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Die Gletscher von Peru

Georg und Kolja reisen durch Südamerika Die Gletscher von Peru

Es gibt viel zu sehen für die Schleswig-Holsteiner Georg und Kolja. In Peru erwartet sie die Schönheit der Gletscher und ein Spiel, bei dem es um Meerschweinchen geht, ausnahmsweise aber nicht als Essen.

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Die “Laguna Llanganuco”

Quelle: privat

Wenn man von Piura aus weiter in Richtung Süden fährt, bewegt man sich praktisch auf den Spuren einer ganzen Reihe aufeinanderfolgender Prä-Inka-Zivilisationen – so klischeehaft das auch klingen mag. Bei der peruanischen “Costa” handelt es sich eben nur um einen schmalen Streifen zwischen dem Ufer und den steilen Berghängen der Anden, der damals wie heute in allerlei Hinsicht das Zentrum des Landes darstellt. Die Panamericana verläuft von Ecuador bis Chile parallel zum Strand und kommt dabei an den größten und wichtigsten Städten des Landes vorbei. So hatten nördlich von Lima auch die Mochica- und die Chimú-Kultur ihre Hauptstädte entlang dieses Streifens. Hinsichtlich der verfügbaren Technologien kann man diese Kulturen mit der Kupfer- und Bronzezeit in Europa vergleichen. Die Mochica beherrschten die Gegend ungefähr vom 1. bis zum 7. Jahrhundert und gingen in Folge einiger besonders heftiger El Niños unter. Bevor das Machtvakuum im 13. von den Chimú ausgefüllt wurde, herrschten am Leche-Fluss die Sicán. Nach dem Leche-Fluss wurde damals das Leche-Tal und heute die kleine Provinz Lamabayeque benannt, in der die Stadt Chiclayo liegt. Dort haben wir eine riesige Freilichtanlage names “El Valle de las Piramides” (Das Tal der Pyramiden) besucht, die nicht nur vom Namen her mit den Pyramiden von Gizeh in Ägypten vergleichbar ist. Die Konturen der Grabanlagen der Sicán, die ebenfalls zu den größten Pyramiden der Welt gehören, haben bloß deutlich unter Erosion gelitten und sind daher schon stark geschrumpft. In Chiclayo ist man stolz auf die kleine, lokale Klutur der Sicán, deren Bekannheit nicht sehr weit reicht und im Schatten der damaligen überregionalen Machthaber wie den Chimú oder den Inka steht, aber offensichtlich in allen Punkten bei den großen mithalten konnte. Es gibt Archäologen, die meinen, dass die Sicán den schönsten Goldschmuck des antiken Perús herstellten.

Das Tal der Pyramiden

Das Tal der Pyramiden

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Man darf sich die peruanische Version des Tals der Pyramiden nicht von Touristen überannt vorstellen. Bei unserem Rundgang trafen wir jediglich ein paar Kinder, die in der Nähe wohnten und vom Wächter am Eingang inzwischen kostenlos hineingelassen wurden, da diese ohnehin jeden Tag zum Toben hinüberkamen. Auf dem Gelände gab es nämlich unter anderem eine Anlage zum “Cuy” (Meerschweinchen)-Spielen. Dabei handelt es sich um einen Sympathie-Wettbewerb. Anfangs wird das Meerschweinchen unter eine bodenlose Kiste verfrachtet, die man auf Kommando über einen Kran anheben kann, so dass das Tier freigelassen wird. Am Rand der Arena versammeln sich die Teilnehmer über den kleinen Boxen und versuchen, das Meerschweinchen von sich zu überzeugen. Der Besitzer der Box, in die das Cuy flüchtet, ist der Gewinner. Wenn man Meerschweinchen spielt, geht es ausnahmsweise nicht darum das Meerschweinchen später zu essen.

Man nehme ein Meerschweinchen und befördere es unter die Kiste in der Mitte einer kleinen Arena.

Man nehme ein Meerschweinchen und befördere es unter die Kiste in der Mitte einer kleinen Arena.

Quelle:



Wenn die Kiste hochgezogen wird, fangen die Kinder an zu rufen, zu pfeifen und zu schmatzen.

Wenn die Kiste hochgezogen wird, fangen die Kinder an zu rufen, zu pfeifen und zu schmatzen.

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Vor unserer Ankunft in der Hauptstadt wollten wir uns noch einen Abstecher von der Panamericana leisten und in die hochgelegene Andenstadt Huaráz fahren. Damit verlässt man nebenbei den gut ausgebauten, geradlinigen Teil des peruanischen Straßennetzes. Von Trujillo aus stand also wieder einmal eine langatmige Serpentinenfahrt auf mäßig bequemen Sesseln an. Und auch wenn es auf den ersten Blick so vorkommen mag, ist die längere Reisezeit keineswegs verlorene Zeit. Man kann, wenn man mit den Einheimischen für lange Zeit zusammensitzt, eine Menge über diese lernen. So fällt uns beispielsweise immer auf, dass die Mitfahrenden ihre eigene Heimat höchst unspektakulär finden. So müssen sie beim Anblick ihrer zerklüfteten Mondlandschaften, die in der Sonne schwitzen und direkt in den Pazifik übergehen, mit Filmen bei Laune gehalten werden. Ähnlich ist es auf den mutig angelegten Bergpässen, die einige Andennester erst seit wenigen Jahrzehnten mit dem Rest des Landes verbinden, und beim Durchqueren von tropischen Tälern, die von exotischer Flora nur so trotzen. Die ganze Einzigartigkeit, die uns auf den Reisen aus dem Fenster gucken lässt, wird torpediert. Umso mehr kann man dafür aus dem Kinoprogramm der Busfahrer herausfiltern. Ein wichtiger Komponent für die Show ist dabei US-Amerika. Es ist sehr auffällig, dass die meisten Filme anspruchslose Hollywood-Blockbuster sind. Den Film “San Andreas”, bei dem Los Angeles von einem Erdbeben heimgesucht wird, haben wir schon drei mal gesehen.

