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Fliegendes Klassenzimmer

Bianca-Renee Hellberg aus dem Kreis Segeberg studiert in Südkorea Fliegendes Klassenzimmer

Was man nicht alles so lernt als Austauschschüler in Korea. Zum Beispiel, warum die russische Botschaft für die koreanische Geschichte so von Bedeutung ist. Klingt nach trockener Materie. Das täuscht.

Kürzlich stand der erste Ausflug mit allen Austauschstudierenden meiner Heimatuniversität an. Um es kurz zu sagen: Ohne Professor Han, der uns wie verrückt durch die Gegend scheuchte, hätten wir wahrscheinlich mehr davon gehabt. So hieß es lediglich, dass um 12 Uhr Treffen am Seoul Museum of History (서울역사박물관) war und niemand wusste so wirklich, was wir an diesem Tag machen würden. Überraschenderweise besuchten wir aber nur den Vorplatz des Museums. Die folgenden Stunden verbrachten wir damit, 13 Kilometer in einem kleinen Teil von Seoul durch die Gegend zu laufen.
Der nächste historisch bedeutende Halt unserer kleinen Tour war die alte, russische Botschaft (서울 구 러시아 공사관).

Um die Erklärung, warum die russische Botschaft für die koreanische Geschichte von Bedeutung ist kurz zu halten, ist eine kurze Zusammenfassung wohl das Beste, ich möchte meine Leser ja nicht langweilen. Während Japan, China und Russland um den Einfluss in Korea kämpften, wurde die Kaiserin bzw. damalige Königin Myeongseong-hwanghu (명성황후) im Jahre 1895 von japanischen und koreanischen Polizeieinheiten ermordet. Weil ein weiterer Anschlag auf die königliche Familie zu fürchten war, floh König Kojong (고종 광무제) mit seiner Familie in die russische Botschaft und regierte für ein Jahr von dort aus sein Reich. Die Botschaft wurde aufgrund eines Feuers während des Koreakrieges fast vollständig zerstört, in den 1970er Jahren aber restauriert und dient nun als kleiner, öffentlicher Park.

Der nächste Zwischenstopp war der Deoksugung Palast (덕수궁), einer der fünf in der Joseon-Dynastie errichteten Paläste Seouls. Ursprünglich diente der Palast als Villa eines Prinzen und wurde erst 1611, ca. 150 Jahre nach seiner Errichtung, zu einem offiziellen Palast, da während der japanischen Imjin-Invasionen alle anderen Paläste schwer beschädigt worden waren. Nachdem der Hauptpalast jedoch 1618 wieder verlegt wurde, verblieb Deoksugung als Zusatzpalast.

Die letzten Könige Joseons, Kojong und sein Sohn Sunjong, kehrten aus der russischen Botschaft in diesen Palast zurück, erweiterten ihn und errichteten Gebäude im westlichen Stil, da sie der Architektur sehr zugeneigt waren. Seokjojeon (석조전), heute genutzt als Daehan Empire Historical Museum, wurde unter japanischer Herrschaft als Kunstgalerie genutzt. Nach Ende des Krieges und der koreanischen Unabhängigkeitserklärung fand in diesem Gebäude der Amerikanisch-Russische Ausschuss im Mai 1946 statt.

Die letzte Station der Tour war das Bukchon Hanok Dorf (북촌한옥마을). Hunderte traditionell koreanische Häuser, allgemein als Hanok bezeichnet, aus der Joseon Dynastie sind zwischen den Palästen Gyeongbokgung (경복궁) und Changdeokgung (창덕궁) und dem Jongmyo-Schrein (종묘) erhalten und bieten traditionelles Handwerk, Teehäuser, Restaurants, Kaffees und Gasthäuser, um den Besuchern die koreanischen Traditionen näher zu bringen.

Danach ging es nur noch zum Abendessen in ein kleines Restaurant in der Nähe und gegen 20 Uhr abends nach Hause. Für historisch interessierte Besucher sind viele dieser Orte auf jeden Fall großartig geeignet, für einen Klassen- bzw. Jahrgangsausflug war es jedoch viel zu gehetzt, um viel zu lernen.

Das Seoul Museum of History

Das Seoul Museum of History

Quelle:



Seokjojeon, das im westlichen Stil errichtete Gebäude auf dem Grundstück des Palasts

Seokjojeon, das im westlichen Stil errichtete Gebäude auf dem Grundstück des Palasts

Quelle:



Deoksugung Palast. Hier zu sehen: Daehanmun, das Eingangstor, mit der Zeremonie des Wachwechsels.

Deoksugung Palast. Hier zu sehen: Daehanmun, das Eingangstor, mit der Zeremonie des Wachwechsels

Quelle:



Und hier: ein Blick in den Thronsaal

Und hier: ein Blick in den Thronsaal

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Blick in das Hanok Dorf

Blick in das Hanok Dorf

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Der erhaltene Teil der alten russischen Botschaft

Der erhaltene Teil der alten russischen Botschaft

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