Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Weg von der althergebrachten Hierarchie

UNTERNEHMENSKULTUR Weg von der althergebrachten Hierarchie

Die Zauberwörter heißen Scrum oder Design Thinking:  Sogenannte agile Arbeitsmethoden sind in Mode. Sie sollen hierarchische Führungsstrukturen abbauen, Teams die Möglichkeit zur Selbstorganisation geben und dem einzelnen Mitarbeiter mehr Verantwortung geben.

Voriger Artikel
So gelingt die Fernbeziehung

Managerinnen haben es schwerer: Um auf ein ähnliches Zufriedenheitsniveau zu kommen, müssten Frauen deutlich mehr Geld bekommen, fordern die Verfasser einer jetzt veröffentlichten Studie.

Quelle: Nd3000 / Fotolia

Viele Unternehmen reden aber offenbar bisher nur davon, agile Arbeitsmethoden anzuwenden. Denn nur ein kleiner Teil der Beschäftigten arbeitet tatsächlich mit ihnen.

Das zeigt das Agilitätsbarometer – eine Studie, die das Medienunternehmen Haufe gemeinsam mit der Unternehmensberatung Promerit und der FOM Hochschule durchgeführt hat: Neun von zehn Arbeitnehmern (91 Prozent) arbeiten demnach laut eigener Einschätzung bisher nicht agil. Von der Projektmanagement-Methode Scrum zum Beispiel hat nur ein knappes Fünftel der befragten Beschäftigten (18 Prozent) gehört.

Das ist allerdings auch nicht unbedingt nötig, findet Heiko Weckmüller, Professor für BWL an der FOM Hochschule in Bonn und Leiter der Studie. „Man kann ein agil arbeitendes Unternehmen haben, ohne direkt Scrum oder andere Methoden zu verwenden“, sagt er. Bei der Frage der Agilität gehe es zunächst um gewisse Prinzipien – flache Hierarchien, viel Eigenverantwortung. Auch da hapert es jedoch: „Wir sehen in vielen Unternehmen noch immer ein fundamental hierarchisches Führungsverständnis, da ändert sich nicht grundsätzlich etwas.“

Und das sei ein Problem: „Wir wissen aus der Forschung, dass nicht-hierarchisches Führen fast immer sinnvoll und gut für alle Beteiligten ist“, sagt Weckmüller. Auch viele Mitarbeiter sind der Ansicht, dass die Arbeit mit Agilität effizienter wird: Knapp die Hälfte der Mitarbeiter (47 Prozent) halten es der Studie zufolge für sinnvoll, die Strukturen des Unternehmens entsprechend zu verändern.

Noch passiert das aber nicht. „Das ist ein Problem, weil dadurch neue Ideen ausbleiben und somit Potenzial für Innovationen verschenkt wird“, sagt Bernhard Münster, Produktmanager von Haufe. In Zeiten der Digitalisierung gelte das besonders: Denn mit agilen Strukturen seien Unternehmen in der Lage, direkter auf Veränderungen zu reagieren und Innovationen schneller an den Markt zu bringen.

Für die Studie wurden 1800 Angestellte und 1000 Führungskräfte von Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Eine Frage der Perspektive

Einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zufolge sagen drei von fünf Arbeitgebern (59 Prozent), dass sie bei der Terminplanung oft Rücksicht auf individuelle Wünsche rund um Kinderbetreuung oder Schulplanung nehmen. Von den Beschäftigten empfindet das aber nur ein knappes Fünftel (19 Prozent) so.

Insgesamt hält die große Mehrheit der Arbeitgeber (84 Prozent) ihr Unternehmen wenigstens für eher familienfreundlich, 44 Prozent halten sich sogar für sehr familienfreundlich. Von den Angestellten hat dagegen nur ein knappes Viertel (24 Prozent) das Gefühl, bei einem sehr familienfreundlichen Unternehmen zu arbeiten. Und ein Drittel (32 Prozent) hält seinen Arbeitgeber sogar für weniger oder für gar nicht familienfreundlich.

Für die Studie haben die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) und die Unternehmensberatung Roland Berger im Frühjahr 2017 insgesamt 300 Unternehmen mit mehr als 14 Mitarbeitern sowie 1085 Beschäftigte befragt.

Managerinnen sind unzufriedener als ihre männlichen Kollegen Frauen sitzen seltener auf Managementpositionen als Männer. Doch warum ist das so?

Eine Studie liefert einen neuen möglichen Erklärungsansatz für die Frage, warum es weniger Frauen in Führungspositionen gibt. Womöglich ahnen Frauen, dass ein Managementjob sie oft nicht zufriedener macht, sondern das Gegenteil bewirkt. Eine Auswertung von knapp 3200 deutschen Führungskräften zeigt, dass kinderlose Managerinnen im Alter von 35 bis 45 deutlich unzufriedener mit ihrem Leben sind als kinderlose männliche Kollegen oder Kolleginnen, die schon Kinder haben. Auf die Studie verweist die Zeitschrift „Harvard Business Manager“ (Ausgabe September 2017).

Die Autoren der Studie von der Jacobs University Bremen interpretieren die Ergebnisse so, dass viele Frauen in diesem Alter glauben, dass sie sich zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssten und fürchten, nicht mehr schwanger zu werden. Zwar lässt sich der Rückstand ausgleichen, aber das wird voraussichtlich teuer: Um auf ein ähnliches Zufriedenheitsniveau zu kommen, müssten Frauen deutlich mehr Geld bekommen, schreiben die Wissenschaftler. Im Schnitt müsste ihr Gehalt um 10 Prozent steigen oder ihre Freizeit, die meist knapper bemessen ist als bei Männern, erheblich ausgeweitet werden.

LN

Voriger Artikel
Mehr aus Die Wirtschaft
LN Jobs Stellenanzeigen aufgeben

Das Stellenportal der Lübecker Nachrichten bietet Ihnen den passenden Rahmen für Ihre Stellenangebote. Schalten Sie Ihre Anzeige schnell und effizient hier. mehr

Hier finden Sie die älteren Ausgaben von dem Magazin "DIE WIRTSCHAFT". mehr

Mediakompass: Werbekanäle bei den Lübecker Nachrichten

Werben mit Erfolg: Bei den Lübecker Nachrichten, als regional marktführendes Medienhaus, haben Sie die Chance Ihre Werbung über verschiedene Werbekanäle und Crossmedia-Optionen optimal zu präsentieren! mehr