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Von Wurstwaren bis zu Geschenkartikeln

EINKAUFEN AUF DEM BAUERNHOF Von Wurstwaren bis zu Geschenkartikeln

Eine große Scheune aus rotem Backstein und schwarzen Fachwerkbalken mitten im beschaulichen Ivendorf nahe Travemünde. Hier haben Birthe und Klaus-Günter Thorn ihren Hofladen.

Gemüse für alle: Viola Göpel, Daniel Fitsch und Martin Piper (v. li.) vor einem der Folientunnel.

Eine große Scheune aus rotem Backstein und schwarzen Fachwerkbalken mitten im beschaulichen Ivendorf nahe Travemünde. Hier haben Birthe und Klaus-Günter Thorn ihren Hofladen. Seit mehr als 20 Jahren verkauft das Ehepaar dort nicht nur Schweinefleisch aus eigener kontrollierter Aufzucht, Geflügel aus Freilandhaltung, Schinken und Wurstspezialitäten. Hier gehen auch Gemüse, Obst, Säfte, Marmelade, Nudeln, Honig, kleine Geschenkartikel, frischer Spargel oder frischgepflückte Heidelbeeren über den rustikalen Tresen.

Angefangen hat es ganz klein mit Wurstwaren und Schweinefleisch. Ein Lebensmittelskandal, der in den1990ern die Verbraucher aufrüttelte, bescherte ihnen die ersten Kunden. „Damals waren unsere Kinder noch im Kindergarten, als uns ein paar Eltern ansprachen, ob wir eigentlich unsere Schweine auch schlachten und selber Wurst machen“, erzählt Klaus-Günter Thorn. Einmal angeboten, fand diese dann reissenden Absatz, so dass die beiden Ivendorfer überlegten, eine Ecke ihrer Scheune als Hofladen herzurichten. „Früher wurde hier Heu und Stroh gelagert, heute verkaufen wir Wurst und Gemüse“, erzählt Birthe Thorn. Seitdem ist der Laden ständig gewachsen. „Wir investieren laufend in den Betrieb.“

Dabei war die Idee nicht neu. „Landwirte haben auch früher schon Kartoffeln oder Eier verkauft“, sagt Klaus-Günter Thorn. Ein Hofladen müsse allerdings ins Betriebskonzept passen. Denn wer als Landwirt nur auf Getreide und Ackerbau setzt, ist wetterabhängig – oftmals ein Risiko. Viele Höfe hätten sich spezialisiert, um zu überleben, sagt der Ivendorfer Landwirt. Entweder man wächst und investiert. Oder sucht neue Wege. „Mit zwei oder drei Betriebszweigen sichert man sich ab, dann kann man mehr kompensieren.“

So setzen die Thorns nicht nur auf die Schweinezucht, den Anbau von Getreide und Raps, den Weihnachtsbaumverkauf zur Weihnachtszeit. Auch der Heidelbeeranbau und die Vermietung einer Ferienwohnung und einer Scheune für Hochzeitsfeiern oder Vereinsfeste gehört bei den Thorns ins Konzept. In der Kalkulation ist die Eigenvermarktung von Produkten über den Laden heute ein wesentlicher Bestandteil des Hofs mit seinen rund 100 Hektar, den die Thorns mittlerweile gemeinsam mit Sohn Klaus-Marten führen. Beim Hofladen hat Birthe Thorn klar das Sagen. Gemeinsam mit bis zu fünf Mitarbeitern steht sie hier dreimal die Woche hinter dem Tresen. Während der Spargel- oder Weihnachtszeit sogar täglich.

Die Auswahl an Produkten ist über die Jahre stetig gewachsen. Ob nun die selbstgemachte Wurst, der Honig von einem befreundeten Imker, der seine Bienen im Thorn'schen Raps fliegen lässt oder das leckere Brot aus dem Lübecker Freibackhaus: Sie haben einen guten Kontakt zu anderen Erzeugern in der Region, man tauscht sich untereinander aus. So könne man den Kunden den Wunsch nach nachhaltig und lokal erzeugten Produkten erfüllen. „Um einen Hofladen zu führen braucht man allerdings auch eine gewisse Leidenschaft, Überzeugung und Spaß. Und man muss hinter den Produkten stehen.“

Die Kunden kommen nicht nur aus dem Lübecker Umland, auch viele Touristen nutzen den Hofladen. Werbung macht Thorn wenig, er setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wer einmal hier eingekauft hat, kommt wieder“, ist Thorn überzeugt. Den Schritt in Richtung Hofladen haben die Thorns nie bereut. Der Punkt aufzugeben kam bei ihnen nie, im Gegenteil. „Bei Lebensmittelskandalen gab Zeiten, da wurden wir quasi überrannt.“

