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Zum Mittagessen Meerschweinchen

Georg und Kolja reisen durch Südamerika Zum Mittagessen Meerschweinchen

Und ihre Reise geht weiter: In Ecuador treffen die Schleswig-Holsteiner Georg und Kolja auf alte Bekannte. Und zur Feier des Tages gibt es eine besondere Delikatesse.  

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Gebratenes Meerschweinchen ist besondere in den Dörfern rund um Cuenca sehr beliebt.

Quelle: privat

Das nächste Wochenende haben wir in Montañita verbracht. Das ist ein kleiner Strandort, der einst als Geheimtipp für Surfer galt. Inzwischen wird das Dorf international vor allem wegen seiner Qualitäten als Partyort und seiner durch Hippies beeinflusste Atmosphäre geschätzt. Auf den Hauptstraßen werden außerdem jeden Tag rund um die Uhr Kunsthandwerk, frische Säfte und Cocktails angeboten, was das Dorf zu einem der beliebtesten Touristenattraktionen Ecuadors macht. Damit endete unsere Reise auf der “Ruta del Sol”, der Sonnenroute, die Anfang Oktober jedoch eher bewölkt war.

Sonnenuntergang in Montañita

Sonnenuntergang in Montañita

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Wieder unterwegs fiel uns auf, dass der Patriotismus in Ecuador stark ausgeprägt ist. Dieser fängt bei den im ganzen Land aufgehängten Werbeplakten an, welche die Ecuadorianer auffordern, einheimische Produkte zu kaufen.

“Kaufst du Kleidung – zuerst in Ecuador”Dazu gibt es noch Variationen für Lebensmittel etc.

“Kaufst du Kleidung – zuerst in Ecuador”Dazu gibt es noch Variationen für Lebensmittel etc.

Quelle:



Aber mehr identifizieren sich auch die Ecuadorianer über den Fußball. Steht an einem Tag ein Spiel der Nationalmannschaft an, tragen fast alle Passanten auf der Straße das leuchtend gelbe Trikot der “Tri”, wie die Nationalmannschaft aufgrund ihrer drei Farben (gelb, blau und rot wie die Nationalflagge) gennat wird. Und beginnt eine Partie, wird die Arbeit oft stehen und liegen gelassen. Die Menschen versammeln sich in Bars, vor Elektronikläden mit Fernsehern oder sie sehen sich die Übertragung beim Laufen auf dem Handy an. Wer keine Möglichkeit hat das Spiel anzusehen, was zum Beispiel die Busfahrer betrifft, lässt wenigstens die Radioübertragung mitlaufen. Wenn man als Ausländer durch die Straßen läuft, kann man sich sicher sein, kein Tor zu verpassen. Auch große Chancen werden wie ein Tor gefeiert und mit dem bekannten Fängesang “¡Si, se puede!” (Ja, es ist möglich!) bejubelt. Am einfachstens ist es, sich einfach zwischen die Ecuadorianer zu setzen und in diese Atmosphäre einzutauchen.

Ecuadorianer vor einer Partie

Ecuadorianer vor einer Partie

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Ein großes Thema in Ecuador ist die Klimaveränderung, die auch für unsere Reise von Bedeutung ist. Das “El Niño”-Phänomen steht laut meteorologischer Vorhersagen bevor. Dieses Wetterphänomen ist schon seit mehr als einem Jahrzehnt überfällig. Es wird daher befürchtet, dass es dieses Jahr mit enormer Wucht auftritt . Bei einem El Niño schwächen sich die von Südamerika nach Westen ziehenden Passatwinde so stark ab, dass der Humboldtstrom vor Perú zum erliegen kommt. Dadurch erwärmt sich das Wasser an der peruanischen Küste, was Folgen für mehrere Regionen auf der ganzen Welt hat. Da das kalte, nährstoffreiche Wasser ausbleibt, gehen die Fischbestände vor Peru zurück, was wirtschaftlich fatal für die peruanischen Fischer ist und auch die dortige Vogel- und Robbenbestände bedroht. An der ecuadorianischen Küste verursacht El Niño sintflutartige Regenfälle, weshalb die Regierung vorsorglich die Kanalisation reinigen lässt. Außerdem werden die Abschlussprüfungen der Schulen, die normalerweise erst im Dezember anstehen, vorverlegt, da das Phänomen sich dann in der Regel in seiner Hochphase befindet. Daher kommt auch der Name, den ihm peruanische Fischer gegeben haben. El Niño ist die spanische Bezeichnung  für das Christkind.

Ein besonderer Höhepunkt unserer Reise war die Ankunft in Cuenca, da wir dort unser Austauschjahr verbracht hatten. Daher hieß es für uns, die Zeit weniger mit dem Besuch von Touristenattraktionen, sondern mehr mit unseren Gastfamilien und Freunden zu verbringen.

