Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Politikstunde auf Koreanisch

Bianca-Renee Hellberg studiert in Südkorea Politikstunde auf Koreanisch

Das fliegende Klassenzimmer mal anders: Mit einem Ausflug ins Nationalparlament auf die Insel Yeouido endet für Bianca das Semester. Entgegen ihrer ersten Vermutung wurde es eine lohnende Reise.

Blick in den Hauptsaal: Die Anordnung der Sitze in einem Halbkreis soll direkten Blickkontakt vermeiden.

Quelle: Bianca-Renee Hellberg

Zum Semesterende konnte ein Klassenausflug natürlich nicht fehlen, und die Entscheidung, wohin es denn gehen sollte, war eine ausgesprochene unspektakuläre.

Da es um den Kurs „Introduction to Korean Politics“ ging, bot es sich nur an, eine politische Institution zu besuchen, und das Nationalparlament erscheint doch immerhin ein wenig interessanter, als die eine oder andere Partei anzusehen.

Abgestimmt, getan – am letzten Tag des Semesters trafen wir uns morgens mit unserer Dozentin, um zur National Assembly auf Yeouido, einer Insel auf dem Han-Fluss, zu fahren. Leider zeichnete sich schon zu diesem Zeitpunkt ab, dass wohl der Großteil der Kommilitoninnen wohl Besseres zu tun hatte, als sich für den letzten Tag des Semesters zusammenzureißen und hinzugehen, was dazu führte, dass am Ende nur drei Studentinnen anwesend waren. Lustig war der Ausflug trotzdem, und sogar wesentlich besser als erwartet.

Von der Bushaltestelle zum Parlamentsgebäude war es kein weiter Weg, etwa fünf Minuten zu Fuß. Das erste Gebäude, welches dann auf dem Grundstück sichtbar wurde, war hinter Bäumen verborgen und war die Nationalbibliothek, die über die größte Büchersammlung des Landes verfügt.

Auf dem Weg zum Hauptgebäude kamen wir an einem kleinen Park vorbei, der sich vor dem Parlament erstreckt. Vor dem Eingang trafen wir dann auf unsere Führerin, die im Sekretariat des Parlaments arbeitet. Sie erklärte uns die Bedeutung der Statuen, die vor vielen historischen Gebäuden stehen.

Der Name dieser Figuren ist „haechi“, und allgemein gelten sie schon fast als Beschützer. In der Mythologie ist die löwenähnliche Statur dazu in der Lage, Recht und Unrecht instinktiv zu erkennen. So soll sie im Falle eines Kampfes die Partei, welche im Unrecht war, gebissen haben. Aufgrund dieses Mythos zählt der traditionelle „haetae“, der heute einfach als „haechi“ bezeichnet wird, als Symbol für Recht und Gesetz.

Im Parlament selbst durften wir lediglich den Hauptsaal besuchen, der meiner Meinung nach den Räumen sonstiger Parlamente sehr ähnlich ist. Es gibt zwar einige Besonderheiten, aber nicht so viele.

Die Anordnung der Sitze in einem Halbkreis soll direkten Blickkontakt und somit eine direkte Konfrontation vermeiden und somit Harmonie herzustellen. Anders als in vielen anderen Ländern sitzen die ältesten Mitglieder des Parlaments in den letzten Reihen, was in erster Linie daran liegt, dass diese oft in ihre Büros zurückkehren müssen, um dort Probleme zu lösen. So können sie, ohne von den Videokameras an den Seiten gesichtet zu werden, ihrer Arbeit nachgehen und ohne größeren Aufwand wieder zurückkehren.

Das Symbol des Parlaments befindet sich in der Mitte und wurde seit der Gründung der Nationalversammlung kaum verändert, nur die Schrift wurde angepasst auf Wunsch der Bevölkerung, die statt des chinesischen Zeichens das Wort in koreanischem Alphabet bevorzugte.

An der Decke befinden sich – angeblich – 365 Leuchten, die dafür stehen sollen, dass das Parlament 365 Tage im Jahr der Bevölkerung Südkoreas dient. Nachzuzählen ist ein wenig schwer, aber der Raum allgemein ist beeindruckend.

Unsere letzte Station innerhalb des Gebäudes war der Raum, von dem aus man beide Sitzungssäle betreten kann. Auf der einen Seite befindet sich ein Bild des ersten Parlaments aus dem Jahre 1948 als Kupferplatte.

Der kleine, schwarze Kreis in der Mitte befindet sich direkt unter der berühmten Kuppel. Es heißt, wenn man in dem Kreis steht und nach oben sieht, kann man die Energie der Sonne spüren und ein Wunsch wird in Erfüllung gehen. Natürlich musste ich es auch einmal ausprobieren, ob es funktioniert, werden wir in ein paar Jahren sehen. Das Muster in der Decke soll übrigens wieder die Zeit symbolisieren, genauso wie die Energie der Sonne – 24 Sonnenstrahlen stehen dafür, 24 Stunden am Tag dem Volk zu dienen.

Am Ende führte der Weg dann über den Parkplatz zum Tor, welches das Gelände beschränkt, und vorbei an dem Brunnen.

Das Gebäude ist beeindruckend und auf jeden Fall war dies eine der besseren Stunden, die ich mit meinem Politikkurs verbracht habe, und unsere Professorin lud uns immerhin noch zum Essen ein, was es fast noch trauriger macht, dass das Semester nun vorbei ist – auch wenn das wiederum mit Ferien verbunden ist.

Der Name dieser Figuren ist „haechi“, und allgemein gelten sie schon fast als Beschützer.

Der Name dieser Figuren ist „haechi“, und allgemein gelten sie schon fast als Beschützer.

Quelle:
Innenansicht des Parlaments

Innenansicht des Parlaments

Quelle:
Blick in den Plenarsaal.

Blick in den Plenarsaal.

Quelle:
Symbol: An der Decke des Parlaments befinden sich – angeblich – 365 Leuchten.

Symbol: An der Decke des Parlaments befinden sich – angeblich – 365 Leuchten.

Quelle:
Außenansicht.

Außenansicht.

Quelle:
Auf dem besten Weg in die Politik.

Auf dem besten Weg in die Politik.

Quelle:
Detailansicht.

Detailansicht.

Quelle:
Voriger Artikel
Nächster Artikel