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Erfahrene Elektriker konnten ihn am Geruch unterscheiden. Mandelaroma und eine leichte Pfeffernote: Lübecker Strom. Sehr süß mit Nelken, Kardamom und einer Ahnung von Weihrauch: Aachener Strom. Doch regionale Identität spielt bei der Elektrizität kaum noch eine Rolle.

Als Dänen bei den Lübecker Stadtwerken einstiegen, war die Grenze zur Beliebigkeit noch nicht überschritten. Dänischer Strom ließ sich gut in unsere Versorgung integrieren. Allenfalls ist er ein bisschen lockerer als unserer, was unserem sehr straff gespannten Stromnetz nur gut tun konnte.

Was aber soll werden, wenn wir bald Aachener Strom in unseren Leitungen haben? Vor allem in der Karnevalszeit, wenn die Rheinländer unkontrolliert Energie freisetzen? Brennen dann auch bei uns die Sicherungen durch? Und was kommt als nächstes? Dubiose Briefkasten-Stadtwerke, die uns Gammelstrom untermischen? Katholischer Strom, der unsere sieben Türme nachts beleuchtet? Man mag es sich gar nicht ausmalen.

LN