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Morgens halb zehn in Bolivien

Georg und Kolja reisen durch Südamerika Morgens halb zehn in Bolivien

Und weiter gehen die Abenteuer von Georg und Kolja aus Schleswig-Holstein. Nächster Step der Reise: Bolivien. Auf der Todesstraße geht es nach Städtetrip und Rushhour mit den Mountainbikes den Pass herunter.

Der Verkehr: steht!

Quelle: privat

 Nachdem wir Ica und die dortige Oase für uns hatten abhaken können, nahmen wir uns einen besonders langen Schlag Richtung Süden bis zur Stadt Arequipa vor. In Arequipa ist man Perús südlichen Nachbarländern Chile und Bolivien schon sehr nah.

Bereits häufiger mussten wir uns geschlagen geben, wenn wir an neuen Orten ankamen und zuvor noch dachten: “Ja, jetzt kennen wir das Land, in dem wir sind!” Genauso erging es uns auch in Arequipa. Arequipa liegt zwar in Perú, aber gehört nicht zu Perú. So einfach ist es jedenfalls, wenn man mit den Arequipeños redet. Auf den Märkten findet sich eine Unzahl an lokalen Produkten, die meistens Abänderungen von den originalen, nationalen Fundstücken sind. Zum Teil auch nur vom Namen her. So sind die drei großen Biersorten in Perú beispielsweise “Cusqueña, Pilsen und Cristal”. Das beliebteste und beste ist davon Cusqueña, welches namentlich an die Stadt Cusco angelehnt ist. Aber Arequipa hält da das “Arequipeña” entgegen, welches man in anderen Regionen des Landes eher nicht findet. Und auf dem großen Markt haben wir eine ganze Reihe an Sachen entdeckt, die uns bis jetzt noch nicht unter die Augen gekommen waren: Übergroße Oliven namens Umarì, eine eigene Papaya-Sorte aus Arequipa, die Papaya Arequipeña, und die Aguaje, dessen Schale einem Reptilienpanzer gleicht. Die Händler boten uns auch Lamaföten an, was auf den ersten Blick erschreckend aussah und uns eine echte Stange Gewöhnung gekostet hat. Die Lamaföten soll man dort vergraben, wo man ein neues Haus bauen möchte. Damit wird “Pachamama” (die Mutter Erde) um Erlaubnis gebeten, dass an dieser Stelle gebaut werden darf.

Die Aguaje

Die Aguaje

Quelle:



Außerdem haben wir das sogenannte “Pan de Guagua” (Baby-Brot) gefunden. Es handelt sich um ein saisonales Produkt vor allem für Ende November. Zu diesem Zeitpunkt werden nämlich besonders viele Babys geboren, was daran liegt, dass Karneval dann genau neun Monate zurück liegt. Karneval ist wie in vielen anderen Orten Südamerikas die wohl größte Party des Jahres und lässt die feierwütigen Arequipeños und Arequipeñas angeblich viele Kinder zeugen.

Süßes Brot mit kleinen Kinderköpfen

Süßes Brot mit kleinen Kinderköpfen

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Von Arica aus kann man Perú, das wir dann direkt im Nachhinein verlassen haben, immer noch sehen. Arica liegt im äußersten Norden Chiles. Wenn man dort am Strand badet, kann man unter Umständen in Perú wieder an Land gehen. Ein seltsamer Nebeneffekt während der halbstündigen Fahrt von der peruanischen Grenzstadt Tacna aus nach Arica ist, dass man bei der Grenzstation nahe dem Strand die Uhr gleich um 2 Stunden zurückdrehen muss. Die Chilenen haben nämlich eine veränderte Sommerzeit, die sie eine Stunde nach vorne schiebt. Das macht es auch an der chilenisch-bolivianischen Grenze seltsam kompliziert. Obwohl Bolivien östlich von Chile liegt, muss man zum Grenzübertritt im Sommer die Uhr um eine Stunde nach hinten stellen. Schon kurz hinter der Grenze kann man die Flagge Chiles mächtig auf dem großen Felsen “Morro de Arica” sehen. Und überhaupt wehen hier auffallend viele chilenische Flaggen, manchmal sogar doppelt. An den meisten Häusern sind welche angebracht.

