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„We serve“

SERVICE-CLUBS „We serve“

Etwas elitär muten sie an – Rotary oder Lions-Club beispielsweise. Die internationalen Service-Clubs in unserer Region verbinden Ehrenamt und freundschaftliche Wirtschaftskontakte. Auch über den lokalen Tellerrand hinaus – sie sind regional, deutschlandweit und global vernetzt.

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Lokal verankert – global vernetzt: Ein Mitglied des Rotary Clubs von Antigua in Guatemala spricht mit einem Gemeindeleiter über die Projektkarte, aus der hervorgeht, wo ein Clean-Water- System für die Gemeinde gebaut wird.

Quelle: Fotos: Rotary International / Monika Lozinska, Dagmar Hennel

 

„Manch einer vermutet hinter einem Service-Club einen Geheimbund, eine Loge oder Bruderschaft oder gar eine Sekte“, berichtet Clubmitglied Dorothee Thomanek. Dem ist nicht so – auch wenn nicht jeder Mitglied werden kann. Rein kommt, wer sich engagieren will und ein „Macher“ in Schlüsselpositionen ist: Selbständig, Führungskraft oder Manager. Und wer von einem anderen Mitglied vorgeschlagen wird.

Die Hausfrau oder den angestellten Handwerksgesellen wird man deshalb in einem Service-Club vergeblich suchen. Dafür findet man Rechtsanwälte, Mediziner, Steuerberater, Doktoren und Professoren beispielsweise.

„Bildungshöhere Schichten sind in den Clubs weit überdurchschnittlich vertreten“, sagt Dorothee Thomanek vom SI-Club Kiel Baltica (2003 gegründet, 39 Mitglieder). SI steht für „Soroptimist International“. Es ist einer der rein weiblichen Service-Clubs. Dasselbe gilt für Zonta. Unternehmerinnen, Managerinnen, Ärztinnen sind in diesen Clubs Mitglieder. Dem stehen die oft männlich dominierten oder als reine Männerclubs gegründeten Service-Clubs wie Rotary, Kiwanis oder Lions gegenüber.

Wirtschaftliche Kontaktpflege sei, so beschreiben viele Mitglieder der Service-Clubs, nicht vordergründig bei ihrem Engagement. Es helfe aber, Mitglied zu werden oder zu sein. Man kennt sich, man vertraut sich. „Wenn einer meiner Tischbrüder einen Anwalt braucht, fragt er mich“, erzählt der Eutiner Dr. Moritz Hinz. Als der junge Anwalt nach dem Referendariat neu in die Stadt kam, half das Engagement im Round Table-Club, anzukommen und aufgenommen zu werden. Gesellschaftlich und auch wirtschaftlich.

Der Round Table 122 Malente / Eutin (gegründet 1982, 16 Mitglieder) ist einer von über 200 „Tischen“ von Round Table in Deutschland. Nach dem Motto „adapt, adopt, improve“ engagieren sich die Mitglieder für das Gemeinwohl. Alle selbstständig oder im oberen Management, alle vergleichsweise jung und männlich als Grundvoraussetzung. „Wir haben durch die Altersbeschränkung einen kontinuierlichen Abgang, man scheidet mit Erreichen des 40. Lebensjahres automatisch aus“, erzählt Hinz.

Damit scheint dieser Service- Club aber eine Ausnahme zu sein. So sind die Männer im

Kiwanis Club Bad Schwartau (1991 gegründet, 34 Mitglieder) im Schnitt 55 Jahre alt, die engagierten Frauen im Lübecker Zonta Club mit wenigen Ausnahmen 50 Jahre und älter. Denn man braucht auch Zeit für konkretes lokales Engagement – „Karteileichen“ werden nicht gerne gesehen. „Bei großen Aktionen sind in der Regel bis zu 80 Produzieren aller Clubmitglieder beteiligt. Das schweißt zusammen und ist die Basis von echten Freundschaften“, sagt Dorothee Thomanek.

Es ist beachtlich, was die verschiedenen Clubs lokal und auch international für das Gemeinwohl leisten. Der Lions Club Lübecker Bucht (1974 gegründet, aktuell 38 Mitglieder, einer der sieben Lions Clubs in Lübeck), hat in diesem Jahr alleine 20 000 Euro an das Projekt „Frühe Hilfen“ des Kinderschutzbundes Ostholstein gespendet – „die bisher höchste Spende unseres Clubs“, so Präsident Matthias Benkstein. Das Geld – auch das ist typisch Service-Club – ist selbst erwirtschaftet. Die 20000 Euro sind der Erlös des Lions Adventskalenders 2015, ein Kalender mit der Möglichkeit, gespendete Preise zu gewinnen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Mehr als eine halbe Million Euro hat der Club innerhalb von zehn Jahren so erwirtschaftet und gespendet mit dem Schwerpunkt, benachteiligten Kindern und Jugendlichen in der Region Lübecker Bucht zu helfen.

