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Wachsende Märkte, wachsende Probleme

NAHER OSTEN Wachsende Märkte, wachsende Probleme

Unübersichtlicher geht es kaum: Nach Aufhebung der EU-Sanktionen warten deutsche Unternehmen auf einen Markteintritt im Iran. In der Türkei macht sich nach dem Putschversuch Unsicherheit breit, im Irak erschwert der Terrorismus die Geschäfte.

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Skyline der iranischen Hauptstadt Teheran: Aus Deutschland werden besonders Maschinen und Anlagen, Kfz-Zulieferteile, Medizintechnik und Technologien für erneuerbare Energien in das asiatische Land verkauft.

Quelle: Anekoho / Fotolia

 

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Neben den schon lange andauernden Konflikten rund um Israel und die Palästinensischen Gebiete sowie im Irak hemmt seit 2011 besonders der Bürgerkrieg in Syrien die wirtschaftliche Entwicklung der Region des Nahen Ostens. Doch der Bedarf an Produkten aus dem Ausland, besonders an erneuerbaren Energien und Medizintechnik, aber auch an anderen Waren wie etwa Maschinen, ist in den Ländern des Nahen Ostens groß. Besonders der Iran steht bei deutschen Unternehmern gerade hoch im Kurs, sie wollen am hohen Wachstumspotential des 78-Millionen-Einwohner- Landes teilhaben.

„Iran befindet sich in einer Umbruchphase“, sagt Rene Harun, Geschäftsführer der deutsch-iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran. Nach der Aufhebung der EU-Sanktionen am 16. Januar dieses Jahres ist das Interesse deutscher Unternehmen, im Iran Geschäfte zu machen, groß. „Der Iran hat großen Modernisierungsbedarf – und zwar in allen Bereichen. Iran hat wirtschaftlich ein großes Potential. Im vergangenen Jahr betrug das Außenhandelsvolumen von Deutschland rund 2,4 Milliarden Euro, in diesem Jahr wird es voraussichtlich ein bisschen mehr. In den nächsten zwei bis drei Jahren könnte es sich bei etwa 5 Milliarden Euro und langfristig kann es sich sogar bei 10 Milliarden Euro einpendeln“, sagt Harun.

Und deutsche Produkte haben im Iran einen hervorragenden Ruf. „Made in Germany ist absolut ein Label! Was aus Deutschland kommt, ist zwar häufig teurer als die Konkurrenzprodukte zum Beispiel aus China, aber meist auch qualitativ besser – das wissen die Menschen. Deutsche Produkte sind sehr begehrt.“

Schließlich war Deutschland vor den Sanktionen der wichtigste Außenhandelspartner für den Iran – nach den Sanktionen wurde es China. Aus Deutschland werden momentan besonders Maschinen und Anlagen, Automobilzulieferteile aber auch Medizintechnik oder Technologien für erneuerbare Energien und anderes verkauft. „Wir haben im Moment einen regelrechten Ansturm an Anfragen von deutschen Unternehmen, die hier Fuß fassen wollen. Die Unternehmen wittern ihre Chance. In diesem Jahr war schon jedes deutsche Bundesland mit einer Wirtschaftsdelegation hier.“ Auch aus Schleswig-Holstein war kürzlich eine Delegation mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer vor Ort.

Rene Harun vergleicht die aktuelle Situation im Iran mit der in Russland in den 90er Jahren. „Ich sehe da deutliche Parallelen“, sagt Harun, der damals für die deutsch-russische Auslandshandelskammer gearbeitet hat. „Es ist hier eine ähnliche Aufbruchsphase wie in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion, die Strukturen sind sehr ähnlich.“ Aber nicht alles hat sich nach Aufhebung der Sanktionen sofort vereinfacht. „Trotz des Implementation Days im Januar sind wir heute ein bisschen ernüchtert, weil die Veränderungen nicht so schnell kamen wie erhofft. In vielen Fällen herrscht noch viel zu viel Bürokratie, außerdem sind auch immer wieder protektionistische Maßnahmen zu beobachten“, sagt Harun. „Besonders Firmen, die auch in den USA aktiv sind, verhalten sich wegen der bestehenden US-Sanktionen beim Markteintritt in den Iran vorsichtig. Es besteht Unsicherheit, die Firmen wollen keine Nachteile in ihrem US-Geschäft riskieren.“

Das Investitionshemmnis Nummer eins ist, dass direkte Finanztransaktionen immer noch nicht möglich sind. Man kann im Iran keine Kreditkarte nutzen und es ist sehr schwierig, Geld von außen in das Land einfließen zu lassen. „Das ist das drängendste Problem, vor dem wir stehen. Die Erwartung der deutschen Unternehmen vor Ort wird immer größer“, sagt Harun. Auch Christian Krüger, zuständig für den internationalen Vertrieb bei der Euroimmun AG, kennt die Zahlungsschwierigkeiten im Iran: „Die Finanztransaktionen sind bürokratisch, werden aber in Zusammenarbeit mit unserem dortigen Geschäftspartner, mit dem uns eine langjährige fast freundschaftliche Beziehung verbindet, noch gemeistert. Hier ist eine Verbesserung bei der Abwicklung aber dringend erforderlich.“

