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Vom Food Bank-Chaos und wie man diesem Herr wird

Anne verteilt Essen in Mérida Vom Food Bank-Chaos und wie man diesem Herr wird

Anne Hiller arbeitete zwei Monate als Volontärin bei einer Food Bank, so etwas wie die Tafel in Deutschland, in Mérida, Mexiko. Die Sprachbarriere und unklare Arbeitsanweisungen machten ihr das Leben zuerst schwer, doch am Ende hatte sie Erfolg.

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Ein bisschen Struktur muss sein: Anne Hiller optimierte für die Foodbank in Mérida die Arbeitsprozesse im Lager.

Quelle: Anne Hiller

Meine Arbeit in Mexiko bei der Food Bank "Banco de Alimentos de Mérida (BAMAC)" hatte ich mir anders vorgestellt. Das wurde schon in der zweiten Woche meines Aufenthaltes klar. Die mangelhafte Kommunikation durch mein nicht ausreichendes Spanisch (Keiner spricht hier Englisch!), aber auch die gewöhnungsbedürftige Arbeitsweise der Mexikaner, bereiteten mir Probleme. Während ich es aus Deutschland gewöhnt war, durchgängig zu arbeiten und etwas zu schaffen, wurde auf meiner Arbeit hier eher viel geredet und Privatgeschichten erzählt, Empfehlungen ausgegeben und eher weniger Wert auf die Arbeit gelegt.

Mein Arbeitsplatz: Banco de Alimentos de Mérida

Mein Arbeitsplatz: Banco de Alimentos de Mérida

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Natürlich war ich für jede Information dankbar, aber die Umstände machte mir die Arbeit sehr schwer und mein Arbeitsbereich wurde nicht klar abgesteckt. Mit Martina, meiner Betreuerin vor Ort, sprach ich über meine Eindrücke und Probleme mit dem Projekt und sie bot mir an, in anderen Projekten mitzuarbeiten oder ein Gespräch mit den Verantwortlichen in der Foodbank zu führen. Einen Tag begleitete sie mich dann zur Arbeit und sie übersetzte alles, was durch die Sprachbarriere verlorengegangen war. Es kam heraus, dass eine Evaluation/ein Audit für eine Zertifikatsvergabe der Foodbank schon erfolgt war und das Ergebnis relativ schlecht ausgefallen war. Daher hatte ich die Aufgabe bekommen, die Prozesse zu verbessern und diese zu dokumentieren. Diese Information war in der ersten Woche total untergegangen, aber natürlich extrem wichtig. Ich ging zwar etwas motivierter zur Arbeit, aber dennoch gab es viele Anfangsschwierigkeiten und es war auch kein Ziel in Sicht, worauf ich hinarbeiten konnte.

Einige meiner Kollegen von der Foodbank und ich

Einige meiner Kollegen von der Foodbank und ich

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Also fuhr ich mit Martina und Lyndsey, eine andere Volontärin, nach Yaxcopoil, um andere Optionen für das Volunteering anzuschauen. Yaxcopoil ist ein kleines Dorf südlich von Mérida. Hier gibt es eine Art Wochen-Hort für Schüler aus den benachbarten, noch kleineren Dörfern, deren Eltern sich das tägliche Busgeld nicht leisten können. Die Kinder verbringen also die ganze Woche allein mit ihren Klassenkameraden und drei Erwachsenen in dem spartanisch eingerichteten Hort und bringen ihre eigenen Hängematten zum Schlafen mit.

In dem Hort verbrachten wir den Nachmittag, spielten mit den Kindern und konnten uns einen ganz guten Eindruck von der Arbeit vor Ort machen. Da die jüngeren Kinder morgens Unterricht hatten und die älteren Kinder am Nachmittag, waren fast nur sechs- bis zwölfjährige Kinder anwesend. Also hieß es Fange und Verstecken spielen und die Kleinen unterhalten und beschäftigen. Wir malten mit ihnen, machten mit ihnen Hausaufgaben und sie erzählten uns ein wenig über sich und fragten uns Löcher in den Bauch. Die Kinder waren trotz der Hitze nicht müde zu bekommen. Ich hingegen war nach zwei Stunden schon am Ende. Der Tag war sehr schön, allerdings bin ich nicht für diese Art von Arbeit geschaffen, die ganze Woche mit kleinen Energiebündeln zu verbringen.

Das chaotische Lager der Foodbank

Das chaotische Lager der Foodbank

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Folglich entschied ich, dass ich der Arbeit bei der Foodbank noch eine weitere Chance geben und auf jeden Fall nicht aufgeben würde. Und es machte sich bezahlt! Durch meinen Spanischunterricht an einer Sprachschule in Mérida und die kontinuierlichen Versuche mich mit meinen Kollegen zu verständigen, verstand ich immer mehr von den Prozessen und konnte dementsprechend meiner eigentlichen Aufgabe, die Prozesse im Lager zu optimieren, mehr und mehr nachgehen. Übung macht eben doch den Meister!

Durch das neu gewonnene Verständnis, machte ich mich nun erst einmal an die Übersetzung von der Evaluierung, die für die Organisation erstellt wurde, guckte mir noch einmal ganz genau alle Arbeitsschritte im Lager an und ganz im speziellen den Aufbau, sprich die Einlagerungs- und Auslagerungsprozesse und die Wege, die zurückgelegt werden müssen und erstellte anhand von diesen Daten ein Layout für ein neues Lager. Sehr wichtig war dabei, dass die Artikelmengen erfasst wurden und dadurch der Lagerraum entsprechend eingeplant werden konnten. Auch sollte der neue Vorteil des neuen Lagerlayouts sein, dass mehr Arbeitssicherheit garantiert werden konnte.

Am Ende konnte ich mein Projekt erfolgreich abschließen und meine Kollegen und mein Chef war sehr begeistert von der Umsetzung. Mein Spanisch war nun auch viel besser und die Kommunikation dadurch extrem erleichtert. Vor dem Gesichtspunkt der Arbeit war das Volunteering somit ein voller Erfolg!

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