Cuenca ist mit ca. 400.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Ecuadors und liegt wie Quito in den Anden. Auch optisch ähneln sich die beiden Städte sehr, was vor allem an den Häusern im spanischen Kolonialbaustil liegt, die in den Stadtzentren erhalten geblieben sind. Die vier Flüsse, Tomebamba, Yanuncay, Tarqui und Machángara werten das Stadtbild noch mehr auf. Es lässt sich leicht nachzuvollziehen, weshalb sich viele Rentner aus Europa und Amerika dort niederlassen.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die “Nueva Catedral”

Das Wahrzeichen der Stadt ist die “Nueva Catedral”

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Der Rio Tomebamba

Der Rio Tomebamba

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Im Zentrum fanden wir eine deutsche Bäckerei. Natürlich mit Schwarzbrot

Im Zentrum fanden wir eine deutsche Bäckerei. Natürlich mit Schwarzbrot

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Noch ein Gruß aus der Heimat: Marzipan nach Lübecker Art

Noch ein Gruß aus der Heimat: Marzipan nach Lübecker Art

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Es ist erstaunlich, wie viel sich in nur zwei Jahren verändert hat. Einige unserer Freunde sind jetzt mit 19 oder 20 Jahren bereits verheiratet und mit eigenem Kind unterwegs. Manche sind zum Arbeiten in die USA ausgewandert, was in lateinamerikanischen Länder durchaus üblich ist. Auch die Stadtbild hat sich stark verändert. Das liegt vor allem daran, dass im Zentrum gerade die erste und einzige Straßenbahn Südamerikas errichtet wird und die Bauarbeiten den Verkehr blockieren. Gleich geblieben sind die Traditionen, allen voran das in der Andenregion typische Gericht “Cuy” (gebratenes Meerschweinchen). Diese Spezialität ist insbesondere in den Dörfern rund um Cuenca sehr beliebt. Es ist jedoch kein normales Mittagessen, sondern viel mehr ein Festtagsessen.

Georg beim Braten eines Meerschweinchens Das Meerschweinchen wird mit Ají (Chilisoßen), Mote ( andine Maissorte) und Kartoffeln gegessen.

Georg beim Braten eines Meerschweinchens Das Meerschweinchen wird mit Ají (Chilisoßen), Mote ( andine Maissorte) und Kartoffeln gegessen.

Quelle:



Georg beim Braten eines Meerschweinchens Das Meerschweinchen wird mit Ají (Chilisoßen), Mote ( andine Maissorte) und Kartoffeln gegessen.

Georg beim Braten eines Meerschweinchens Das Meerschweinchen wird mit Ají (Chilisoßen), Mote ( andine Maissorte) und Kartoffeln gegessen.

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Da man in Südamerika in der Regel schon mit 17 Jahren die Schule beendet, geht das Groß unserer Freunde inzwischen auf die Uni. So hatten wir die Möglichkeit, den Unterricht an ecuadorianischen “U’s” kennenzulernen. Dieser ähnelte von der Lockerheit her stark dem ecuadorianischen Schulunterricht, den wir bereits kannten. Lehrer kommen häufig zu spät oder auch gar nicht zum Unterricht. Ein Handyverbot gibt es auch, welches jedoch nicht für die Lehrer gilt, die gerne mal längere Telefongespräche mitten im Unterricht beginnen.
Erstaunlich war auch der Englischunterricht.  Es wurde ein Stoff behandelt, der einem aus Beginn der Mittelstufe bereits bekannt ist. Dabei muss man aber bedenken, dass die wenigsten Englischlehrer hier die Möglichkeit bekommen, eine Zeit lang im Ausland zu leben und ihre Kenntnisse ebendalls nur aus dem Unterricht erhalten. Das Sprachniveau  an den Schulen ist dementsprechend niedrig.

Eine Sache, die alle Großstädte in Ecuador gemeinsam haben, erinnert an Zustände aus George Orwells Roman”1984″: An Ampeln und Laternen sind fast überall sogenannte “Ojos de Aguilar” (Adleraugen) angebracht. Dabei handelt es sich um Kameras, mit denen die Polizei Straßen und Parks überwacht. Auch wenn diese Maßnahme der Sicherheit dienen soll, war es für uns beklemmend rund um die Uhr bewacht zu werden.
Neu ist dazu die Einführung der “Guardia Ciudadana”, einer Art Bürgerwehr, die kontrolliert, dass niemand auf den Straßen Alkohol konsumiert und bei Verstößen hohe Bußgelder eintreibt. Dies führt jedoch nicht dazu, dass der Alkoholkonsum sinkt. Viel mehr lassen sich die Einheimischen kreative Wege einfallen, heimlich zu trinken. Im kalten Cuenca sieht man somit bei öffentlichen Veranstaltungen neuerdings jede Menge Thermoskannen und PET-Flaschen.