An den meisten Häusern sind Fahnen angebracht

An den meisten Häusern sind Fahnen angebracht

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Zwischen Chile und seinen Nachbarn Perú und Bolivien herrscht nämlich nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Arica und Iquique waren früher peruanisch und Antofagasta bolivianisch. Alle drei sind Hafenstädte im heutigen Chile. Im Salpeterkrieg konnte Chile 1879 diese drei nördlichen Ballungsräume und ihre Regionen entlang der Pazifikküste für sich gewinnen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Also gehört auf den Morro de Arica nicht nur eine Flagge, die das Territorium als chilenisch bestätigt, sondern auch eine Christusstatue ähnlich der in Rio de Janeiro, die ihre Hände in Nord- Süd-Richtung parallel zur Küste ausstreckt. Sie soll den Frieden zwischen Perú und Chile sichern. Weitaus mehr als Perú hat 1879 aber Bolivien verloren: Den Zugang zum Meer. Und in diesem Zusammenhang haben wir eine krasse politische Realität miterlebt. Mit Renato, einem Ariceño, der ein Jahr lang zum Austausch in Bad Oldesloe war, haben wir von Arica einen Abstecher nach La Paz in Bolivien gemacht. Dort sind an vielen Stellen große Plakate angebracht, die den bolivianischen Präsidenten Evo Morales zitieren. 

“Bolivien hat den Weg des Friedens, des Dialogs und der internationalen Gerechtigkeit gewählt. . . "

“Bolivien hat den Weg des Friedens, des Dialogs und der internationalen Gerechtigkeit gewählt. . . "

Quelle:



Mit ca. 2 Mio. Einwohnern bilden El Alto und La Paz zusammen einen Ballungsraum. Oder sind es etwa zwei? Die beiden Teile könnten nämlich kaum unterschiedlicher sein. El Alto liegt auf einem flachen Plateau auf 4100 Metern, wirkt ärmlich und ist von kaltem, rauen Klima geprägt. Das wohlhabendere La Paz liegt rund 500 Meter darunter in einem tiefen Tal und freut sich über mehr Sonne und Temparatur. Von La Paz aus ist El Alto mit Elendsvierteln und Flughafen nie sichtbar, andersherum schon. Beide Städte werden von einer mautpflichtigen Straße verbunden, die eine ausgedehnte Serpentine fahren muss, um die Höhe zu überwinden. Auf Grund dieser geographischen Beschaffenheiten war unser Aufenthalt in La Paz sehr beeindruckend. La Paz wird bald von einem Seilbahnnetz bedeckt sein, das keine Touristenattraktion ist, sondern ein öffentliches Verkehrsmittel. Davon sind bisher drei Linien im Betrieb. In La Paz ist das Terrain einfach so verkorkst, dass es sich um Längen lohnt, einfach zu fliegen, anstatt sich am Boden zu bewegen. Egal ob mit der Seilbahn oder dem Bus, fesselnde Panoramablicke waren für uns an jeder Ecke vorprogrammiert.

Der Ipillani wacht über Stadien und Brücken

Quelle:



Morgens um halb 10 in Bolivien

Morgens um halb 10 in Bolivien

Quelle:



Alternative zum Bus: Die Seilbahn von La Paz

Alternative zum Bus: Die Seilbahn von La Paz

Quelle:



Die Hauptouristenattraktion vor Ort ist die wohl weithin bekannte Todesstraße: “El Camino de La Muerte.” Besagter Abschnitt des Weges zwischen La Paz und Coroico, auch Yungas-Pass oder Yungas-Straße genannt, hat seinen Namen verdient. Denn bis zum Bau einer asphaltierten Umleitung im Jahr 2006 verunglückten Passanten dort stets durch Erdrutsche oder bei der Milimeterarbeit an eigentlich viel zu engen Passagen. Das Verkehrsaufkommen war und ist so hoch, da es so gut wie keine Alternativen gibt, die das Amazonastiefland mit La Paz/El Alto verbinden. Und die Verbindung ist sehr wichtig. Beispielsweise muss regelmäßig eine Menge gerodeter Regenwald in der größten Agglomeration des Landes ankommen. Durch die neue Straße ist die Lage zwar weitgehend entschärft. Einem alteingesessenen bolivianischen Lkw-Fahrer kann man in Sachen Kühnheit aber nicht so leicht etwas vormachen. Zudem herrscht auf der Todesstraße Linksverkehr, damit die links sitzenden Lenker bei den Fahrzeugbegegnungen den Fahrbahnrand, genauer gesagt die Klippe, besser einsehen können.

Hoffen, dass kein Gegenverkehr kommt…

Hoffen, dass kein Gegenverkehr kommt…

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Und heute sind auf der Todestraße vor allem Mountainbiker anzutreffen, die mit guten Bremsen ausgerüstet an den kleinen mahnenden Grabsteinen vorbeirollen und das Adrenalin suchen. So wie auch wir.

Im dichten klaten Nebel geht es los. 4650m!

Im dichten klaten Nebel geht es los. 4650m!

Quelle:



Von links: Kolja, Georg, Renato

Von links: Kolja, Georg, Renato

Quelle:
Arequipa -16.409047 -71.537451
Arequipa
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