Auch die Frauen im Zonta Club Lübeck (1968 gegründet, 47 Mitglieder) haben gute Erfahrungen mit solch einem Kalenderprojekt. 5000 Euro – ein Teil des Erlöses, ging an die Caritas für den Fonds gegen Altersarmut von Frauen. Die Zontians sind, so wie viele der Service-Clubs, kreativ beim Erwirtschaften von „Servicegeldern“ – zum Beispiel mit 1000 Euro aus einem Benefizflohmarkt für einen „Familienstammtisch“ im Agape Haus, Benefizkonzerten oder Golfturnieren für das Frauenhaus, Unterstützung für Kinder und Mütter mit Migrationshintergrund, aber auch für naturwissenschaftlich begabte Abiturientinnen.

„Freunde nach innen, Hilfe nach außen“ – vom Credo des Rotary Club Lübeck (1951 gegründet, derzeit 79 Mitglieder) profitieren oft Schulen der Stadt zwischen Schulbibliothek, Schreibwerkstatt, Theatergruppen, Frühstücksversorgung oder Musiktherapie. Die Rotarier haben ein Fahrzeug für die Lübecker Tafel mitfinanziert, vergeben Stipendien für ausländische Studenten der Musikhochschule Lübeck und unterstützen die Jugendbauhütte der Stadt. „Die finanziellen Unterstützungen bewegen sich in einer Größenordnung zwischen 1500 und 10000 Euro pro Förderprojekt", sagt der Lübecker Rotarier Dr. Uwe Hautz.

SI-Aktive Dorothee Thomanek berichtet: „Unser Club unterstützt jährlich mit rund 15000 Euro soziale Projekte.“ Das Geld kommt beispielsweise vom 15. Weihnachtsmarkt der 20 Kieler Service-Clubs und Serviceorganisationen Anfang Dezember. Im vergangenen Jahr nahmen die Ehrenamtler an diesem einen Tag gut 24000 Euro ein, die dem dem Projekt „Deutschstunde“ und damit Flüchtlingen zu Gute kamen.

„So ein Verkaufswochenende bringt zwischen 500 und 1500 Euro“, erzählt Rechtsanwalt Dr. Hinz. „Wir verkaufen Glühwein, Bier oder Würstchen beispielsweise, oder Dinge, die wir vorher durch Spenden eingesammelt haben“, er lacht – dann stehe man eben ein paar Stunden in der Weihnachtsmarktkälte. Auch das schweißt zusammen mit den „Tischkollegen“. Letztes Jahr konnte der Round Table so beispielsweise der Grundschule Fissau einen Spielgarten mit Geld – und auch den Einsatz der eigenen Handwerker im Club schenken. An Grundschulen wird das Projekt „Raus aus dem toten Winkel“

„gefahren“ im wahrsten Wortsinne. Die Schüler dürfen im Fahrerhaus eines Lkws sitzen und selbst erleben, was im toten Winkel alles nicht zu sehen ist.

Unter anderem Finanzspritzen für konkrete Schulprojekte – im Schnitt 5000 Euro im Jahr – verteilt der Kiwanis Club Bad Schwartau. „Getreu dem Kiwanis-Motto ,Serving the children’ kümmern wir uns um Kinder und Jugendliche in unserer Region“, sagt Heinz-Werner Kurth. Das Geld kommt aus jährlichen Aktionen wie einem Schulmusikfestival und einer Jazznacht.

Es ist viel Zeit, die für so ein Engagement aufgewendet wird, sagt Heinz-Werner Kurth: „Neue Mitglieder zu gewinnen, ist eine schwierige Aufgabe, denn nicht die Anzahl allein ist entscheidend. So muss auch die Identifikation mit den Kiwanis-Zielen gegeben sein sowie die Bereitschaft, sich zeitlich zu engagieren.“

Denn bei den Clubs gehört auch ein gewisser „Ehrencodex“ dazu. „Dazu zählt insbesondere berufliche Ethik, Toleranz und die Bereitschaft zu Mitwirkung und Dienst- Service für den Nächsten“, so Dorothee Thomanek. Ein besonders hohes Einkommen oder Vermögen, das größere Geldspenden gestattet, sei allerdings im Gegensatz zu einem verbreiteten Vorurteil, kein Kriterium „Auf lokaler Ebene hat der Zonta Club einen guten Ruf, die Mitglieder stehen für Integrität“, sagt Adelheid Rasch, langjährige Lübecker Zontian und ehemalige Area- Direktorin: „Zontian zu sein, ist wie eine Auszeichnung.“   •

Nicole Hollatz

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