die jungen Leute sprechen gut Englisch. Die Älteren nicht – aber die lassen übersetzen. Wir unterhalten uns dort nur auf Englisch.“

Eine gravierende Herausforderung ist dagegen der Umgang mit Urheberrechten.

Das Problem der Produktpiraterie ist nicht neu in China. Aber die Internationalisierung der Märkte verschärfe es noch, sagt der Geesthachter Unternehmer. Denn die Werke, mit denen Wilczeks Firma kooperiert, besuchen natürlich internationale Messen. Kunden könnten direkt bei ihnen kaufen – statt beim Entwickler CTS. „Aber wir wollen natürlich nicht, dass unser Wissen woanders angeboten wird.

Dass jemand sich mit fremden Federn schmückt.“ Doch dagegen gebe es wenige Mittel. „Ich habe keine Lust, die Chinesen in Shanghai zu verklagen.“

Sein Unternehmen gebe viel Know-how weg, sagt Wilczek. Er sei deshalb vorsichtig geworden. Und er wolle künftig versuchen, die Produktion nach Deutschland zurückzuholen.

„Aber bei den Standards werden wir wegen des niedrigen Lohnniveaus kaum um Asien herumkommen.“

Zumal China trotz des Abflauens seiner Wirtschaftsdynamik sicher weiter einer der ganz großen internationalen Player bleiben werde. „Die ökonomische Entwicklung in China wird weitergehen. Nur eben nicht so schnell.“   •

Oliver Schulz

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