Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Wer braucht schon Busfahrpläne?

Anne verteilt Essen in Mérida Wer braucht schon Busfahrpläne?

Anne Hiller lebt und arbeitet gerade zwei Monate in Mérida (Ostmexiko). Der Weg zu ihrer Arbeit ist jeden Tag ein kleines Abenteuer und bei der Food Bank warten große Herausforderungen auf sie.

Voriger Artikel
Anne schlemmt sich durch die mexikanische Küche
Nächster Artikel
Pok ta Pok - Das Spiel mit den mexikanischen Feuerbällen

Für Abkühlung nach einem Arbeitstag sorgt der Pool des Hostels.

Der Flug von Mexico City nach Mérida war ruhig, denn Airlines haben zum Glück auf der ganzen Welt die gleichen Sicherheitsanforderungen - so scheint mir. Komischerweise regnete es bei der Ankunft. Ich hatte zuvor die Wetterlage in Mérida für fast einen Monat im Voraus überprüft und immer wurde Sonne und 40°C angezeigt. Nach diesen Angaben packte ich auch meine Tasche. Doch als ich landete, gab es ein riesiges Gewitter und es regnete in Strömen, die Straßen waren teilweise geflutet.

Mein Hostel in Mérida

Mein Hostel in Mérida

Quelle:



Mein Hostel in Mérida

Mein Hostel in Mérida

Quelle:



Am Flughafen von Mérida wurde ich von einer der beiden Projektleiterinnen von UBELONG abgeholt. Wir fuhren zu dem Hostel, in dem ich die nächsten acht Wochen untergebracht sein sollte. Leo, meine Projektleiterin mit mexikanischen Wurzeln, zeigte mir alles Wichtige. Unter anderem lernte ich bei dem Rundgang auch die anderen Volontäre kennen. Die meisten von ihnen kommen aus den USA, aber ich habe auch das Glück, einen Deutschen an meiner Seite zu haben. Untergebracht wurde ich mit fünf anderen Volontärinnen in einem Sechser-Schlafzimmer mit 3 Doppelstockbetten und privatem Badezimmer.

Unser Hostel-Pool

Unser Hostel-Pool

Quelle:



Das Nomadas Hostel in Merida ist eines der bekanntesten und vermeintlich besten Hostels in der Umgebung. Es gibt einen großen Pool, überall Hängematten, ein liebevoll gestaltetes, altes Gebäude und ein Entertainmentprogramm. Diese beinhaltet Kochkursen vier Mal in der Woche, morgendliches Yoga sowie einen Salsakurs wochentags und jeden Abend Trova (ein lieber, älterer Mexikaner der spanische Liebeslieder mit einer Gitarre singt). Auch das Personal des Hostels ist sehr freundlich und hilfsbereit. Außerdem gibt es auch warmes Wasser aus der Dusche, was gerade für diese Region keine Selbstverständlichkeit ist. Alles in allem kann ich mich also über die Lebenssituation nicht beklagen.

Der Ort, wo wir immer Mittag bekommen, ist nur drei Häuser von dem Hostel entfernt. Dort hat eine Frau ihr Wohnhaus in ein Restaurant umgebaut. Sie kocht jeden Tag etwas anderes, aber immer nur ein Gericht. Immer sind Maistortillas und Reis dabei, aber andere Fleisch- und Gemüsesorten. Außerdem gibt es die Wahl zwischen verschiedenen Getränken, die sie alle selbst macht: Eistee, Mangosaft, Horchata (ein süßliches Reisgetränk, dass ein bisschen an Kokosmilch erinnert), Chaya oder Jamaika. Zum Nachtisch gibt es auch immer etwas. Entweder eine Art Pudding oder Obst.

Abends in den Straßen von Mérida

Abends in den Straßen von Mérida

Quelle:



Mein erster abendlicher Ausflug zum mit den anderen Volontären führte uns zum Marktplatz. Hier waren Stände aufgebaut, in denen Souvenirs oder Essen verkauft wurden. An jeder Ecke saß ein Gitarrenspieler und es tummelten sich viele Menschen. Die Atmosphäre war richtig lebendig und lebensfroh.