Huaráz liegt dann auf 3100 Metern und bietet einen Panoramablick auf die höhchsten Berge Perús. Der höchste von ihnen ist der Huascarán mit 6787 Metern. Huaráz ist zudem ein perfektes Beispiel dafür, dass Südamerika überhaupt nicht warm sein muss. Wenn man in Huaráz morgens aufsteht, atmet man kondensierte Nebelschwaden wie bei uns im Dezember. In den eiskalten Morgenstunden versammeln sich die Huaracinos wie Pinguine um dampfende Verkaufsstände, trinken heißen Quinoa-Brei und essen Palta (Avocado) im Brot.

Huaracinos sind auf dem Weg zur Arbeit.

Huaracinos sind auf dem Weg zur Arbeit.

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Avocado im Brot

Avocado im Brot

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In Huaráz begegneten wir zudem einer Menge an sogenannten “Naturistas”, die ein Mix aus moderner Apotheke und schamanenhaftem Naturheiler sind. Wir konnten dort morgens ein Getränk namens “Especial de Maca” finden. “Maca” ist eine Knolle, die im peruanischen Hochland wächst und der eine Menge positiver Nebenwirkugen nachgesagt werden: Steigerung der sexuellen Lust und Leistungsfähigkeit, ein gestärktes Immunsystem, Vorbeugung von Depressionen und chronischer Müdigkeit etc. Jeder Andino, den man fragt, weiß etwas anderes. Und als wir mit unserem Couchsurfing-Host Fredy am Freitagabend ausgehen wollten, führte dieser uns wieder zur Naturapotheke. Die jungen Huaracinos trinken nicht etwa Bier, bevor sie tanzen gehen, sondern erneut ein heißes, dampfendes und diesmal alkohlisches Getränk names “Chuchuhuasi”. Mit den Kräften des Chuchuhuasi sieht es ähnlich aus wie mit denen des Especial de Maca. Chuchuhuasi ist allerdings ein Baum, der im Regenwald anzutreffen ist. Für das gliechnahmige Getränk wird die Raumrinde des Chuchuhuasi verwendet. Beide Getränke sind jedenfalls braune Suppen, denen wir nur Vertrauen geschenkt haben, da die Schlangen vor den Naturistas lang waren.

Huaráz hat nur etwa 100.000 Einwohner

Huaráz hat nur etwa 100.000 Einwohner

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In Fredys Familie haben wir auch dessen Mutter kennengelernt. Sie trägt einen alten Hut, den sie “Jipi” nennt und eine Menge dicker Röcke. Außerdem freute sie sich wie wild, als wir beide die Küche betraten: “¡Gringitos, Gringitos, Gringitos!” (Amerikanerchen!) Ihr unsere Namen beizubringen, hatte keinen Effekt. Sie nannte uns weiterhin Gringitos. Außerdem konnten wir sie nur zur Hälfte verstehen, da sie ein Mischmasch aus Spanisch und Quechua sprach.

Von links: Kolja, Mutter Margarita, Schwester Liria, Fredy und Georg

Von links: Kolja, Mutter Margarita, Schwester Liria, Fredy und Georg

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Fredy und seine Schwester Liria pendeln hingegen regelmäßig nach Lima, um dort zu arbeiten. Fredy ist ein sportlicher Touristen-Guide, der Spanisch, Englisch, Französisch und sogar ein bisschen Deutsch mit uns gesprochen hat. Die starken Unterschiede zwischen den Familienmitgliedern haben uns Fredy fragen lassen, welche kulturellen Aspekte er von seiner Elterngeneration wohl noch forttragen wird. Für Globalisierungskritiker fiel seine Antwort überraschend positiv aus: Er spricht noch fließend Quechua, weiß auch noch, wie man ein Cuy zubereitet und hört dazu Huayno, den traditionellen peruanischen Anden-Sound. Er kleidet sich jedoch nicht mehr so wie seine Eltern und ist in Huaráz aufgewachsen anstatt auf den Berghängen um die Stadt herum. Trotzdem hat er vor, in Huaráz zu bleiben und wünscht sich, das Feld seiner Eltern auf dem Berg noch in Zukunft zu bestellen.


 

Die Highlights der von wachsenden Gletscherseen bedrohten Stadt liegen letztendlich nicht in der Stadt selber, sondern in der “Cordillera Blanca” (Die Weiße Bergkette), einem Nationalpark in dem auch der Huascarán liegt. Was wir dort erlebt und gesehen haben lässt sich jedoch viel besser mit Bildern als mit Worten erzählen.

Der Pastoruri-Gletscher wird in 20 Jahren nicht mehr existieren

Der Pastoruri-Gletscher wird in 20 Jahren nicht mehr existieren

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Die “Laguna Llanganuco”

Die “Laguna Llanganuco”

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Oben der Berg Chacraraju und unten die Laguna 69

Oben der Berg Chacraraju und unten die Laguna 69

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Cocablätter kann man nicht nur zu Kokain verarbeiten, sondern auch kauen. Sie helfen in der Höhe bei Sauerstoffmangel.

Cocablätter kann man nicht nur zu Kokain verarbeiten, sondern auch kauen. Sie helfen in der Höhe bei Sauerstoffmangel.

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