Auch im Nachbarland Irak haben deutsche Produkte ein hohes Ansehen. „Deutschland schöpft aus der Verlässlichkeit und der Qualität ihrer Produkte die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber vor allem asiatischen Lieferländern“, sagt Nisrin Khalil, Irak-Koordinatorin bei der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer. Die Exporte in den Irak sind vornehmlich Maschinen, Baumaschinen, Nutzfahrzeuge, Fahrzeuge und Produkte für Produktion und Verteilung der Elektrizität und dazu gehörige Ersatzteile. Im letzten Jahr wurden Waren im Wert von etwa 1 Milliarde Euro aus Deutschland in den Irak exportiert. Aus Schleswig-Holstein wurden 2015 Waren im Wert von über 23 Millionen Euro in den Irak geliefert.

Doch die Sicherheitslage im Irak erschwert internationale Geschäfte. „Die Wirtschaftsbeziehungen leiden unter der Doppelbelastung des Irak durch gefallene Ölpreise einerseits und Belastungen aus dem Krieg gegen den ‚Islamischen Staat'. Dies hat die Jahre 2014 und 2015 stark belastet und setzt sich in 2016 fort“, sagt Khalil.

Deutschen Unternehmern, die im Irak aktiv werden wollen, rät Nisrin Khalil, auf die Besonderheiten der orientalischen Kultur zu achten. „Es ist wichtig, mit den Geschäftspartnern auch persönlich eine solide Beziehungsebene zu haben. Die orientalische Kultur ist sehr beziehungsorientiert“, betont Khalil. Und besonders am Anfang der Geschäftsbeziehungen sollten gewisse Themen nicht angesprochen werden. „Um die Beziehungsebene möglichst störungsfrei zu halten, ist es ratsam vor allem zu Beginn von Geschäftsbeziehungen, politisch oder auch religiös sensible Themen zu meiden.“

In der Türkei sind die aktuellen politischen Entwicklungen Thema Nummer eins bei deutschen Unternehmen. Aus Schleswig-Holstein wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 255 Millionen Euro geliefert, mehr als zehn Prozent mehr als 2014. Deutschland ist für die Türkei hinter China der zweitwichtigste Handelspartner was die Importe angeht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast 11 Milliarden Euro aus Deutschland in die Türkei geliefert. Eigentlich hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit einem signifikanten Anstieg der deutschen Exporte in die Türkei von 5 bis 10 Prozent gerechnet. Nach dem Putschversuch im Juli dieses Jahres macht sich aber Ernüchterung breit. „Wir gehen bestenfalls noch von einer Stagnation der Ausfuhren aus“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

In einer Umfrage der Deutsch- Türkischen Außenhandelskammer zur aktuellen Situation in der Türkei zeigt sich, dass deutsche Unternehmen grundsätzlich positiv gestimmt sind. Über die Hälfte der Unternehmen würde ihre geplanten Investitionen immer noch umsetzen und auch anderen Firmen raten, in der Türkei zu investieren. Auch die Beratungsanfragen von deutschen Unternehmern, die in der Türkei aktiv werden wollen, haben sich nach einem kurzen Einbruch wieder auf das alte Niveau von etwa vier bis fünf Anfragen pro Woche eingependelt. Gleichwohl räumt AHK-Chef Jan Noether ein, dass es zum Beispiel durch die Säuberungen in Ämtern und Behörden zu Irritationen komme. Es gebe Verfahren, die bis zur Unterschriftsreife durchlaufen worden seien, „und dann ändern sich die Ansprechpartner“. Noether sieht die Rechtssicherheit in der Türkei komplett gewahrt, allerdings sollten deutsche Unternehmen Zahlungen prompt verlangen und Geldtransfers nicht in Zukunft verlagern.

„So könnten etwaige Zahlungsausfälle vermieden werden.“

Für Christian Krüger sind die Länder des Nahen Ostens Wachstumsmärkte. „Die Wirtschaft vom Iran, der Türkei oder auch Israel haben hohes Potential. Wir rechnen mit einem Wachstum unserer Geschäfte in einer Größenordnung von etwa 10 bis 20 Prozent“, sagt er. Als besondere Herausforderung sieht er die Teilhabe an einem Markt, der überproportional wächst. Allerdings sei der Mangel an technisch-wissenschaftlichem Fachpersonal auf Seiten der Geschäftspartner ein Problem, das das Verständnis von und den Umgang mit erklärungsbedürftigen Produkten erschwert.  

Hannes Lintschnig

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