Im Nirgendwo warten auf den Bus.

Im Nirgendwo warten auf den Bus.

Quelle:



Am nächsten Morgen startete mein erster Arbeitstag. Ich traf mich morgens mit meiner mexikanischen Koordinatorin und zusammen gingen wir zum Bus. Der Bus, der zur meiner Arbeit fährt, fährt immer in der 56 und 57 Straße an einem grünen Haus ab. Bushaltstellen gibt es nicht wirklich für die normalen Stadtbusse. Außerdem kann man einfach irgendwo an der Straße stehen und den Busfahrer heranwinken. Das klappt in 95 Prozent der Fälle. Busfahrpläne gibt es auch nicht. Die Busse kommen, wenn nichts dazwischen kommt, immer ungefähr zur selben Zeit, aber wann genau, muss man erst einmal selbst herausbekommen. Für eine Fahrt zahlt man zahlt man dem Busfahrer 7 Pesos (weniger als 50 Cent). Gerade am Morgen sind die Busse völlig überfüllt. Manchmal wartet man 30 Minuten. Da die Straßen nicht die besten sind und die Busse auch etwas älter, ist die Busfahrt jedes Mal ein kleines Abenteuer.

Mein Arbeitsplatz: Banco de Alimentos de Mérida

Mein Arbeitsplatz: Banco de Alimentos de Mérida

Quelle:



Ich habe mich schnell bei der Banco de Alimentos de Mérida (BAMAC) eingelebt. Alle, die dort arbeiten, sind sehr nett und "typisch" mexikanisch. Ein Mitarbeiter spricht sogar noch Maya. Der Rest läuft auf Spanisch ab. Keiner spricht Englisch. Da ich zur Vorbereitung einen Monat lang in Valencia, Spanien einen Sprachkurs belegt hatte, konnte ich mich schon etwas verständigen, es ist und bleibt aber immer wieder eine Herausforderung zu kommunizieren. Ab und zu muss man den Leuten sagen, dass sie langsamer sprechen sollen, damit man etwas versteht. Auch sind die Fachbegriffe teilweise schwierig, aber von Tag zu Tag wird es besser.

An meinem ersten Tag haben wir dann auch gleich mit dem Chef der BAMAC geredet und meine Aufgabenbereiche abgeklärt. Auf der UBELONG-Website waren alle möglichen Aufgabenbereiche kurz angerissen, aber diese ändern sich auch nach Bedarf. Mein Chef sagte mir, dass er sehr glücklich sei, dass ich jetzt hier bin, mich hätte der Himmel geschickt. Da ich Wirtschaftsingenieurwesen studiert hätte, wäre ich die einzige Studierte in dem Unternehmen. Die Prozesse im Lager müssten gerade optimiert werden, da die BAMAC versucht auf einen neuen Standard zu kommen und dabei zähle er auf mich.

Typische Straßenansicht aus Mérida

Typische Straßenansicht aus Mérida

Quelle:



Diesen Standard kann das Unternehmen erreichen, indem es ein Audit durchführen lässt. Das ganze Unternehmen wird in diesem nach bestimmten Kriterien überprüft und dann in der Folge in eine Kategorie eingeteilt. Es gibt 5 Kategorien. Die BAMAC ist im Moment in auf der 2. Stufe, was bedeutet, dass die Organisation Prozesse hat, nach denen die Warenlieferungen abgewickelt werden, diese Prozesse allerdings eher nach Bauchgefühl implementiert wurden und nicht dokumentiert sind. Das Ziel ist es also jetzt auf dem dritten Level eingestuft zu werden. Dazu muss eine Prozessbeschreibung erfolgen und wenn nötig Änderungen in Arbeitsabläufen vorgenommen werden. Vielleicht muss auch das Lager in neue Kategorien eingeteilt werden und Schulungen der Mitarbeiter erfolgen.

Ich freue mich auf diese spannende Aufgabe.

Zusammen mit Augusta, einer anderen Volontärin, habe ich auch angefangen, eine Sprachschule für Spanisch zu besuchen. UBELONG hat mit der Sprachschule eine Kooperation und so können wir Spanisch erheblich vergünstigt erlernen - um die Hälfte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel