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Schwarz und Weiß in Ecuador: Trip durch Ibarra, Quito, Esmeraldas

Georg und Kolja reisen durch Südamerika Schwarz und Weiß in Ecuador: Trip durch Ibarra, Quito, Esmeraldas

Was ist Ecuavolley? Woher hat der Blutsee seinen Namen und warum hängen an zwei Bergen immer eine Wolke? Kolja und Georg reisten durch Ecuardor und fanden am Ende das Paradies.

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Kolja und Georg blicken auf Quito hinab.

Quelle: privat

Nun waren wir gerade erst im Land eingetroffen und es schienen uns jetzt schon einige Dinge unverkennbar ecuadorianisch. Beispielsweise wurde uns in der  “Weißen Stadt” Ibarra gleich erklärt, dass "Ecuavolley" eine völlig selbstständige Sportart und keine nationale Version von Volleyball ist. Der Unterschied zu Volleyball besteht jedoch nur darin, dass beim "Ecuavolley" der Ball härter ist und das Netz höher liegt. Es muss also jedem selber überlassen sein, an welchen Punkten er eine neue Sportart definiert. Die Männer bei der nächtlichen Partie, von der wir zufällig Zeuge geworden waren, waren sich ihrer Sache jedenfalls ziemlich sicher.

Ecuavolley in Ibarra

Ecuavolley in Ibarra

Quelle: privat



Und bereits der erste ecuadorianische Busbahnhof, den wir betraten, klang ungefähr so: "Quito, Quito, Quito, Quito, Quito, Quito, Quito" oder "Guayaquil, Guayaquil, Guayaquil, Guayaquil". Man muss sich das wie einen Basar vorstellen, auf dem der Lauteste die meisten Fahrgäste abbekommt. Da klangen die nervigen und monotonen Gesänge der ecuodorianischen Busfahrer für uns tatsächlich wie ein warmer Willkommensgruß.

Die Realität eines ecuadorianischen Busbahnhofs

Die Realität eines ecuadorianischen Busbahnhofs

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Die Provinz Imbabura, in der sich Ibarra befindet, erschien uns als ein Profiteur der touristischen Prestigeprojekte der ecuadorianischen Regierung. Häufiger als in anderen Gegenden sind über den Straßen riesige Tafeln angebracht, die die Autofahrer ablenken und die schönsten Bilder aus der Provinz zeigen. Und ähnlich wie in Berlin Tempelhof wurde in Ibarra ein ehemaliger Flughafen zu einem öffentlichen Park umfunktioniert. Im "Parque de la Ciudad Blanca" (Park der weißen Stadt) gibt es Skater-Anlagen, feine Gärten und einen lange Straße, die den Park symmetrisch wie einen barocken Garten in der Mitte teilt. Die "Weiße Stadt" wird Ibarra aufgrund ihrer kolonialen Architektur (weiße Häuser mit roten Dächern) genannt.

Ibarra und der Vulkan Imbabura

Ibarra und der Vulkan Imbabura

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Die Innenstadt Ibarras

Die Innenstadt Ibarras

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 Außerdem befindet sich im Tal zwischen den Vulkanen Imbabura und Cotacachi das Dorf Otavalo, welches landesweit so bekannt ist wie die Hauptstadt Quito. In Otavalo befindet sich nämlich ein Marktplatz, der Wallfahrtsort für alle Käufer von tradionellen Produkten der Quechua ist. Dabei handelt es sich größtenteils um farbenfrohe Schals, Decken oder Ponchos aus Lamawolle und eine Menge Schmuck.



Auf dem Quechua-Markt gibt es viele Schmuckstände.

Auf dem Quechua-Markt gibt es viele Schmuckstände.

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Die wenigen Kilometer dorthin kann man neuerdings auf einer übertriebenen sechsspurigen Autobahn zurücklegen. Durch die Nähe zur Hauptstadt und den touristischen Ressourcen profitiert die Gegend ungemein. Viele Touristen werden nach der Hauptstadt Quito anscheinend in die nördliche Nachbarprovinz Imbabura weitergeleitet und können sich dort ein sicheres und europäisches Ecuador ansehen.

Und apropos Quechua! Ab Pasto (Südkolumbien) ist uns aufgefallen, dass die Zahl an "Indígenas" (Ureinwohnern) stark zunimmt. Die moderne Bevölkerung durchmischt sich in den hohen Ebenen der Anden mit Menschen, die meist noch einen Kopf kleiner sind und aus den Dörfern in den Berghängen auf die Märkte und in die Busse strömen.

Eine Quechua will uns Pepinos (Melonenbirnen) verkaufen.

Eine Quechua will uns Pepinos (Melonenbirnen) verkaufen.

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Überdies ist der namensgeberische Einfluss des Quechua unübersehbar: Nariño, Carchi, Cuycocha, Pichincha und Yahuarcocha werden hier Provinzen, Städte und Gewässer genannt. Bei "La Laguna de Yahuarcocha" (aus dem Quechua: Blutsee) handelt es sich um eine Lagune, ebenfalls mit einigen Attraktionen erschlossen, die direkt bei Ibarra liegt. Wir haben den Ufern, die einst nach einer finalen Schlacht zwischen den Inkas und den Caranqui-Indianern rot von Blut gewesen sein soll (daher der Name), einen Besuch abgestattet.

Tretboot auf dem Blutsee - La Laguna de Yahuarcocha

Tretboot auf dem Blutsee - La Laguna de Yahuarcocha

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Dazu gibt es eine interessante Legende, die wahrscheinlich von den Indígenas an die europäischen Einwanderer und ihre Nachkommen herangetragen wurde. Die beiden Vulkane Imbabura und Cotacachi sollen ein altes Ehepaar abgeben, dass sich schon seit tausenden Jahren in den Haaren hat. So kommt es, dass immer mindestens einer der beiden Gipfel von einer Wolke umhüllt ist, da dieser gerade schmollt. Und ein wenig verblüffend ist es, dass selbst bei strahlend blauen Himmel dann doch eine kleine Wolke an einem der beiden Berge klebt.

Im Hintergrund der Cotacachi (zentral)

Im Hintergrund der Cotacachi (zentral)

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Als nächstes sind wir weiter nach Quito gefahren. Wenn man sich eine Karte der ecuadorianischen Hauptstadt ansieht, kann man ein wenig verzweifeln. Die Stadt liegt eigentlich in einem Kessel, aber mit den Jahren ist sie über die Berghänge hinausgewachsen, sodass sich heutzutage eine Unzahl an Vororten in den Tälern nahe dem Stadtkern verstecken. So fährt man auch auf den großen Verkehrachsen so gut wie immer bergauf oder bergab und ohnehin nie geradeaus. Die Stadt ist auf circa 2800 Metern so hoch gelegen, dass sie manchmal mit dem Himmel zu verschmelzen scheint. Auf solch einen Gedanken kommt man, wenn die Wolken nicht nur über, sondern auch in der Stadt herumwabern und regelmäßig die Häuserberge einhüllen. Ob man nun über oder unter den Wolken sein mag, lässt sich so gut wie nie sagen. Quito liegt eben mittendrin.

Blick auf Quito in der Abendsonne

Blick auf Quito in der Abendsonne

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Das typische Bergpanorama von unserer Unterkunft aus

Das typische Bergpanorama von unserer Unterkunft aus

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Unseren einen Tag in Quito haben wir damit verbracht, das Wahrzeichen Quitos "El Panecillo" zu besuchen und mit der Seilbahn "El Teleférico", auf der westlichen Seite der Stadt zu fahren, die einen auf halbe Höhe zum Krater des Vulkans Pichincha bringt.

Die Aussicht vom Panecillo aus

Die Aussicht vom Panecillo aus

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Die Aussicht am oberen Ende der Seilbahn "El Teleférico"

Die Aussicht am oberen Ende der Seilbahn "El Teleférico"

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Lamas auf den Gehwegen sind hier das Normalste der Welt.

Lamas auf den Gehwegen sind hier das Normalste der Welt.

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An der Talstation sprang uns noch eine junge Schulklasse an, allesamt verkleidet, mit bunten Schildern bestückt und zur Pantomime verdammt (Das mit der Wortlosigkeit klappte nicht so ganz!). Es handelte sich um ein kurzes Theaterstück, das an öffentlichen Orten über Ursachen und Folgen von Waldbränden informieren sollte. In Ecuador ist es zum Beispiel üblich, seinen Müll hinter dem Haus zu verbrennen. Nicht alle Städte haben funktionierende Abfallsysteme. Und die trocknen Andengräser entzünden sich unter der prallen Sonne, die täglich im Zenit steht, sehr schnell, sodass ein Zigarettenstummel oft ausreicht. Die Lehrerin stand daneben und nahm eifrig Fotos von ihren Schülern und dem gefundenen Publikum auf.

"Was sind die Faktoren, die Waldbrände verursachen?"

"Was sind die Faktoren, die Waldbrände verursachen?"

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Quito ist spektakulär und einzigartig. Doch der Pazifik, den wir bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatten, rief uns mindestens genauso laut. Außerdem hatten wir besonders Lust, ins Warme zu fahren, da die digitalen Thermometer auf unseren Handys bereits Temparaturen unter 10 Grad Celsius in der Heimat Deutschland anzeigten. Schon nach zwei Nächten nahmen wir also einen Bus nach Esmeraldas, in die "schwarze Provinz" Ecuadors. Der Weg dorthin hätte nicht beispielhafter für eine Reise in einem Entwicklungsland verlaufen können.

Stau vor einer waghalsigen Baustelle

Stau vor einer waghalsigen Baustelle

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Im Halbstundentakt mussten sich Bagger (oben im Bild) und Verkehr an dieser Stelle abwechseln, da der Bagger bei der Arbeit große Gesteinsbrocken auf die Fahrbahn rieseln ließ. Wenn dieser Pause machte, musste eine Raupe die Straße noch freiräumen, bis die Autos wieder rollen konnten. Der Verkehr konnte also nur halbtags fließen und die Baustelle nur halbtags vorankommen. Logistisch eine Katastrophe. Man gewöhnt sich dran und nimmt es mit Humor.

Esmeraldas ist die "schwarze Provinz" Ecuadors, da sie einen Großteil der Ethnie der Afro-Ecuadorianer beherbergt und Endpunkt der transandinen Öl-Pipeline ist. Dort befand sich früher die wichigste Erdölraffinerie des Landes, die 1998 den "Rio Esmeraldas" schon mal schwarz werden und später hat brennen lassen. Die Auswirkungen waren katastrophal und vernichteten die Mangrovensümpfe fast gänzlich.

Ölspuren am Strand

Ölspuren am Strand

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Und da heute die passenden Stadien anscheinend fehlen, spielen die Mannschaften der Fußball-Regionalliga immernoch auf dem öligen Strand ihre Partien.

Gleich geht es los…

Gleich geht es los…

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Da Ecuador China seit Kurzem ganz im Stil des Neokolonialismus mitmischen lässt, ist die Raffinerie "Esmeralda" nun renoviert worden und hat einige Kolleginnen dazubekommen. Ecuador und Venezuela sind die südamerikanischen OPEC-Mitgliedstaaten. Im 19. Jahrhundert gab es Simón Bolìvar, der die spanischen Kolonien befreite und sie zu unabhängigen Staaten gemacht hat. Nach ihm ist heutzutage der Bolivarismus benannt, unter dem der Antagonismus gegenüber dem Bild des reichen weißen Mannes (vor allem den USA) zu verstehen ist, was einer Mitgliedschaft im Kartell der ölproduzierenden Staaten die Hand reicht. Was damals der militärisch stärkere Spanier war, ist heute der finanziell stärkere US-Amerikaner oder Europäer. Die alternativen chinesischen Investoren sind bei den linken Regierungen also lieber gesehen. In dieses Schema passt auch hinein, dass sich Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in Londen aufhalten darf: "Wir zeigen es den Großen und Mächtigen!"

Doch die Provinz Esmeraldas bietet auch ein idyllisches Kontrastprogramm. Bei dem Ort, den wir uns als Nächstes ausgesucht haben, gibt es in der Nähe ebenfalls einen schwarzen Strand. Jedoch ist hier der Sand aufgrund des hohen Titaniumgehalts selbst, und nicht durch das Öl schwarz.

Schwarzer Sandstrand

Schwarzer Sandstrand

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Ein toter Kugelfisch

Ein toter Kugelfisch

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Diesen Ort wollen wir absichtlich nicht namentlich erwähnen. Das soll dazu beitragen, dass der Ort so bleibt, wie er ist: einzigartig still, nahe dem Paradies (wie ein Einwohner uns zu berichten wusste) und ein bisschen verwunschen. Dort haben sich argentinische Aussteiger in den sandigen Gassen ihr Surfer-Paradies aufgebaut und arbeiten nur zwei bis drei Stunden am Tag.

Das Surferparadies

Das Surferparadies

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Das stille Paradies irgendwo in Esmeraldas

Das stille Paradies irgendwo in Esmeraldas

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Es gibt genügend Orte auf der Welt, die dem Kapitalismus verfallen und alles darauf anlegen, dass man weithin von ihnen spricht. Sie verlieren ihre Ursprünglichkeit und lassen ihre Promenaden mit Hotelblöcken überziehen. Zugegebenermaßen sind diese Orte für uns ganz cool, um feiern zu gehen. Solch stille Orte sollten aber ebenfalls erhalten bleiben.

Eine Einrichtung der Argentinier: Wenn Sie Müll auf den Boden werfen, machen sie sich dreckig. Gott erlaubt so etwas nicht.

Eine Einrichtung der Argentinier: Wenn Sie Müll auf den Boden werfen, machen sie sich dreckig. Gott erlaubt so etwas nicht.

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