Trotzdem ist das Überleben der Hofläden schwieriger geworden. „Einige Höfe haben ihre Läden zugemacht, die Anzahl sinkt deutlich“, sagt Klaus-Günter Thorn. Das liegt nicht nur an der Verfügbarkeit von Bioprodukten in den normalen Supermärkten. Sondern auch am verschobenen Kaufverhalten der Kunden, hat Klaus-Günter Thorn ausgemacht. „Die ursprünglichen Hofläden haben dann das Nachsehen.“

SOLIDARISCHE LANDWIRTSCHAFT

Wirtschaften mit dem eigenen Kreislauf

Einen neuen Weg in der Landwirtschaft gehen Martin Piper, Viola Göpel und Daniel Fitsch mit ihrem Hof Hollergraben, der eingebettet mitten in der Holsteinischen Schweiz in der Nähe von Schönwalde liegt. Sie setzen seit März 2016 auf die so genannte Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) und so auf eine verantwortungsvolle und lebendige Art der Bewirtschaftung.

Hier werden die Erträge nicht über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen Wirtschaftskreislauf mit den Mitgliedern, die sich der SoLawi angeschlossen haben. Dahinter steckt die Idee, gemeinschaftlich einen Hof oder ein Stück Land zu tragen. Jedes Mitglied unterstützt so den Hof mit einem monatlichen Betrag und erhält dafür im Gegenzug einen Ernteanteil der Produkte. Rund 150 Höfe und 95 Initiativen haben sich bundesweit im Netzwerk Solidarische Landwirtschaft zusammengetan – Tendenz steigend.

Nicht nur für die Verbraucher ist die SoLawi ideal, wissen sie so doch genau, wo die Lebensmittel herkommen, auch der Landwirt profitiert davon, kann er doch mit regelmäßigen Einnahmen rechnen. 80 Euro zahlen die Mitglieder vom Hof Hollergraben derzeit. „Das ist keine fiktive Zahl, sondern basiert auf den Kosten des Betriebs, unter anderem für Pacht oder Saaten. Bei uns wird Transparenz groß

geschrieben“, sagt Martin Piper. 60 Ernteanteile haben sie momentan vergeben. Bis zu 80 sollen es dieses Jahr noch werden. Die Mitglieder der SoLawi vom Hof Hollergraben können sich dafür einmal die Woche mit frischen Produkten bei Piper, Göpel und Fitsch eindecken.

Die gelernten Landwirte und Gärtner bauen für ihre Mitglieder auf zwei Hektar hauptsächlich Gemüse an. Rund 80 verschiedene Kulturen mit 200 Sorten, alles biologisch-dynamisch und nach Demeter-Richtlinien angebaut, wachsen auf den Äckern und unter den Folientunneln. Zu quasi jeder Jahreszeit wird geerntet. „Wir setzen so nicht auf ein Pferd, sondern auf viele.“ Die restlichen 21 Hektar des Hofs Hollergraben ist Ackerland und Grünland für die ständig wachsende Kuhherde. So wollen die Bauern später das Angebot mit Milch und Milchprodukten erweitern. Auch ein paar Hühner der Rasse New Hampshire leben auf dem Hof. Ihre Eier ergänzen das Gemüseangebot. Viel Arbeit für die Landwirte, die den Hof zu dritt betreiben und großen Wert darauf legen, ohne Dünger und Bodenhilfsstoffe zu arbeiten. Gedüngt wird stattdessen mit hofeigenem Mist und Kompost oder sie arbeiten Gründungspflanzen ein.

Die Mitgliedersuche für die Solidarische Landwirtschaft gestaltete sich anfangs schwierig. Die ländliche Lage des Hofs mitten in Ostholstein ohne Anschluss an eine der größeren Städte im Umland sei nicht ideal, sagt Piper. Zudem besteht viel Erklärungsbedarf, zu neu und unbekannt ist die Idee. Doch wer sich für eine Mitgliedschaft entscheidet, ernährt sich meist bewusst und bevorzugt regional erzeugte Bio-Produkte. „Jeder Lebensmittelskandal spielt uns in die Hände. Wer einmal einen Probeabholungstag mitgemacht hat, kommt später wieder“, sagt er.

Mittlerweile haben sie eine Ausgabestelle in Eutin, wohin sie einmal die Woche für zehn Mitglieder fertige Gemüsekisten liefern, eine Ausgabestelle in Lübeck ist in Planung. Der Rest der Mitglieder kommt persönlich und sucht sich Freitags das Gemüse aus. Angebaut werden neben verschiedenen Sorten von Kartoffeln, Tomaten, Zucchini oder Gurken auch alte Sorten wie Spargelsalat oder Haferwurzeln. „Da liefern wir die Rezepte gleich mit.“ Die Idee der SoLawi stößt auch bei den Berufskollegen auf Interesse. „In der konventionellen Landwirtschaft rechnet sich oft nur das Prinzip ,Immer größer und immer mehr’. Das wird für viele Landwirte schwieriger. Seit wir die SoLawi anbieten, haben schon einige bei uns nachgefragt, wie wir alles planen und durchführen. Das finden die Kollegen schon spannend“, sagt Piper.

LN

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