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Risiko Grenzkontrollen

LEBENSMITTEL—LOGISTIK Risiko Grenzkontrollen

Über eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage wird diskutiert. Den Spediteuren würde sie eine Angst nehmen: Die drohende Schließung der Grenzen ist eine der größten Herausforderungen für die Transportbranche.

Leere Gemüsekisten in einem Lager: Verderbliche Ware ist für Spediteure angesichts drohender Grenzkontrollen eine besondere Herausforderung.

Quelle: P!xel 66 / Fotolia

Über 311 Millionen Tonnen nur an Nahrungsmitteln wurden 2015 über deutsche Straßen transportiert. Paletten mit Joghurt und Quark aus der Molkerei in der Region werden genauso per Lkw versandt wie Gemüse aus Holland oder Paprika aus Spanien.

Die Logistik von Lebensmitteln hat ihre ganz eigenen Regeln und wird hart umkämpft. Denn nicht nur Mindestlohn und Personalmangel machen den Spediteuren zu schaffen. Zudem drohen — trotz Entlastung durch den derzeit günstigen Dieselpreis — neue Kosten auf die Spediteure zuzukommen. Seit einige Länder wieder Kontrollen an ihren Grenzen einführen wollen, drohen dort Verzögerungen durch Staus und lange Warteschlangen.

Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) hat ausgerechnet, dass die Speditionen bei anhaltenden Grenzkontrollen mit Mehrkosten von rund drei Milliarden Euro pro Jahr rechnen müssten. Zusätzliche Grenzkontrollen würden für die eng verzahnten internationalen Wertschöpfungs- und Lieferketten erhebliche Auswirkungen bedeuten, meint DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster: „Industrie und Handel müssten höhere Lagerbestände einrichten oder kurzfristig nationale Zulieferer mit der Versorgung beauftragen, was mit weiteren Kosten verbunden ist.“

Die Spediteure in Schleswig-Holstein würden dies erst in Ansätzen merken, meint Thomas Rackow, Geschäftsführer des Unternehmensverband Logistik Schleswig- Holstein (UVL-SH). Rund 500 Unternehmen mit knapp 10000 Mitarbeitern aus dem Norden sind hier Mitglied. Bis jetzt halten sich die Staus an der Grenze zu Dänemark noch im Rahmen. Man stehe im engen Kontakt mit den Kunden, um sofort reagieren zu können, sagt Rackow. „Teilweise werden Transporte nun nachts gefahren.“ Doch das ist nicht für alle die Lösung, denn nicht jeder Kunde könne seine Produktion oder Lager einfach in die Nachtstunden verlegen. „Das ist für jeden Betrieb ein einfaches Rechenbeispiel.“

In einem anderen Sektor sieht der UVL-SH allerdings Wachstumspotential: im Onlinehandel. Auslöser ist das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden. Das Angebot, Lebensmittel online zu bestellen und sich nach Hause schicken zu lassen, wird immer größer. Diese zusätzliche Transportkette von der Produktion zum Endverbraucher bedeute für die Logistikbranche eine neue Chance. „Das ist ein Trend, den wir unbedingt im Auge behalten müssen“, meint Rackow. Ein neuer Markt käme der Logistikbranche gut zupass. Speditionen müssen sich weiter spezialisieren, um langfristig zu überleben, meint Rackow. „Da müssen wir uns anpassen.“

Viele Speditionen bieten mittlerweile immer mehr Dienstleistungen an, die über den reinen Transport von fertig verpackten und palettierten Lebensmitteln hinausgehen. Sie lagern und konfektionieren oftmals selbst. So wie bei der Spedition Bode in Reinfeld. Das Unternehmen verfügt über 38200 Quadratmeter Hallenfläche. Ein Teil davon sind temperaturgeführte Lager mit unterschiedlichen Kältebereichen. So können hier Tiefkühlwaren bis minus 25 Grad genauso aufbewahrt werden wie verpackte, palettierte Lebensmittel, die bis zu sechs Grad gelagert werden können. Seit neuesten darf sich Bode sogar mit einem neuen Standard schmücken: Seit Anfang des Jahres ist das Reinfelder Unternehmen im Rahmen der „International Featured Standards (IFS)“ als zugelassener Logistikdienstleister im Bereich temperaturgeführer Lebensmittel zertifiziert worden. Mit dieser Zertifizierung erfüllt der Logistiker eine Anforderung, die von immer mehr Kunden gestellt wird und Transparenz in der gesamte Lieferkette schaffen soll. „Die Speditionen müssen sich den geänderten Wünschen der Kunden anpassen“, sagt auchThomas Rackow.   •

Von Majka Gerke

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