In der Nähe von Cuenca liegt die größte Inkaruine Ecuadors mit dem Namen Ingapirca (Inkamauer auf Cañari). Ingapirca ist sozusagen das kleine Machu Picchu Ecuadors. Die Cañari waren die Ureinwohner der Region um Cuenca und haben im 15.Jahrhudnert die Stadt Ingapirca gebaut. Diese wurde später von den Inka eingenommen, jedoch nicht zerstört, sondern in deren Reich eingegliedert. Die Inka erweiterten daraufhin die Stadt mit einem ihrer Sonnentempel, ließen den verblieben Cañari jedoch ihren traditionellen Tempel, mit dem diese wiederum den Mond anbeteten. Daher ist Ingapirca sehr speziell, da es zeigt, wie die Inka fremde Kulturen in ihre eingliederten. Im Kontrast dazu steht die Eroberung Cuencas durch die Conquistadores. Dort zerstörten die Spanier alle religiösen Einrichtungen der Inka und errichteten auf deren Ruinen Kirchen. So kommt es auch, dass Cuenca mit zwölf Gotteshäusern die katholischste Stadt Ecuadors ist. Den Rest bilden evangelische Gemeinden, die jedoch hier -im Gegensatz zu Deutschland- keine eigenen Kirchen haben und in ihrer streng gläubigen Haltung eher mit Sekten gleichzustellen sind.

Der Sonnentempel von Ingapirca

Der Sonnentempel von Ingapirca

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Da in Cuenca die alljährlichen Unabhängigkeitsfeiern bevorstanden, sind wir noch eine Woche länger als geplant dort geblieben. Über diesen Zeitraum haben alle Ecuadorianer Feiertage. An allen Ecken der Stadt werden dann Märkte mit einheimischen und internationalen Produkten aufgebaut, unter denen wir auch unser Niederegger-Imitat gefunden hatten. Es gibt reichlich Konzerte und – typisch südamerikanisch – eine Menge Paraden. Bei diesen präsentieren sich die Schulen, das Militär oder die “Reinas” (Königinnen). Jedes Jahr werden in Schönheitswettbewerben verschiedene Königinnen für alles mögliche gewählt: Eine der Stadt, eine der Freundschaft, der Bananen oder auch eine Königin der Krabben. Über den Festlichkeiten ertönt die Stadthymne der "Chola Cuencana" und der zu oft verwendete Ausruf “¡Que VIVA Cuenca!” (Es lebe Cuenca!) wird von der Bevölkerung stets mit frenetischem Applaus gewürdigt.

Die “Cholas”, die traditionellen Schöhnheitsköniginnen von Cuenca

Die “Cholas”, die traditionellen Schöhnheitsköniginnen von Cuenca

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Die Stadtfarben rot und gelb dürfen auf keiner Parade fehlen

Die Stadtfarben rot und gelb dürfen auf keiner Parade fehlen

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… und noch mehr “Reinas”

… und noch mehr “Reinas”

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Eine besondere Tradition der Feiertage von Cuenca ist dazu das Abbrennen der “Vaca Loca” (verrückte Kuh), die wir auf einem Schulkonzert miterlebt haben. Dabei trägt ein Auserwählter – in unserem Fall war das ein 10-jähriger Junge – eine Kuh aus Pappmaché auf dem Kopf, während er mit seinen Kolleginnen, den Cholas tanzt. Die Kuh ist mit verschiedensten Feuerwerkskörpern gefüllt, die Stück für Stück über dem Kopf des Tänzers explodieren. Schutz bot dem Jungen allein ein traditioneller Poncho. Verständlicherweise war das Kind unter der sich selbst zerstörenden Kuh sichtlich verängstigt, tanzte aber tapfer weiter. Es hatte die Zeremonie physisch unbeschadet überstanden.

Die Vaca Loca vorher…

Die Vaca Loca vorher…

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…und im Einsatz.

…und im Einsatz.

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Dass Sicherheit auf anderen Kontinenten weniger groß geschrieben wird als bei uns, zeigte auch das Seifenkistenrennen.  Es fand ohne Fahrbahnbegrenzug statt, und gefahren wurde mitten durch die Zuschauer. Eine Staffel an Motorrädern der Polizei eilte den Seifenkisten voraus, um die wartende Menge rasch auseinanderzutreiben. Das Eselrennen fand unter ähnnlichen Bedingungen statt. Nur etwas langsamer und deshalb ohne Polizei, da die Esel nicht freiwillig liefen, sondern an Seilen gezogen wurden.

Seifenkisten auf der Avenida Huyana Capac

Seifenkisten auf der Avenida Huyana Capac

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Beim Eselrennen

Beim Eselrennen

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Nebenbei kommt eine Frau und verkauft Melcocha (Karamellbonbon-Masse) von der Hand

Nebenbei kommt eine Frau und verkauft Melcocha (Karamellbonbon-Masse) von der Hand

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